20. November 2019 / 07:51 Uhr

Dieter Schatzschneider über 96-Trainer Kenan Kocak: "Gefällt mir ausgezeichnet"

Dieter Schatzschneider über 96-Trainer Kenan Kocak: "Gefällt mir ausgezeichnet"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dieter Schatzschneider
Dieter Schatzschneider © Debbie Jayne Kinsey
Anzeige

Dieter Schatzschneider schaute sich zuletzt immer wieder Trainingseinheiten von Hannover 96 an. Gewohnt offen spricht der Ex-Torjäger im SPORTBUZZER-Interview über den neuen Trainer Kenan Kocak, seine Trainingsmethoden und wann 96 wieder richtig durchstarten wird.

Anzeige
Anzeige

Dieter Schatzschneider, sind Sie jetzt immer als Beobachter beim Training dabei?

Ich versuche, es mir so oft wie möglich anzuschauen. Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir ausgezeichnet. Ich glaube daran, dass man so spielt, wie man trainiert. Ich wusste auch, wa­rum wir immer nach 65 Mi­nu­ten platt waren. Es wurde viel geredet und zu wenig ge­tan. Ich freue mich, dass wir jemanden haben, der Erfolg über Arbeit sucht. Das macht mir Freude, so werden wir wieder bessere Zeiten erleben. Da hat man aber auch gesehen – einige marschieren wie die Kesselflicker, andere pumpen und müssen schon Luft holen. Das darf nicht sein.

Sind Sie im Auftrag von Martin Kind dabei – oder aus eigenem Interesse?

Ich habe ihm gesagt, dass ich es mir angucke. Man kann dabei gut erkennen, wie der Trainer tickt. Es ist aus eigenem Antrieb, aber wir telefonieren danach immer. Ich habe ihn schon ganz aufgekratzt angerufen, weil mir das so gut gefallen hat. Das habe ich schon lange nicht mehr bei einem 96-Trainer gesehen.

Bei Mirko Slomka haben Sie sich sehr zurückgehalten. Was hat Ihnen die Sprache verschlagen?

Da muss ich noch mal klarstellen – von mir aus hätte Slomka hier 100 Jahre Trainer sein können, dann aber bitte auch erfolgreich. Mir war, als er Trainer wurde, klar, dass es nur funktionieren würde, wenn er die richtigen Spieler bekommen hätte. Er braucht Tempo am Flügel und aggressive, laufstarke Spieler im Mittelfeld, um schnell in Ballbesitz zu kommen. Als die Spieler nicht kamen und als sie sich dann noch über Ballbesitz definiert haben, wusste ich, wie das ausgeht. Das kann man überschauen, das ist eine logische Folge. Vom Verein hätte ich da auch eine andere Reaktion erwartet.

Bilder vom Vormittagstraining von Hannover 96 (19. November)

Waldemar Anton (links) zieht frei vor Marlon Sündermann ab Zur Galerie
Waldemar Anton (links) zieht frei vor Marlon Sündermann ab ©
Anzeige

"Dann werde ich über kurz oder lang Erfolg haben"

Was lief noch falsch?

Slomka dachte, es reicht, ein freundschaftliches Klima zu schaffen. Mir herrscht da aber zu viel Freundschaft. Ich möchte kein freundschaftliches, sondern ein professionelles Klima. Die Mannschaft muss sich nur über Leistung definieren. Eine Mannschaft entsteht auf dem Platz.

Hat die Trainerwahl zu lange gedauert?

Nein, überhaupt nicht. Da musste man am Ende zwischen zwei Personen abwägen. Einmal Daniel Meyer, der für einen anderen Fußball steht. Oder Kenan Kocak, der in Sandhausen gezeigt hat, dass seine Mannschaften stabil stehen. Wir können ja nicht ständig vier Tore kassieren, das müssen wir stabilisieren. Nach vorne geht immer was, da haben wir eine gewisse Klasse. Allerdings fehlt uns vorne noch ein schneller Mann am Flügel. Wenn der in der Winterpause kommen würde, dazu noch ein aggressiver Mittelfeldspieler, dann starten wir auch durch.

Ist der Trainer eine gute Wahl?

Absolut. Es gibt keine Garantie für Siege. Aber wenn ich so intensiv arbeite und trainiere, dann werde ich über kurz oder lang Erfolg haben. Das schafft man nicht mit Sabbelei, wie: Das Pässchen muss so oder so kommen.

