06. November 2019 / 15:06 Uhr

Internationale Karriere beendet: Ruder-Ass Julius Peschel lässt locker

Internationale Karriere beendet: Ruder-Ass Julius Peschel lässt locker

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Julius Peschel (rechts) hat seine internationale Ruderkarriere beendet.
Julius Peschel (rechts) hat seine internationale Ruderkarriere beendet. © dpa
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Julius Peschel vom DRC beendet mit 29 Jahren seine internationale Karriere. Große internationale Regatten seien keine Motivation mehr für den Ex-Vizeweltmeister. Lokal bleibt er allerdings „im Boot“.

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So schlimm ist es gar nicht, in ein ruhigeres Fahrwasser zu wechseln. Das dämmerte Julius Peschel ausgerechnet bei der Ruder-Weltmeisterschaft im August in Ottensheim. Als der Hannoveraner die Boote am Start liegen sah, war er ganz froh, deren Druck nicht zu haben – und gleichzeitig überrascht von dieser Erkenntnis. „Das war neu für mich, da begann das Gedankenspiel mit dem Karriereende“, sagt Peschel.

Inzwischen hat der 29-jährige Ex-Vizeweltmeister den Schritt vollzogen. Der erfolgreichste Ruderer Hannovers des vergangenen Jahrzehnts wird nicht mehr im Nationalteam fahren. „Ich bleibe aber im Boot und werde weiter rudern. Dafür liebe ich diesen Sport einfach zu sehr. Aber ganz große internationale Regatten sind keine Motivation mehr.“

Julius Peschel (2.v.l.) bei seinem größten Erfolg: dem Gewinn der WM-Silbermedaille.
Julius Peschel (2.v.l.) bei seinem größten Erfolg: dem Gewinn der WM-Silbermedaille. © dpa
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„Ich habe lange überlegt und dann diesen Entschluss gefasst“

Bereits im Mai zerschlugen sich für den beliebten Athleten des DRC Hannover bei der Regatta in Duisburg die Hoffnungen auf die EM-Teilnahme. Hatte er damals schon Zweifel? „Nein, ich wollte es schaffen“, so Peschel. Somit war gleichzeitig klar, dass es für den zu Schwergewichten gewechselten Mann nicht für Olympia 2020 in Tokio reichen würde. Und damit begann obendrein der Gedanke an die nächsten wichtigen Wettkämpfe zu verschwimmen. „Ich habe lange überlegt und dann diesen Entschluss gefasst“, betont Peschel.

Heute wiegt der 1,90 Meter große, technisch überaus versierte Ruderer 85 Kilogramm. Als Leichtgewicht brachte er nur etwa 70 Kilogramm auf die Waage, als er 2013 WM-Silber im Doppelvierer und 2017 Bronze im Vierer gewann. Vor zwei Jahren stellte sich Peschel komplett um, er machte reichlich Gewicht, um es mit den schweren Jungs zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Das IOC nämlich speckte das Leichtgewichtsrudern zusehends ab, inzwischen ist nur noch eine Klasse übrig (Doppelzweier). „Generell wird das Ruderprogramm bei Olympia verkleinert“, sagt Peschels langjähriger Coach Thorsten Zimmer. Das gehe zu Lasten der Leichtgewichte. „Deren Stellenwert sinkt, und das schadet der breiten Basis.“

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„Ich rate es jedem: Nimm dein Herz in die Hand, leg die Scheuklappen ab und versuch es. Es lohnt sich.“

Peschel trainierte sich also 15 Kilo zusätzlich an und fühlt sich damit rundum wohl. Unter den schweren Ruderern zählt er damit dennoch zu den leichteren. „Daher hat es physiologisch nicht gereicht“, so Zimmer, der Trainer am Bundesstützpunkt ist und Peschel ein Freund geworden ist. „Ich habe es versucht und nicht bereut. Aber jetzt ist es Zeit“, berichtet Peschel, der gerade an seiner Masterarbeit schreibt. Er studiert Philosophie und Politische Theorie in Frankfurt. „Ich schaue rechts und links, würde gern etwas mit Sport machen“, sagt der lese- und reisefreudige Peschel.

Bei seinem offiziellen Rücktritt anlässlich einer Feier des DRC erfuhr er viel Zuspruch. „Alle haben es verstanden, ich habe mich wertgeschätzt gefühlt. Dieser Verein ist Teil meiner Familie“, so Peschel. Ein Mitglied dieser Familie hat ihn in all den erfolgreichen Jahren meistens begleitet: DRC-Sportvorstand Christian Otto Held. „Otto hat mir in den entlegensten Winkeln der Welt geholfen und mich angefeuert, dafür bin ich dankbar“, sagt Julius Peschel, der Aktivenvertreter im Landessportbund ist und bleiben wird. Er sieht es als seine Aufgabe, für den Leistungssport zu werben: „Ich rate es jedem: Nimm dein Herz in die Hand, leg die Scheuklappen ab und versuch es. Es lohnt sich.“

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