08. April 2021 / 14:37 Uhr

Jan Löhmannsröben: "Warum sollte ich bei Hansa nicht sogar meine Karriere beenden?"

Jan Löhmannsröben: "Warum sollte ich bei Hansa nicht sogar meine Karriere beenden?"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Jan Löhmannsröben (l., hier im Zweikampf mit Dresdens Heinz Mörschel) trifft mit Hansa Rostock am Samstag auf seinen Ex-Verein 1. FC Magdeburg.
Jan Löhmannsröben (l., hier im Zweikampf mit Dresdens Heinz Mörschel) trifft mit Hansa Rostock am Samstag auf seinen Ex-Verein 1. FC Magdeburg.
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Drittliga-Fußballer Jan Löhmannsröben trifft mit dem FC Hansa Rostock am Samstag auf seinen Ex-Verein 1. FC Magdeburg. Im Vorfeld spricht der 29-Jährige über ein mögliches Karrierende an der Ostsee, das besondere Verhältnis zu seinem Trainer Jens Härtel und die dicke Freundschaft zu Union-Profi Robert Andrich.

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58 Punkte, Tabellenplatz zwei und noch acht Spiele vor der Brust: Der FC Hansa Rostock träumt nach neun Jahren Drittliga-Fußball von der Rückkehr in die 2. Bundesliga. Jan Löhmannsröben, der von der F- bis zur D-Jugend bei den Potsdamer Kickers spielte und anschließend zum Nachwuchs von Hertha BSC wechselte, schloss sich den Hanseaten im vergangenen Sommer an und zählt mit 28 absolvierten Begegnungen zum Stammpersonal des in Wilhelmshorst (Potsdam-Mittelmark) wohnenden Trainers Jens Härtel. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 29-Jährige über seine besondere Freundschaft zu Union-Profi Robert Andrich, den Traum vom Aufstieg und das anstehende Ostderby gegen seinen Ex-Verein 1. FC Magdeburg am Samstag (14 Uhr/live im MDR/NDR und bei MagentaSport).

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Bislang haben Sie 168 Drittliga-Spiele in Ihrer Vita zu stehen, Herr Löhmannsröben. Wie optimistisch sind Sie, dass in der kommenden Saison endlich Einsätze in der 2. Bundesliga hinzukommen?
Jan Löhmannsröben: Der Aufstieg ist natürlich das große Ziel und ein Traum von mir. Ich hoffe, dass wir das gemeinsam als Team realisieren können. Ich bin mit fast 30 inzwischen ja schon im gehobenen Fußball-Alter und wer weiß, ob sich diese Chancen in dieser Form noch einmal bietet.

Diese Spieler genießen bei den Fans besondere Sympathien:

Oliver Hüsing (*1993): Umsichtiger Abwehrchef, Kapitän und Liebling der Fans. Kam 2016 für die Rückrunde aus Bremen und kehrte von 2017 bis 2019 noch mal zu Hansa zurück. Wechselte anschließend in die 2. Liga nach Heidenheim. Zur Galerie
Oliver Hüsing (*1993): Umsichtiger Abwehrchef, Kapitän und Liebling der Fans. Kam 2016 für die Rückrunde aus Bremen und kehrte von 2017 bis 2019 noch mal zu Hansa zurück. Wechselte anschließend in die 2. Liga nach Heidenheim. ©

Ob in Jena, Magdeburg oder jetzt Rostock: Sie zählten bei ihren Teams eigentlich immer zu den Leistungsträgern. Warum hat es aber noch nie für den Sprung in die 2. Bundesliga gereicht?
Sicherlich habe ich mir das durch Sperenzchen außerhalb des Platzes oft verbaut und mir da selbst ein Bein gestellt.

Ist der heutige Jan Löhmannsröben denn reifer als der, der 2017 durch ein Partyvideo am Ballermann aufgefallen ist und ein Jahr später das legendäre „Cornflakes-Interview“ gegeben hat?
Definitiv. Ich habe in den vergangenen Jahren dazu gelernt und beiß mir auch mal auf die Zunge. Ich tappe nicht mehr in jedes Fettnäpfchen und achte auch abseits des Rasens viel mehr auf Themen wie Fitness oder Ernährung.

Das dürfte Ihrem Trainer Jens Härtel gefallen. Er trainierte Sie schon in Magdeburg und holte Sie vor der Saison zu Hansa. Als sehr ruhiger und introvertierter Typ ist er quasi der Gegenentwurf zu Ihnen. Warum passen Sie dennoch so gut zusammen?
Man sagt ja oftmals, dass sich Gegensätze anziehen. Ich bin der Typ, der eher drei, vier Tritte mehr in den Hintern als ein Lob braucht. Der Trainer weiß mich zu nehmen und gibt mir auch mal richtig einen auf den Deckel, wenn ich wieder Flausen im Kopf habe. Da fliegt im Training schon mal der ein oder andere Spruch zwischen uns beiden. Er weiß aber, dass er sich immer auf mich verlassen kann, wenn es drauf ankommt.

