27. November 2019 / 13:55 Uhr

Am Saisonende ist Schluss: Darum hört Dirk Schroeter beim HSV Hannover auf

Am Saisonende ist Schluss: Darum hört Dirk Schroeter beim HSV Hannover auf

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dirk Schroeter hört am Saisonende als Manager des HSV Hannover auf - nach 13 Jahren.
Dirk Schroeter hört am Saisonende als Manager des HSV Hannover auf - nach 13 Jahren. © Florian Petrow
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Nach 13 Jahren als Manager des HSV Hannover zieht sich Dirk Schroeter am Saisonende zurück. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 55-jährige Inhaber einer Softwarefirma, Hobbygolfer und Schlagzeuger der Band Funky B über die Gründe – und was ihn an den Rahmenbedingungen für den Sport in der Stadt stört.

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Was hat zu Ihrem Entschluss geführt, am Saisonende aufzuhören?

Ich habe lange mit mir gerungen, aber nach so vielen Jahren hatte ich einfach den Wunsch, mich wieder verstärkt um meine andere große Leidenschaft – die Musik – kümmern zu wollen. Außerdem ist eine Saison sehr nervenzehrend. Von der Kaderplanung über die Organisation der Spieltage bis zum Abschluss vergehen viele Stunden. Mich nimmt jedes Spiel mit den vielen Höhen und Tiefen emotional sehr mit. Das kostet eine Menge Energie. Ein weiterer Punkt ist meine Unzufriedenheit über die schlechten Rahmenbedingungen.

Was meinen Sie mit schlechten Rahmenbedingungen?

Ein Beispiel: Wir haben einen jahrelangen Kampf um die Haftmittelnutzung mit der Stadt Hannover geführt. Erst jetzt bekommen wir endlich einen Zuschuss. Außerdem dürfen wir wegen der Hallenmaße nicht am Eisteichweg spielen. Ich bin Mitte der 90er-Jahre mit dem Ziel zum TSV Anderten gekommen, die Halle zu verlängern. Die Pläne hatte ich fertig, aber es scheiterte am Willen der Stadt, das Vorhaben zu finanzieren. Es folgten Spielzeiten in Bemerode und Langenhagen. Jetzt spielen wir in Misburg.

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Ist das auch ein Stück Heimatverlust?

Auf jeden Fall. In Anderten wäre die Halle immer voll. In Misburg müssen wir um jeden Zuschauer kämpfen. Wir haben dort nur eine Trainingszeit. Die gesamte Planung ist schwierig. Wir fahren zu jedem Spiel einen Anhänger mit Werbebanden, Stehtischen und Getränken zur Halle. Verlegungen sind fast unmöglich. In den Ferien und an Feiertagen ist die Stadt nicht in der Lage, die Sporthallen zu öffnen. Aus meiner Sicht ein Unding.

Was würden Sie sich von der Verwaltung wünschen?

Sport ist aus meiner Sicht einer der größten Werbeträger für die Städte. Hannover hatte mal bundesweit den Status, eine der besten Sportstädte zu sein. Wir waren in vielen Sportarten erstklassig. Hier ist der Anschluss verloren gegangen, auch weil die Bedingungen schwierig sind. Es fehlen Sporthallen, Schwimmbäder und auch der Wille, den Sport nachhaltig zu fördern.

Merkt man das auch bei der täglichen Arbeit für den HSV Hannover?

Vor allem die mediale Präsenz müsste besser sein. Aus meiner Sicht fehlt in dieser Stadt auch eine zentral gelegene Sporthalle mit einer Kapazität von 1000 bis 1500 Zuschauern. Da gibt es nichts, und letztendlich sind einige sportliche Projekte daran gescheitert.

Bilder zum Handball-Stadtderby der 3. Liga Nord-Ost zwischen dem TuS Vinnhorst und dem HSV Hannover:

Die Vinnhorster Spieler waren nach dem Abpfiff bedient.  Zur Galerie
Die Vinnhorster Spieler waren nach dem Abpfiff bedient.  ©
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Würde das die Gewinnung von Sponsoren erleichtern? 2010 musste sich der HSV wegen fehlender Gelder aus der 2. Liga zurückziehen, 2015 war der Start in Liga 3 deshalb fraglich.

Unsere Situation ist nun mal schwierig. Wir planen seit Saisonbeginn den Etat für die kommende Spielzeit, dabei haben wir mittlerweile den vermutlich kleinsten in der 3. Liga. Unser Modell funktioniert nur, weil die Spieler eine langjährige Beziehung zum Verein haben und meist aus der eigenen Jugend stammen. Wir setzen auf junge Leute und Teamgeist.

Wie lange ist das organisatorisch noch machbar? Glauben Sie, dass es nach Ihrem Rückzug einen Bruch gibt?

Ich hoffe nicht, dass das passiert.

Wie wichtig ist die 3. Liga für den Handball im TSV Anderten?

Enorm wichtig, um eine Perspektive für unsere Nachwuchsspieler zu schaffen. Wenn wir die 3. Liga nicht hätten, würden diese Talente zu anderen Vereinen wechseln.

Machen die Nachbarn TuS Vinnhorst und Hannover Burgwedel, die beide über finanzstarke Sponsoren verfügen, dem HSV das Leben schwerer?

Sie wecken zumindest Begehrlichkeiten bei den Spielern. Aber damit mich niemand falsch versteht – ich blicke nicht mit Neid dorthin, sondern freue mich über jeden, der sich in unserem Sport finanziell engagiert. Es wäre nur schön, wenn das noch deutlich mehr tun würden. Nur mit Mitgliedsbeiträgen ist Leistungssport nicht zu finanzieren.

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