30. Juli 2020 / 10:34 Uhr

"War am Anfang eine andere Welt": Marcel Maluck spricht über neun Jahre RSE

"War am Anfang eine andere Welt": Marcel Maluck spricht über neun Jahre RSE

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marcel Maluck hütet bereits seit 2011 den Kasten des SV Ramlingen-Ehlershausen.
Marcel Maluck hütet bereits seit 2011 den Kasten des SV Ramlingen-Ehlershausen. © Debbie Jayne Kinsey
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Eigentlich hatte Marcel Maluck sich beim SV Ramlingen-Ehlershausen bloß fit halten wollen, nachdem sein Vertrag bei Hannover 96 im Jahr 2011 ausgelaufen war. Neun Jahre später steht der 31-Jährige noch immer im Kasten des RSE. Im Interview blickt er zurück - und spricht auch über den Aufstieg in die Oberliga.

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Herr Maluck, im Tor zu stehen, während 96-Pokalheld Jörg Sievers als Nummer zwei auf der Bank sitzt, können nicht viele von sich behaupten. Sie schon. Und dann auch noch gegen TB Berlin ...

(Schmunzelt) Stimmt. Damals hatten wir in der U23 etwas Personalnot, und „Colt“ hat deshalb als Nummer zwei ausgeholfen.

Ein Torschütze beim 2:0-Sieg im März 2010 war Jan Schlaudraff.

Ja, es kamen öfter mal welche aus der Profimannschaft runter.

Auch Sie sind diesbezüglich ja gependelt.

Richtig. Ich hatte einen Profivertrag, habe in der U23 gespielt und unter der Woche oben trainiert.

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In der Bundesliga haben Sie aber nie gespielt, obwohl Sie sogar zweimal mit im Trainingslager waren.

Nein, aber einmal habe ich unter Dieter Hecking, übrigens aus meiner Sicht ein Riesentyp, auf der Bank gesessen. 2008 im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Morten Jensen stand damals im Tor.

Warum ging es dann bei 96 für Sie nicht weiter?

Der Verein wollte mich halten. Und vorher war es eigentlich auch ständig bergauf gegangen. B-Jugend, A-Jugend, Amateure, Profis. Nun wollte ich gern eine feste Größe in der ersten Mannschaft sein, aber darauf bestand leider wenig Aussicht. Deshalb war es für mich keine Option, den Vertrag zu verlängern. Engagements beim SV Meppen und Dynamo Dresden, wo ich jeweils zum Probetraining war, sind nicht zustande gekommen. Und auf einmal war ich arbeitslos – mit viel Zeit zum Nachdenken.

Und brauchten Verein und Job ...

Genau. Kurt Becker (damaliger RSE-Trainer, Anm. d. Red.) kenne ich seit Kindesbeinen. Da habe ich ihn gefragt, ob ich in Ramlingen nicht mal mittrainieren kann.

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Ist eine längere Einheit geworden ...

Der Verein war mir bei der Suche nach einem Arbeitgeber behilflich. „Wenn wir dir was besorgen, würden wir uns freuen, wenn du bei uns einen Vertrag unterschreiben könntest“, wurde mir gesagt. Und als ich vor Weihnachten 2011 bei den Stadtwerken Burgdorf angefangen habe, wo ich bis heute bin, habe ich Wort gehalten.

Eine kuriose Adresse hat Ihre Firma.

Warum?

Vor dem Hannoverschen Tor – passt doch perfekt auf Ihre Vita.

(Lacht laut) So habe ich das noch nie gesehen.

Wann wurde es mehr als Training?

Mein erstes Spiel habe ich für die Reserve gemacht. Ich saß sonntags beim Frühstück und hatte den Tag eigentlich schon verplant. Dann rief Kurt an und sagte mir in seiner typischen Art: „Jetzt hast du was anderes vor. Du spielst nämlich heute Fußball.“ Hat richtig Spaß gemacht. Und so ging das alles los.

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Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. ©

Und mittlerweile sind Sie sogar ganz freiwillig im Verein?

Freiwillig war das auch vorher. Ich habe mich schon in der Zeit, als ich nur trainiert habe, extrem wohlgefühlt. Ramlingen hat mir den Spaß am Fußball zurückgegeben. Was der Klub alles für mich getan hat, dafür bin ich sehr dankbar.

War das nicht ein Kulturschock – von der Bundesliga in die Landesliga?

Sagen wir mal so: Es war am Anfang schon eine andere Welt. Bevor ich das erste Mal zum Training gefahren bin, habe ich gefragt, was ich mitbringen muss. „Handtuch und Klamotten sind ja bestimmt da“, dachte ich. Das war für mich bei 96 selbstverständlich. Aber ich sollte doch lieber alles selbst dabeihaben.

Und spielerisch?

Natürlich ein komplett anderes Niveau. Und ich musste erst einmal wieder lernen, dass man Dinge, die man vorher bei den Mitspielern als normal erachtet hatte, nun eben nicht mehr automatisch voraussetzen kann. Aber das war gar nicht schlimm, nur anders.

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Auf Bundesliga-Level war es zwar nicht ganz, was Ihr Team gezeigt hat, aber als überlegener Meister der Landesliga kann man trotzdem nicht meckern. Glückwunsch zum Aufstieg!

Danke, es wurde jetzt auch mal Zeit. Wir sind vorher oft genug knapp daran gescheitert.

Wie schade ist es, dass es wegen des Saisonabbruchs nicht diesen einen Aufstiegsmoment gab und Sie coronabedingt auch auf eine große Feier verzichten mussten?

Das fehlt uns schon sehr. Zu wissen, wenn wir jetzt diese drei Punkte holen, sind wir oben – und dann einfach komplett durchzudrehen. Aber wir feiern auch sonst ganz gerne und exzessiv im Team (lacht).

Wie groß ist Ihr Anteil am Erfolg?

Ich glaube, den einen oder anderen habe ich schon gehalten. Nur neun Gegentore bekommst du nicht ausschließlich deshalb, weil du gut gegen den Ball arbeitest. Aber aufgestiegen sind wir alle gemeinsam.

Lange ist's her: Marcel Maluck (Mitte) beim Training von Hannover 96 mit Torwarttrainer Jörg Sievers (links) und Morten Jensen (rechts).
Lange ist's her: Marcel Maluck (Mitte) beim Training von Hannover 96 mit Torwarttrainer Jörg Sievers (links) und Morten Jensen (rechts). © Madsack-Archiv
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Und der Ihres Trainers Philipp Gasde?

Er hat natürlich einen sehr großen Anteil, weil er sehr akribisch arbeitet und uns immer einen guten Plan mitgibt.

Wie stehen denn nun die Chancen auf den Klassenerhalt in der Oberliga?

Gut, glaube ich. Ich sehe kein Team, das wir nicht schlagen könnten. Wichtig wird es sein, gut zu starten. Und wenn man es in der Vorrunde in die obere Hälfte schafft, kann einem ja sowieso nichts mehr passieren.

Beenden Sie Ihre Karriere beim RSE?

Man soll nie nie sagen, aber ich kann mir gut vorstellen, für immer hierzubleiben. Der Klub ist auf jeden Fall zu meinem Heimatverein geworden.