Sind denn nicht seine Strafen wie Po-Schießen Methoden von anno dunnemals?

Im Fußball gibt’s kein Mo­dern und Unmodern. Im Fußball muss man nur diese drei Fragen richtig beantworten: Was habe ich für eine Mannschaft, wie erreiche ich sie, und was will ich mit ihr spielen? Das war damals nicht anders als heute, nur wir nennen es anders. Wir haben immer schon Diagonalbälle gespielt, heute gibt’s dafür Begriffe, die kann ich kaum aussprechen. Keiner wird den Fußball neu erfinden.

Im Video: Kocak scheucht die 96-Profis hin und her

Die Zehn-Sekunden-Regel: Kocak lässt Umschaltspiel üben

"Wir können wieder an die Spitze kommen"

Hat die Mannschaft genug Führungsspieler?

Wenn man einen Kapitän hat, der keinen Stammplatz hat, stellt sich die Frage automatisch. Aber wir haben Spieler, die die Rolle ausfüllen können. Zum Beispiel Waldemar Anton. Er ist ein überragender Sechser, der die Abwehr entlastet, weil er Zweikämpfe gewinnt und Lufthoheit hat. Wir müssen uns wieder wehren und im eigenen Stadion zweite Bälle gewinnen. Aber Anton hat auch ein Hilfssyndrom, er will jedem Mitspieler beispringen. Das geht nicht, er braucht ein klares Profil, was er tun muss. Dann ist er für mich ein Top-Erstligaspieler.

Müssen Spieler anders aufgestellt werden?

Klar. Ich kann doch nicht einen Spieler wie Genki Haraguchi für fünf Millionen Euro kaufen, und dann weiß ich nicht, wohin mit ihm, dann spielt er irgendwo rechts. Das ist doch Wahnsinn. Haraguchi ist ein Zentrumspieler, Ce­dric Teuchert ein zweiter Stürmer, der gut zu den großen Stürmern passt. Auch Florent Muslija ist ein Zentrumspieler, den darf man nicht irgendwo anders hinklatschen.

Wie viel Qualität hat die Mannschaft denn nun wirklich?

Die finanziellen Möglichkeiten waren gering. Jan Schlaudraff hat daraus das Beste versucht. Es ist aber nicht das, was ich mir gewünscht habe. Ich bin ja ein Freund des Hannover-Modells. Es müsste einen Sportvorstand aus ehemaligen 96-Fußballern geben, die sich mit dem Manager und dem Kaderplaner auf fachlicher Ebene unterhalten und auch ruhig mal streiten. Sie alle berichten dann Herrn Kind. Ein Beispiel dazu: Warum holen wir einen dritten Linksverteidiger, wenn wir doch Tempo auf dem Flügel brauchen?

Was stört Sie am jetzigen 96-Modell?

Wir müssen doch endlich wieder selber entscheiden. Ich habe das Gefühl, bei uns entscheiden zu viele Berater mit. Das muss weg, wir müssen eigenständiger werden. Diese ganzen Freundschaftsdienste müssen aufhören. Wir können wieder an die Spitze kommen, aber nur, wenn 96 einen eigenen Weg einschlägt.

Welche Namen schweben Ihnen vor zum Hannover-Modell?

Für mich ist immer, egal, als was, Stevie Cherundolo ein Thema, ein Altin Lala, aber auch ein Bernd Dierßen, der eine eigene Meinung und einen hohen Sachverstand hat. Wir brauchen geballtes Fachwissen bei 96. Nur weiter wie bisher einen Manager und seinen Kaderplaner zu haben, dazu Herrn Kind – daran sind wir gescheitert. Die einen haben Märchen erzählt, der andere hat die Märchenstunden bezahlt.

Mehr zu Hannover 96

Das meinen die Fans zum neuen 96-Trainer Kenan Kocak

Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. Zur Galerie
Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. ©
Mitmachen: #GABFAF-Adventskalender

Bundesliga-Tickets, Fußballschuhe, signierte Trikots und vieles mehr: Trage Dich hier ein und gewinne einen der 24 Preise. (mehr Infos)




Klicke hier Weiter und dann auf der nächsten Seite Absenden - und Du hast die Chance auf jeden der 24 Preise.

ANZEIGE: 50% auf alle JAKO Artikel! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN