13. Juni 2016 / 15:15 Uhr

Interview: Alfred Finnbogason

Interview: Alfred Finnbogason

Tim Lüddecke
SPORTBUZZER-Nutzer
Alfred Finbogason USER-BEITRAG
Alfred Finbogason © dpa
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Wir trafen den isländischen Bundesliga-Profi Alfred Finnbogason

Herr Finnbogason, Island ist mit rund 330 000 Einwohnern das kleinste Land, das sich jemals für eine Europameisterschaft qualifiziert hat, vor der Türkei, vor den Niederlanden. Wie geht das?

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Das war etwas sehr Besonderes. Gerade, weil wir schon in der Qualifikation zur WM 2014 so nah dran waren, als wir es in die Play-offs geschafft haben und unser letztes Spiel gegen Kroatien verloren haben (0:2 nach 0:0, d. Red.). Aber diese Erfahrung hat uns so viel gegeben. Manchmal muss man eben eine Niederlage erleiden, um einen Nutzen daraus ziehen zu können.

Was lief diesmal anders, besser?

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Wir waren noch fokussierter. Dazu kam, dass wir wirklich gut in die Qualifikation gestartet sind, wir haben uns in einen Rhythmus gespielt. Es ist schwierig zu erklären: Wir haben nicht das beste Team, aber eine der am besten organisierten Mannschaften.

Gibt es ein Island-Geheimnis?

Wir sind alle gute Freunde. Wir haben acht oder neun Spieler in der Mannschaft, die schon in der U 21 zusammen gespielt haben, die 2010 die Deutschen (unter anderem mit Höwedes, Hummels, Schmelzer, d. Red.) 4:1 geschlagen hat. Ich glaube, das war der Tag, an dem die Leute realisiert haben, dass wir ein besonderes Team haben. Und diese Mannschaft wurde zum isländischen A-Team.

Welche Rolle spielen die Fußballhallen, die man Anfang des Jahrtausends in Island errichten ließ?

Sie waren ein Schlüssel des Erfolgs. Die Hallen wurden gebaut, als ich acht, neun Jahre alt war. Meine Generation war also die erste, die darin spielte. Vorher musstest du bei Wind und Wetter draußen trainieren. Aber mit den Fußballhallen konnte man das ganze Jahr über spielen. Und so bekamen wir natürlich bessere Spieler, technisch stärkere Spieler, gute Spieler.

So wie Sie aktuell.


Ich bin sehr glücklich, dass ich jedes Spiel spielen kann und wichtig für die Mannschaft bin. Mit 27 Jahren bin ich in der besten Form meines Lebens.

Wie wichtig ist es, dass fast alle Spieler im Ausland spielen?

Das ist von großer Bedeutung. Die Spieler gehen bereits in jungen Jahren ins Ausland. Du musst diesen Schritt gehen, wenn du erfolgreich sein willst, weil du dich nicht großartig entwickeln kannst, wenn du in Island bleibst.

Ihr Trainer Lars Lagerbäck sagt: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wenn uns das gelingt, können wir Europameister werden.“ Sehen Sie das auch so?

Ja, ich stimme ihm da zu (lacht), dann wären wir Europameister.

Mit welchem Verein lässt sich der isländische Fußball vergleichen?

Man kann uns ein bisschen mit Atlético Madrid vergleichen, sie spielen auch im klassischen 4-4-2, natürlich mit qualitativ besseren Spielern, aber von der Organisation her sind wir uns sehr ähnlich. Jeder Spieler kennt seine Rolle ganz genau.

Es gibt Turnierfavoriten, es gibt Außenseiter, was ist Island?

Ich würde sagen der große Underdog.

Der größte aller Zeiten?

Ja, das kann man so sagen. Wir nehmen ja gerade erst das erste Mal an einer EM teil.

Würden Sie bitte folgenden Satz ergänzen: Sie haben die wenigsten Einwohner aller EM-Teilnehmer, dafür aber den größten ...

... Glauben.