04. Februar 2020 / 09:18 Uhr

Interview mit Havelse-Trainer Jan Zimmermann: „Es ist mehr möglich, wir arbeiten dran“

Interview mit Havelse-Trainer Jan Zimmermann: „Es ist mehr möglich, wir arbeiten dran“

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Havelse-Trainer Jan Zimmermann an der Seitenlinie.
Havelse-Trainer Jan Zimmermann an der Seitenlinie. © Christian Hanke
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Seit gut einem Jahr ist Jan Zimmermann Coach beim Regionalligisten TSV Havelse. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER spricht er über Perspektiven, Pläne und das Pokalduell gegen Eintracht Braunschweig Mitte April, in dem er sich einiges ausrechnet.

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In den vergangenen zwölf Monaten hat Jan Zimmermann die Herren des TSV Havelse stabilisiert und zu einem ambitionierten Team der Regionalliga geformt. Im Interview gibt der 40-Jährige Einblicke in seine Ausbildung zum Fußballlehrer und erzählt von seinem Umgang mit dem Interesse anderer Klubs. Selbstbewusst gehen Zimmermann und sein Team ins Pokalspiel Mitte April gegen Eintracht Braunschweig, in dem er sich einiges ausrechnet.

Hallo Herr Zimmermann, den Satz „wir drehen uns immer wieder im Kreis“ haben Sie kurz vor Ende der Hinrunde nach der 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen Drochtersen/Assel gesagt. Ist Ihnen immer noch schwindelig, oder haben Sie schon ein Gegenmittel gefunden?

Wenn man sich die Vorbereitung und auch das Spiel jetzt gegen Hildesheim anschaut, sieht man, dass wir immer noch nicht auf einem geraden Weg sind. Schwindelig ist mir nicht, weil wir in dieser Saison, gemessen an dem, was wir uns vorgenommen haben, absolut im Soll sind. Es ist mehr möglich, allerdings schaffen wir es nicht, unser Potenzial konstant abzurufen. Aber wir arbeiten dran. Ich bin davon überzeugt, dass wir es in der Rückrunde schaffen, auch mal eine längere Erfolgsserie zu spielen.

Bislang spielt Ihre Mannschaft eine sehr ordentliche Saison. Was fehlt, damit es noch eine gute wird?

Wenn man sich die Tabelle des Jahres 2019 anschaut, stehen wir dort auf Platz fünf. Die Mannschaft weiß, dass wir da hingehören. Sie weiß aber auch, dass der Grund für so manche Niederlage nicht die Stärke des Gegners war. Wir haben die Spiele verloren, weil wir in der Defensive und Offensive zu viele individuelle Fehler gemacht, Großchancen nicht genutzt und dem Gegner Tore geschenkt haben. Das müssen wir abstellen. Das ist jedoch schwierig, weil sich so etwas im Kopf der Spieler abspielt und sich nicht trainieren lässt.

Bilder zum Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem TSV Havelse und der SV Drochtersen/Assel:

Havelses Torben Engelking und Drochtersens Marcel Andrijanic haben den Ball fest im Blick.  Zur Galerie
Havelses Torben Engelking und Drochtersens Marcel Andrijanic haben den Ball fest im Blick.  ©

Ausbildung an der Hennes-Weisweiler Akademie

Vielleicht hilft Ihnen dabei ja Ihre Ausbildung zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler Akademie in Köln. Lernen Sie dort auch Dinge, die in Ihre tägliche Trainingsarbeit in Havelse einfließen?

Es gibt viele Sachen, die man dort lernen kann. Ich wäre ja dumm, wenn ich nicht in bestimmten Bereichen einige Dinge annehmen und versuchen würde, das auch bei meiner Mannschaft umzusetzen. Grundsätzlich werde ich aber durch den Lehrgang kein anderer Trainer. Das will ich auch gar nicht.

Die Ausbildung geht noch bis April. Sind Sie froh, wenn der Stress dann endlich vorbei ist?

Wenn ich erst mal da bin, macht es mir viel Spaß. Es ist ja nicht, wie zur Schule zu gehen und zu hoffen, dass es schnell vorbei ist. Ich bin offen für andere Ideen, möchte dort Einblicke gewinnen und Impulse bekommen. Ich genieße die Zeit, aber natürlich ist dieses Jahr maximal stressig. Ich habe mich jedoch bewusst dafür entschieden und werde mich deshalb auch nicht beklagen.

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Bereits als Trainer bei Hannover 96 gehandelt worden

Auch ohne Fußballlehrer-Schein sind Sie sehr begehrt, Ihr Name tauchte auch auf, als Hannover 96 einen Nachfolger für Mirko Slomka gesucht hat. Ist das für Sie eine Wertschätzung Ihrer Arbeit?

Das ist schwierig zu sagen. Ich mache das, was ich zurzeit tue, total gerne und mit voller Überzeugung. Was alles andere betrifft, bin ich eher zurückhaltend.

Volker Finke, André Breitenreiter: Sie wären ja nicht der erste Trainer, der es von Havelse in die Bundesliga schafft.

Es ist immer schwierig, im Fußball etwas zu planen. Deshalb kümmere ich mich um das, was direkt vor mir liegt. Und das klappt in dieser Saison in Havelse auch in meiner Funktion als Sportlicher Leiter und Trainer ganz gut. Mein nächster Schritt ist der Fußballlehrer-Schein. Und dann sehe ich weiter.

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Das Duell gegen Eintracht Braunschweig

Ein besonderes Spiel mit besonderen Gästen gibt es Mitte April. Dann kommt Drittligist Eintracht Braunschweig im Halbfinale des Niedersachsenpokals nach Havelse. Sie haben selbst für die Eintracht gespielt und waren auch beim 2:0-Pokalerfolg im Oktober 2003 gegen Hannover 96 auf dem Platz.

Stimmt, ich bin eingewechselt worden und war damals auch sehr sauer auf Trainer Uwe Reinders, dass ich auf die Bank rotiert bin.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft ein?

Wir spielen zu Hause, es ist Pokal. Ich würde sagen, die Chancen stehen 50:50. Klar, wir sind der Außenseiter. Aber es ist Pokal, da gibt es nur weiterkommen oder rausfliegen. Und wir wollen ins Finale.

Welche Rolle spielt das Thema Sicherheit bei diesem Spiel?

Eine große Rolle. Alle Seiten rechnen damit, dass wir sehr viel im und um das Stadion herum tun müssen. Es gibt viele andere Unwägbarkeiten, und auch der Ostermontag als Termin steht immer noch nicht fest. Das wird für alle Beteiligten sicherlich kein einfaches Spiel.