30. Juli 2019 / 14:09 Uhr

Wolfsburgs Admir Mehmedi: "Früher musste ich die Schuhe älterer Spieler putzen"

Wolfsburgs Admir Mehmedi: "Früher musste ich die Schuhe älterer Spieler putzen"

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Admir Mehmedi sieht die Entwicklungen im Profifußball durchaus kritisch.
Admir Mehmedi sieht die Entwicklungen im Profifußball durchaus kritisch. © Boris Baschin
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Viele Fußballer verdienen inzwischen schon in jungen Jahren Millionen. Admir Mehmedi hat dafür wenig Verständnis. SPORTBUZZER-Redakteur Alexander Flohr sprach im Interview mit dem Spielmacher des VfL Wolfsburg über die Entwicklung im Profi-Geschäft, das neue Spielsystem der Wölfe und seine Ziele.

SPORTBUZZER: Herr Mehmedi, Sie wollen in der neue Saison eine neue Rolle im Team annehmen und vor allem Ihre Erfahrungen mit jungen Spielern teilen. Wieso?

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Admir Mehmedi: Ich möchte ihnen gerne das weitergeben, was ich erlebt habe. Nach einer guten Saison darf beispielsweise nicht Schluss sein. Es wird Rückschläge in der Karriere geben, gerade bei jungen Spielern, die erst eine Super-Saison spielen und dann nicht mehr zum Zug kommen. Wenn die Karriere ins Stocken gerät, darf man nicht den Glauben und die Geduld verlieren. Wenn die jungen Spieler zu mir kommen, helfe ich ihnen.

Wie hat sich der Umgang mit Jungprofis verändert?

Die Zeiten haben sich geändert. Früher musste ich die Schuhe der älteren Spieler putzen. Heutzutage ist es so, dass junge und ältere Spieler ganz normal miteinander umgehen. Das war zu meiner Zeit nicht der Fall. Mir persönlich hat es geholfen, dass ich mich durchbeißen musste.

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Wie nehmen Sie Entwicklungen im Profi-Geschäft wahr, wenn ein 18-Jähriger bereits Millionen verdient?

Das ist leider der Trend. Heutzutage werden junge Spieler bereits nach einer guten Saison hochgejubelt. Dann ist man schon ein Star. Bei mir brauchte es zwei Spielzeiten, in denen ich mich bestätigen musste, bevor ich überhaupt Schweizer Nationalspieler geworden bin. Jetzt geht es brutal schnell. Man setzt immer mehr auf junge Spieler. Das ist auch gut, aber es geht manchmal zu schnell.

Die wichtigsten Trainingslager-Erkenntnisse beim VfL Wolfsburg

1 - Fitness für den Kopf ist wichtig! In den acht Trainingstagen (am Samstag stand nur das Testspiel gegen Union Berlin an) in Schladming hatten Glasner und Co. keine Übung wiederholt. Die mitgereisten Fans staunten nicht schlecht – sie sahen einen Schubkarren-Slalomlauf, Schick-Schnack-Schnuck und Ampel-Pads, die ausgetreten werden mussten. Es klappte nicht alles, nicht jeder Profi blieb in der Karre, eine Übung mit Rollbrettern musste sogar abgebrochen werden. Aber alle Einheiten zielten auch auf Fitness im Kopf, auf schnelles Denken – damit die Spieler im Wettkampf schnell gute Lösungen finden können. Zur Galerie
1 - Fitness für den Kopf ist wichtig! In den acht Trainingstagen (am Samstag stand nur das Testspiel gegen Union Berlin an) in Schladming hatten Glasner und Co. keine Übung wiederholt. Die mitgereisten Fans staunten nicht schlecht – sie sahen einen Schubkarren-Slalomlauf, Schick-Schnack-Schnuck und Ampel-Pads, die ausgetreten werden mussten. Es klappte nicht alles, nicht jeder Profi blieb in der Karre, eine Übung mit Rollbrettern musste sogar abgebrochen werden. Aber alle Einheiten zielten auch auf Fitness im Kopf, auf schnelles Denken – damit die Spieler im Wettkampf schnell gute Lösungen finden können. ©

Ihr Vertrag beim VfL läuft noch bis 2022. Wie lautet Ihr persönlicher Karriere-Plan?

