26. März 2020 / 17:58 Uhr

Malte Karbstein: "Dann wäre der MSV Neuruppin die beste Adresse"

Malte Karbstein: "Dann wäre der MSV Neuruppin die beste Adresse"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Malte Karbstein spielt seit 2018 für die Reserve des SV Werder Bremen.
Malte Karbstein spielt seit 2018 für die Reserve des SV Werder Bremen. © Werder Bremen
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Regionalliga Nord: Der gebürtige Neuruppiner, der die Reserve des SV Werder Bremen als Kapitän auf das Feld führt, hält sich bei seinen Eltern in Dabergotz fit.

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In Berlin und Brandenburg hätte man am 21. März auf das Bundesliga-Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union hingefiebert. Auch für Malte Karbstein, Kapitän von Werder Bremen II, stand am 27. Spieltag der Regionalliga Nord gegen die Reserve des Hamburger SV ein Prestige-Duell auf dem Programm. Die Partie fiel aber wie jegliche Begegnungen in der gesamten Nation dem Coronavirus zum Opfer. Seit nunmehr zwei Wochen ist der gebürtige Neuruppiner schon in der Heimat – bei seinen Eltern in Dabergotz. Im Interview spricht der 22-Jährige über das eigene Verhalten während der Zwangspause, die unverhoffte Zeit bei der Familie, den Kontakt zum FC Energie Cottbus und die sportlichen Zukunftspläne.

Herr Karbstein, zu Hause bleiben statt Regionalliga-Derby gegen die HSV-Reserve. Wie sehr schmerzt die aktuelle Situation?

Malte Karbstein: Ich übe diesen Sport ja professionell aus, daher ist die Zwangspause natürlich sehr traurig und ich würde lieber mit den Jungs auf dem Platz stehen. Da ist es dann auch egal, ob der Gegner VfB Lübeck, Hamburger SV oder Drochtersen/Assel heißt.

Die Vorgaben der Regierung und die drastischen Maßnahmen können Sie dennoch nachvollziehen?

Absolut, das ist komplett richtig. Jeden Tag kommen mehr Infizierte dazu, vermutlich ist die Dunkelziffer noch größer. Wir – und damit meine ich alle – können das Virus nur gemeinsam stoppen, die strikten Regeln sollten befolgt werden.

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Die freie Zeit verbringen Sie in Ihrem Elternhaus in Dabergotz. Seit wann sind Sie in der Heimat?

Am Freitag sind es dann schon zwei Wochen. Es ist zwar ungewohnt, durchgängig so lange daheim zu sein, ich genieße aber die Abwechslung und Ablenkung. Bei der Familie ist es in diesen Tagen wahrscheinlich doch am schönsten. Mama und Papa sind zwar tagsüber noch arbeiten, trotzdem ist es für mich besser, als alleine in der Wohnung in Bremen zu hocken.

Und gutes Essen gibt es bei Mama bestimmt sowieso?

Ich freue mich immer, wenn es Nudelauflauf gibt. (lacht)

Sie trainieren sonst regelmäßig. Wie kann man sich aktuell ihren Tagesablauf vorstellen?

Wir haben natürlich einen Trainingsplan mitbekommen. Ich gehe täglich laufen und mache Kraftsport, bleibe damit definitiv fit. Natürlich fehlt mir der Ball am Fuß, doch in diesen sauren Apfel müssen gerade alle Fußballer beißen. Wenn was im Garten meiner Eltern ansteht, helfe ich dort auch gerne. Ansonsten schaue ich Serien und versuche, gegen die Langeweile anzukämpfen.

Knapp zwei Drittel der Saison sind rum, Sie liegen mit dem SVW auf Rang fünf der Regionalliga Nord. Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf?