Am Samstag geht es für Sie beide gegen Ihren Ex-Verein aus Magdeburg. Ein besonderes Spiel?
Natürlich. Ich hatte in Magdeburg eine schöne Zeit und habe zum Beispiel noch Kontakt zum Mannschaftsleiter Heiko Horner oder Angreifer Christian Beck. Für uns geht es aber darum, im Kampf um den Aufstieg die nächste Schlacht zu gewinnen.

Mehr zur 3. Liga

Unter Trainer Christian Titz fuhr der 1. FCM zuletzt drei Siege ein. Es wartet also wieder ein hartes Stück Arbeit auf Sie und Ihr Team.
Auf alle Fälle. Die Magdeburger haben einen richtig guten Lauf. Ich erwarte ein bissiges, zweikampfintensives Spiel. Wir gehen jetzt jede Partie wie ein Endspiel an und werden alles reinwerfen, um am Ende unseren ganz großen Traum vom Aufstieg zu realisieren.

Werden Sie sich vor der Partie wieder mit ihrem besten Freund Robert Andrich austauschen, der am Samstag in der Bundesliga mit Union Berlin beim FC Bayern München gastiert?
Mit Sicherheit. Es hat sich inzwischen zu einem echten Ritual entwickelt, dass wir dem anderen vor den anstehenden Spielen noch einmal ein paar motivierende Worte schreiben und uns Glück wünschen. Das läuft aktuell auf jeden Fall nicht so schlecht.

Sie beide waren im Nachwuchs bei Hertha BSC aktiv, haben aber in unterschiedlichen Mannschaften gespielt. Woher kommt die enge Verbindung, die Sie sogar zu seinem Trauzeugen werden ließ?
Robert kommt ja wie ich aus Potsdam und wir sind früher öfter zusammen mit der S-Bahn nach Berlin zum Training gefahren. So richtig brüderlich gefunkt hat es dann aber erst einige Jahre später, als wir uns zufällig in einem Bulgarien-Urlaub getroffen haben. Wir hatten in jungen Jahren beide viel Unsinn im Kopf und ticken sehr ähnlich. Über all die Jahre hat sich dann eine richtig dicke Freundschaft entwickelt, die zum Glück auch trotz unserer unterschiedlichen Vereine in verschiedenen Regionen Deutschlands gehalten hat.

Karriereende in Rostock?: "Warum nicht"

Andrich ist inzwischen in der Bundesliga angekommen, während Sie vor Ihrem Wechsel nach Rostock ein Jahr zum Vergessen hatten. In der ersten Halbserie 2019/20 standen Sie beim Regionalligisten Wacker Nordhausen unter Vertrag, der wenig später Insolvenz anmeldete. Mit Preußen Münster konnten Sie in der Rückrunde den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern.
Insolvenz und Abstieg – beides Sachen, die ich in meiner Karriere nie erleben wollte und dann innerhalb eines Jahres mitmachen musste. Das tat schon weh und hat mich beschäftigt.

Hatten Sie Angst, gerade mit Blick auf die für alle Vereine angespannte Situation auf der Corona-Pandemie, kein lukratives Angebot zu erhalten?
Ich hab mir gesagt, dass es nach diesem verkorksten Jahr zwei Möglichkeiten gibt: In Selbstmitleid versinken oder Kraft daraus ziehen und gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorzugehen. Für Ersteres bin ich nicht der Typ und sehr froh, dass ich mit Hansa einen richtig geilen Verein gefunden habe, der mir eine weitere Chance gegeben hat. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte dieses in mich gesetzte Vertrauen mit Leistung zurückzahlen.

Sie können sich nach vielen Wechseln in den vergangenen Jahren bei Hansa also einen langfristigen Verbleib vorstellen?
Auf jeden Fall. Ich fühle mich hier richtig wohl. Wir haben eine homogene Truppe und ein super Trainerteam. Der Fußball ist natürlich ein schnelllebiges Geschäft, aber warum sollte ich hier nicht sogar meine Karriere beenden und die Töppen irgendwann an den Nagel hängen?

Das wird aber noch ein paar Jahre dauern. Letztens betonten Sie nach einer vorgenommenen Botox-Behandlung ja erst, dass Sie sich eher wie Mitte 20 fühlen.
Genau und daher möchte ich auch so aussehen.

Das haben Sie auf Ihrem Instagram-Kanal mit Ihren Followern geteilt. Ebenso wie regelmäßige Zahnarztbesuche für ein strahlendes Lächeln. Würden Sie sich als eitel bezeichnen?
Was heißt schon eitel? Jeder sollte sich in seinem eigenen Körper wohlfühlen und das gehört bei mir eben mit dazu. Dadurch wächst auch das Selbstvertrauen, was sich auf jeden Fall nicht negativ auf die sportlichen Leistungen auswirkt. Ich mache mir auch nicht viele Gedanken darüber, wie das bei anderen Menschen ankommt sondern mache es einfach, weil ich mich gut damit fühle.