Es gibt verschiedene Szenarien. So schön der Fußball ist, so traurig ist es, dass man nie etwas planen kann. Mal kommt ein neuer Trainer, dann ändert sich deine Position oder dein Standing verändert sich. Ich fühle mich schon sehr wohl hier. Die Entwicklung im Klub stimmt. Nicht umsonst habe ich einen langfristigen Vertrag unterschrieben.

2022 wären Sie 31. Ist es für Sie eine Option, Ihre Karriere in Wolfsburg zu beenden?

Klar, warum nicht?

Neu-VfL-Trainer Oliver Glasner spielt im 3-4-3-System. Wo ist der richtige Platz für Sie in dieser Formation?

Vorne haben wir keine festen Positionen. Da sind wir sehr variabel. Wichtig ist, dass wir das als Mannschaft umsetzen, was der Trainer verlangt. Ich bin nicht der klassische Neuner oder Flügelspieler. Für mich ist die Position zweitrangig. Es geht viel mehr um die Umsetzung.

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Verändert sich für Sie dadurch viel?


Letztes Jahr hatte ich mehr Freiheiten und konnte mich hinter den zwei Spitzen frei bewegen. Jetzt muss ich taktisch andere Dinge umsetzen. Wir wollen viele Balleroberungen. Dafür müssen wir früh pressen. Bei Ballbesitz müssen wir uns zwischen den Ketten bewegen. Ich denke, das liegt mir ganz gut.

Unter Roger Schmidt haben Sie in Leverkusen ähnlich gespielt. Hilft Ihnen das?

So groß sind die Unterschiede nicht. Von der Art des Fußballs ähnelt es. Die Dreierkette haben wir unter Schmidt nicht praktiziert. Aber ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten – auch im Training konnte ich schon die eine oder andere Übung wiedererkennen. Da sieht man schon, dass beide zusammengearbeitet haben.

Wie kommen die Übungen für den Kopf an?

Für diese Art von Fußball muss man im Kopf frisch sein. Man muss permanent auf Situationen reagieren können. Das versuchen wir zu trainieren. Auf mich macht der Trainer insgesamt einen guten Eindruck. Er weiß, was er will. Die Mannschaft nimmt das sehr gut an. Es braucht natürlich Zeit, aber es macht Spaß.

Trikot-Historie des VfL Wolfsburg in der Bundesliga

1997 - Das Heimtrikot des VfL Wolfsburg in der Spielzeit 1997/98. Stefan Fritze Meißner gegen Schalke 04. Zur Galerie
1997 - Das Heimtrikot des VfL Wolfsburg in der Spielzeit 1997/98. Stefan "Fritze" Meißner gegen Schalke 04. ©

Hatten Sie schon mal so viel Spaß in einem Trainingslager?

(Lacht) Da muss ich lange zurückdenken. Ich habe bereits etliche Trainingslager hinter mir. Aber es war schon so, dass es brutal viel Bock gemacht hat. Es waren intensive Einheiten, doch der Spaß war auch da. Klar ist eins: Wir müssen uns eine Basis für die Saison erarbeiten. Das versuchen wir in diesen Tagen.

Im Trainingslager haben Sie voll mittrainieren können, zuvor nicht immer. Sind Sie überhaupt fit?

Natürlich fehlt in den Testspielen ein wenig die Spritzigkeit. Das ist aber normal. Das eine oder andere klappt noch nicht. Die Leichtigkeit ist noch nicht da. Aber davon lasse ich mich nicht beunruhigen. Ich konnte die Tage in Schladming gut trainieren und alles durchziehen.

Was nehmen Sie sich für die neue Spielzeit vor?

Mein Ziel ist es, verletzungsfrei zu bleiben. Das klingt vielleicht komisch, aber ich meine es genau so. Wenn ich das schaffe, dann werden meine Leistungen auch gut sein. Davon bin ich überzeugt.

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