11. März 2020 / 07:45 Uhr

Interview mit 96-Kaderplaner Klitzpera über Geisterspiele: „Die Energie hat komplett gefehlt“

Interview mit 96-Kaderplaner Klitzpera über Geisterspiele: „Die Energie hat komplett gefehlt“

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Kaderplaner Alexander Klitzpera (links) gemeinsam mit dem ehemaligen Sportdirektor Jan Schlaudraff und Trainer Kenan Kocak.
96-Kaderplaner Alexander Klitzpera (links) gemeinsam mit dem ehemaligen Sportdirektor Jan Schlaudraff und Trainer Kenan Kocak. © Florian Petrow
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Geisterspiele wegen des Coronovirus? Kaderplaner Alexander Klitzpera weiß schon, wie sich das anfühlt. Der Ex-Profi, der bei Hannover 96 rechte Hand vom mittlerweile entlassenen Sportdirektor Jan Schlaudraff war, machte mit Aachen 2004 das allererste Geisterspiel im deutschen Fußball mit.

Statt frenetischer Stimmung herrschte auf den Rängen des Tivoli Stille, als Strafe für Fanausschreitungen. Noch kurioser: Durch das 3:2 gegen Nürnberg wurde Aachen nachträglich „Herbstmeister“ der 2. Liga. Kaderplaner Alexander Klitzpera schildert im Interview, was die 96-Profis am Wochenende erwarten könnte.

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Statt wie üblich 20 000 lauter Fans waren es null bei diesem Premieren-Geisterspiel. Wie seltsam fühlt sich das an?

Im Tivoli hast du die Zuschauer und das Rambazamba damals bis in die Kabine gehört. Das war Adrenalin pur, so wie man den Fußball liebt. Dieses besondere Gefühl und die Energie, die dir das gibt, haben komplett gefehlt. Da entsteht fast schon eine Freundschaftsspielatmosphäre. Es bleibt ein Pflichtspiel, aber ohne Fans kannst du gar nicht so viel Adrenalin entwickeln wie sonst. Wir wussten, was auf uns zukommen wird, aber am Spieltag ist es dann doch total komisch. Du bist einerseits sehr fokussiert, genau wie immer. Aber wenn dann keiner auf den Rängen ist, fehlt einfach was.


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Inwieweit konnten Sie sich auf die Nicht-Kulisse vorbereiten?

Wir haben das vorab natürlich thematisiert, haben auch ohne Zuschauer im Stadion trainiert. Aber das eine ist wissen und das andere fühlen. Das kannst du alles gar nicht simulieren, es fehlt eben ein wichtiger Bestandteil. Und da hängt vieles mit dran. Jedes Mal, wenn du was gerufen und mit den Mitspielern kommuniziert hast, hat es leicht gehallt im Stadion. Da bist du permanent verwirrt, irgendwie. Total komisch. Du hast alles gehört – auch vom Gegner. Da geht jeder anders mit um, aber ich konnte das nicht komplett ausblenden. Klar beeinflusst dich das. Mit Fans fühlt sich jeder Schritt ein bisschen leichter an, ohne tust du dich definitiv schwerer. Ich denke, dass bei Geisterspielen Mannschaften Probleme bekommen werden, die über Emotionen und Mentalität kommen.

Ist das für 96 gut oder schlecht ohne Fans? Immerhin läuft es auswärts ja auch top.

Wir sind spielstark, gleichzeitig genießt diese Mannschaft die Heimspiele. Unsere Mannschaft und die Fans haben eine besondere Verbindung und bilden eine gute Einheit. Auch wenn es auswärts natürlich gut läuft, glaube ich nicht, dass Geisterspiele für 96 ein Vorteil sind.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Wie leer war es denn bei „Ihrem“ Geisterspiel wirklich, wer durfte ins Stadion?

Einige Ordner waren da. Die haben auch versucht, ein bisschen Stimmung zu machen. Balljungen durften rein, die Presse, Kameraleute fürs Fernsehen und die Techniker. Und einen Stadionsprecher hatten wir sogar auch. (lacht) Außerdem waren einige Fans vorm Stadion, die haben von dort aus versucht, mit Gesängen und Jubel die Stimmung ins Stadion zu bekommen. Aber das war natürlich gar nicht situativ und deshalb ein bisschen komisch.

Spüren Sie denn bei den 96-Profis gesteigerte Anspannung, Stress oder Sorgen wegen Corona?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Das sind ja alles gesunde junge Leute mit guter ärztlicher Versorgung. Das ist keine Risikogruppe. Auch wenn sich der eine oder andere vielleicht einmal mehr die Hände wäscht oder desinfiziert. Es wäre schade, wenn es zu einem Geisterspiel kommt – und das würde das Spiel an sich auch verändern. Aber erhöhte Angst spüre ich deshalb nicht.

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