17. Februar 2021 / 17:53 Uhr

Interview mit Jürgen Weißke (TV Jahn Duderstadt): Saisonabbruch war im Sinne aller Vereine

Interview mit Jürgen Weißke (TV Jahn Duderstadt): Saisonabbruch war im Sinne aller Vereine

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Jürgen Weißke äußert sich im Tageblatt-Interview zum Saisonabbruch der Handballer.
Jürgen Weißke äußert sich im Tageblatt-Interview zum Saisonabbruch der Handballer. © Helge Schneemann
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Die Handball-Saison 2020/21 ist beendet. Jürgen Weißke, Abteilungsleiter des TV Jahn Duderstadt und aktiv im Spielausschuss des Handballverbandes Niedersachsen, erläutert im Tageblatt-Interview die Gründe für den Abbruch der Spielzeit.

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Die Handball-Saison 2020/21 wird abgebrochen, wie der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) am Montag mitteilte und nun auch formal bestätigt hat (siehe Kasten). Jürgen Weißke, Handball-Abteilungsleiter des TV Jahn Duderstadt und Mitglied des Spielausschusses des HVN, befürwortet den Schritt des Verbandes. Im Tageblatt-Interview spricht er über die Gründe für den Abbruch und Perspektiven zur Rückkehr aufs Handballfeld.

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Tageblatt: Herr Weißke, Sie haben zur Entscheidung des HVN gesagt: „Es musste der Stecker gezogen werden.“ Wieso ist der Abbruch richtig?

Weißke: Der Verband hat die Entscheidungen der Politik abgewartet. Der Abbruch ist die logische Konsequenz aus den ausbleibenden Lockerungen. Es war richtig, das nicht weiter herauszuzögern. So haben die Vereine jetzt Planungssicherheit und können sich darauf konzentrieren, die neue Saison in Ruhe vorzuplanen. Die Entscheidung ist im Sinne aller Handballspieler und aller Vereine getroffen worden.

War dieser Schritt alternativlos?

Vollkommen alternativlos. Was hätte man tun sollen? Noch länger warten? Auf was? Es ist davon auszugehen, dass wir frühestens nach Ostern wieder in die Sporthallen kommen. Die Mannschaften müssten sich vorbereiten, dann wäre es Mitte bis Ende Mai. Da die Saison Ende Juni beendet sein soll, wären nur fünf Wochen Zeit gewesen. Und in dieser Zeit hätte man keinen Spielbetrieb mehr durchführen können.

Es gab auch Vorstöße, die Saison über den 30. Juni hinaus zu verlängern.

Der Vorschlag kam unter anderem von mir, ist aber abgelehnt worden. Der Verband hätte in diesem Fall mit dem DHB Absprachen in Sachen Spielerverträge sowie Auf- und Abstiege treffen müssen. Zudem gab es den Einwand, dass es Schwierigkeiten geben könnte, wenn nur Niedersachsen diesen Weg geht.

Der HVN hat sich nun für den Abbruch entschieden. Warum hat der Verband aber noch Ende Januar betont, am Re-Start im März festhalten zu wollen?

Am 30. Januar gab es eine Sitzung des Verbands mit den Oberliga-Vereinen. Da war eigentlich schon klar, dass es keine Fortsetzung des Spielbetriebs geben kann. Man wollte aber die Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten abwarten. Die große Mehrheit hat fest damit gerechnet, dass der Lockdown verlängert wird.

Welche Auswirkungen hat der Abbruch der Saison über den Tag hinaus?

Man muss klar sehen, dass die Jugend ein Jahr lang kein Handball gespielt hat. Bevor es wieder losgeht, müssen die Vereine erst mal schauen, welche Spieler und welche Mannschaften überhaupt noch da sind. Das gilt auch für den Senioren-Bereich. Und es geht noch weiter: Betreuer, Kampfrichter, Kassierer kommen vielleicht auch nicht wieder und brechen weg. Deshalb müssen wir daran arbeiten, dass der Amateur-Handball schnell wiederbelebt wird.

Wie soll das gelingen? Der HVN-Präsident schlägt „Spiele auf freiwilliger Basis“ vor.

Ja, so sehen die Planungen aus. Wenn es wieder möglich sein sollte, kann man Freundschaftsturniere oder Spiele auf kleine Distanz austragen. Für unsere Region könnte das bedeuten, dass Rosdorf, Münden, Rhumetal, Duderstadt, Plesse, Osterode und so weiter gegeneinander spielen. Das ist bereits mit den Vereinen besprochen worden. Das Wichtigste ist: Der Amateur-Handball muss wieder in das Bewusstsein der Menschen.

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Abbruch formal bestätigt, Staffeleinteilung bleibt bestehen

Während es bei anderen Sportart noch unklar ist, ob und wann der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann, hat der Handball-Verband Niedersachen (HVN) am Montag Nägel mit Köpfen gemacht und entschieden, die Saison 2020/21 abzubrechen. Diese Entscheidung wurde am Mittwoch formal vom Verband bestätigt.

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In der Beschlussvorlage, die dem Tageblatt vorliegt, heißt es: „Die Saison 2020/21 wird im Erwachsenen- und Jugendspielbetrieb abgebrochen. Die Saison 2021/22 wird in der Zusammensetzung und gegebenenfalls auch in den Staffeleinteilungen gespielt, wie die Saison 2020/21 geplant wurde. Absteiger in der Saison 2020/21 gibt es nicht.“

Für die Vereine aus der Region, die in der Ober-, Verbands- oder Landesliga spielen, wird sich zur Saison 2021/22 in Hinblick auf die Ligazugehörigkeit also nichts ändern. Es bleibt allerdings noch abzuwarten, ob es Aufsteiger aus der Oberliga in die 3. Liga geben wird. Das hängt unter anderem damit zusammen, ob sich Vereine aus finanziellen Gründen aus der 3. Liga zurückziehen müssen.

Der HVN schreibt dazu: „Mögliche Aufsteiger können voraussichtlich lediglich in den Oberligen Frauen/Männer ermittelt werden, sofern dies vom Deutschen Handballbund im Rahmen der Bundesratssitzung am 08.03.2021 beschlossen wird. Sollten dem HVN danach Aufstiegsrechte zugestanden werden, werden die Vereine der Oberligen Frauen/Männer gesondert über die Zulassungsvoraussetzungen informiert.“