Ich würde es als durchwachsen bezeichnen, wobei man nicht vergessen darf, dass es im Sommer einen großen Umbruch gab und viele junge Spieler dazugekommen sind. Das Durchschnittsalter unseres Kaders ist mit unter 20 Jahren der jüngste in ganz Deutschland, da ist es nicht verwunderlich, dass uns in manchen Situationen die Abgezocktheit und Cleverness fehlen. Lübeck und Wolfsburg II sind dominant an der Spitze und dennoch sind wir nicht unzufrieden, der Seniorenfußball wurde schon gut angenommen und eine Entwicklung ist bei allen erkennbar.

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Auch bei Ihnen selbst? Sie sind vor anderthalb Jahren an die Weser gewechselt, durften mehrfach bei der Bundesliga-Mannschaft mittrainieren und führen die Reserve sogar schon als Kapitän auf das Feld.

Ich finde schon, dass es auch bei mir persönlich bergauf geht. In den letzten Monaten wurden meine Leistungen solider, in allen Bereichen – körperlich, taktisch und auch technisch – ist eine Verbesserung zu bemerken. Ich sehe aber noch viel Potenzial nach oben, was in meinem Alter ja auch wichtig ist.

Am 30. Juni 2020 läuft ihr Vertrag beim SV Werder aus. Wie geht es dann für Sie weiter?

Das weiß ich noch nicht. Aufgrund der aktuellen Lage muss man aber ohnehin abwarten, ob die Spielzeit nicht sogar über dieses Datum hinausgeht. Ich will, so lange ich Vertrag in Bremen habe, alles geben und werde dann sehen, was im Sommer passiert.

Den Traum vom Profifußball haben Sie aber nicht aufgegeben?

Nein, ganz sicher nicht. Es macht meiner Meinung nach aber Sinn, auch mal ein Jahr länger in der Regionalliga zum Stammpersonal zu gehören und viel Spielpraxis zu sammeln, als bei einem Drittligist größtenteils auf der Bank zu sitzen.

Sie sind 2018 mit dem FC Energie Cottbus in die Dritte Liga aufgestiegen. Gibt es noch Verbindungen in die Lausitz?

Ich verfolge das Geschehen in Cottbus mit großem Interesse, kenne dort auch noch einige Jungs und habe mich erst vor ein paar Wochen mit Jonas Zickert getroffen. Ich schaue mir auch die Spiele gerne an, sehe enormes Potenzial in der Truppe und glaube, dass sie auch das Zeug dazu haben, Meister in der Regionalliga Nordost zu werden.

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Ihr Heimatverein ist der MSV Neuruppin, bei dem Sie bis zu ihrem Wechsel an die Sportschule nach Cottbus 2011 ausgebildet wurden. Halten Sie es für möglich, im Volksparkstadion später einmal ihre Karriere ausklingen zu lassen?

Puh, eine gute Frage. Erstmal hoffe ich, dass ich noch ein paar Jährchen professionell Fußball spielen kann und dann kommt es auch darauf an, ob es mich irgendwann gänzlich in die Heimat zieht. Ich würde wohl eher Berlin als nächste Großstadt bevorzugen. Sollte es beruflich doch Neuruppin werden, dann wäre der MSV aber vermutlich die beste Adresse, auch wenn es aktuell keine Kontakte zu ehemaligen Spielern oder Trainern gibt.

Kommen wir nochmal zurück zum SV Werder. Die Bundesliga-Mannschaft liegt derzeit auf einem Abstiegsplatz. Wie nehmen Sie das wahr?

Vor allem mit einem traurigen Auge, zumal neben dem großen Verletzungspech auch mehrfach Spielpech hinzu kam. Der Kader ist super, Florian Kohfeldt ist ein toller Trainer und auch das Team ist stark genug, um die Klasse zu halten. Es braucht einfach ein Erfolgserlebnis, dann reitet man auch auf einer Welle. Sportlich hält Bremen die Bundesliga, davon bin ich überzeugt.

Wann geht es zurück in den Norden?

Das ist noch nicht final kommuniziert. Sobald der Anruf aus Bremen kommt und wir am nächsten Tag wieder trainieren, werde ich mich aber auf den Weg machen.