15. Juli 2020 / 08:07 Uhr

Bester Trainer der Welt? Recken-Kapitän Fabian Böhm lobt Ortega - und die Neuen

Bester Trainer der Welt? Recken-Kapitän Fabian Böhm lobt Ortega - und die Neuen

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fabian Böhm, Kapitän der TSV Hannover-Burgdorf, spart im Interview mit dem SPORTBUZZER nicht mit Lob für seinen Trainer.
Fabian Böhm, Kapitän der TSV Hannover-Burgdorf, spart im Interview mit dem SPORTBUZZER nicht mit Lob für seinen Trainer. © imago images/Christian Schroedter
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Als Kapitän der TSV Hannover-Burgdorf geht Fabian Böhm voran - auch verbal. Im ausführlichen Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 31-jährige Nationalspieler über die schwierige Situation bei den Recken, den Europa- und Gehaltsverzicht, den neuen Kader und sein Kapitänsamt.

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Fabian Böhm, letzten Sommer war bei den Recken alles Friede, Freude, Eierkuchen. Stets wurde die gute Laune im Team betont. Es folgte eine überragende Saison. Wie wirken sich jetzt die Dämpfer aus? Corona, Kurzarbeit, Europaverzicht, Gehaltsverzicht?

Es ist noch ein bisschen früh, das genau einzuschätzen. Die Corona-Situation bringt diese Themen nun alle mit sich, es ist nicht einfach. Trotzdem glaube ich, dass die Mannschaft es schaffen wird, sich auf das Training zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Unsere Aufgabe ist es, Tore zu werfen und Tore zu verhindern. Ich hoffe, wir schaffen es, den Fokus so hochzuhalten.

Der Europaverzicht muss doch ein riesiger Motivationsdämpfer sein.

Dass wir als Mannschaft riesig enttäuscht sind, das ist klar, da muss ich auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Man arbeitet zwölf Monate für etwas, investiert viel Kraft und hat damit Erfolg. Die Belohnung war das Final-Four, das dürfen wir spielen. Europa leider nicht. Das ist sehr hart. Was das mit der Motivation jedes Einzelnen macht? Ich kann nicht in die Köpfe gucken. Jeder muss einen Weg finden, damit umzugehen. Da habe ich als Kapitän auch nicht so viel Einfluss – wir sind alle nur Menschen.

Bilder vom Trainingsauftakt der TSV Hannover-Burgdorf

Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. Zur Galerie
Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. ©

Wie konkret wird der Gehaltsverzicht?

Der Verein ist da schon auf uns zugekommen. Wir wissen, dass wir als Mannschaft ein großer Baustein sind, was das Finanzielle betrifft. Wir sind da in lösungsorientierten Gesprächen. Noch ist nicht zu 100 Prozent klar, wie man es angeht. Aber es ist auf jeden Fall Bereitschaft von beiden Seiten da.

Der Recken-Kader ist klein. Es gab erneut namhafte Abgänge. Werden die Recken trotzdem das Niveau der vergangenen Saison halten können oder muss man sich an neue Zeiten gewöhnen?

Schwer zu sagen. Klar, brechen bei uns Spieler weg, die sehr, sehr lange diesen Verein geprägt haben. Morten Olsen und Mait Patrail waren die Gesichter des Vereins, dazu Timo Kastening als großer aufgehender Stern. Dass das eine mannschaftliche Veränderung mit sich bringt, ist klar. Trotzdem haben wir eine große Qualität in der Mannschaft.

Dazu haben wir mit Carlos Ortega mit den besten Trainer der Bundesliga, wenn nicht sogar den besten der Welt. Carlos kann aus jedem Spieler das rausholen, von dem einer vielleicht gar nicht weiß, dass er es zu leisten imstande ist. Ob das am Ende alles wieder zu Rang vier führt? Puh, das ist schwer zu sagen. Aber im letzten Jahr hätte das ja auch keiner gedacht. Wir werden kämpfen wie in der vergangenen Saison und wollen jedes Heimspiel gewinnen. Diese Einstellung haben wir immer noch.

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Wie sehen Sie die beiden Neuen?

Auf dem Papier sind sie schon mal beide überzeugend. Filip Kuzmanovski hatte in Magdeburg keine große Rolle, aber ist noch sehr jung und bringt sehr viel handballerische Qualität mit. Johan Hansen ist Weltmeister und auf dem Sprung, die gefühlt 48 und 42 Jahre alten Hans Lindberg und Lasse Svan auf Rechtsaußen in der dänischen Na­tio­nal­mann­schaft abzulösen. Ich hoffe, beide können sich schnell integrieren.

Filip Kuzmanovski wird mit Ihnen zusammen im Rückraum spielen, wohl als Spielmacher.

Ja, er will diese Rolle auch bekleiden. Er wird die Verantwortung und das Vertrauen vom Trainer und Mannschaft bekommen. Ich hoffe, dass er die Verantwortung auch annimmt. Mittelmann zu sein, ist nicht nur eine Position. Das muss man auch zeigen. Da braucht man breite Schultern und sehr viel Selbstbewusstsein. Man muss nicht nur sportlich vorangehen, sondern auch mit dem Kopf, Weitsicht haben. Ich hoffe, dass er das alles hat, dann werden wir sehr viel Spaß mit ihm haben.

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Kreative Recken-Fans in der Festung! ©

Morten Olsen ist trotzdem nur schwer zu ersetzen.

Manche Positionen muss man über die Zeit als Kollektiv auffangen. Jeder muss dann noch einen Schritt mehr machen. Ich muss noch mehr Verantwortung übernehmen. Das bedeutet nicht, gleich mehr Tore zu erzielen. Sondern, Entscheidungen zu treffen, voranzugehen. Andere müssen das auch tun.

Bleiben Sie Kapitän der Recken?

Bis jetzt habe ich nichts anderes gehört. Ich gehe davon aus. Es gab bisher die Teamsitzung am Montagvormittag, Da habe ich das Wort geführt. Und keiner hat ein Veto eingelegt (lacht).