23. Juni 2020 / 15:23 Uhr

"Gehen das Ganze vorsichtig an": Wunstorfs Neu-Trainer Onur Köse im XXL-Interview

"Gehen das Ganze vorsichtig an": Wunstorfs Neu-Trainer Onur Köse im XXL-Interview

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Für Onur Köse, hier noch in Havelser Trainingskleidung, hat Harmonie beim 1. FC Wunstorf oberste Priorität.
Für Onur Köse, hier noch in Havelser Trainingskleidung, hat Harmonie beim 1. FC Wunstorf oberste Priorität. © Christian Hanke
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Onur Köse hat sich durch seine erfolgreiche Arbeit mit dem Nachwuchs des TSV Havelse einen Namen gemacht. Jetzt wagt der 39-Jährige den Schritt in den Männerbereich und übernimmt als Trainer beim 1. FC Wunstorf. Im Interview spricht er über unter anderem über den radikalen Umbruch beim Landesligisten.

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Hallo Herr Köse, im Juli geht‘s los, dann werden Sie die erste Trainingseinheit beim 1. FC Wunstorf leiten und den großen Umbruch beim FC einleiten. Bei so vielen neuen Spielern: Verliert man da nicht den Überblick?

Der Kader ist ja von mir mit Spielern, die ich alle kenne, zusammengestellt worden. Unter ihnen sind auch fünf Talente aus der Havelser U19. Zurzeit sind es 19 Spieler, ein paar werden noch dazukommen.

Mit Jordan Petrov und Rafael Enrique Hotes hat der FC in den vergangenen Tagen zwei namhafte und erfahrene Spieler aus der Region verpflichtet. Zuvor haben schon die Routiniers Daniel Degner, Metehan Kayhan und Armin Tvrtkovic für die nächste Saison unterschrieben. Gibt Ihr Netzwerk noch mehr her?

Wir sind zurzeit mit zwei weiteren gestandenen Spielern in Gesprächen und warten auf eine Rückmeldung. Aber wer das sein wird, verrate ich noch nicht. Wir spielen auch noch ein bisschen auf Zeit, weil die Oberliga- und Regionalligateams gerade ihre Kader zusammenstellen und einige Spieler, die auch für uns interessant sein könnten, dort im Probetraining sind. Wir hoffen darauf, dass da noch der eine oder andere für uns abfällt.

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Ist bei dieser Qualität das Ziel Klassenerhalt nicht ein bisschen zu tief gestapelt?

Das Ziel haben wir auch aus Respekt vor der Liga so festgelegt. Die meisten Mannschaften werden im Gegensatz zu uns eingespielt sein. Das müssen wir erst einmal aufholen. Wir haben sicherlich Qualität, aber das muss ja auch erst alles greifen. Die Mannschaft ist sehr jung, da können Misserfolge schnell zu einer Abwärtsspirale führen. Deshalb gehen wir das Ganze vorsichtig an. Es muss aber auch nicht gleich mit fünf Niederlagen in Folge losgehen.

Neben den erfahrenen Akteuren wird das FC-Team aus vielen Nachwuchsspielern bestehen. Einmal gut mischen und fertig: So einfach wird es nicht sein. Zumindest die Gefahr besteht, dass es in die Hose geht.

Deshalb ist es wichtig, dass wir von der Mentalität der Spieler leben. Dass wir Typen haben, die in der Lage sind, den Schalter umzulegen, wenn es Probleme gibt. Es wird sicherlich schwierig. Aber wenn man das Ganze pessimistisch angeht, kann man es auch gleich sein lassen. Ich glaube an die Qualität der Mannschaft und daran, dass sich die Arbeit, die wir als Trainerteam investieren, auszahlen wird.

Warum haben Sie sich für Ihre erste Station als verantwortlicher Trainer im Männerbereich nicht eine leichtere Aufgabe ausgesucht?

Ich hatte in Havelse ein super Umfeld. Für mich war immer klar, dass ich im Männerbereich nur eine Mannschaft übernehme, die auch Perspektiven hat und bei der das Umfeld stimmt. Davon gibt es in der Region Hannover nicht so viele. Ich freue mich auf die Aufgabe und vertraue dabei auf die Spieler und meine eigenen Fähigkeiten.

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Der Tod von Julian Geppert, der im Februar während des Trainings zusammengebrochen und wenig später gestorben ist, hat die Fußballfans in Wunstorf und der Region erschüttert. Wie groß ist der Schatten, der nach diesem tragischen Ereignis über dem Klub und den Spielern liegt?

Darüber wird immer wieder gesprochen. Es ist noch sehr gegenwärtig und wird den Verein sicherlich noch einige Zeit begleiten. Es gibt in der aktuellen Mannschaft nur noch vier Spieler, die diese Tragödie miterlebt haben, der Rest ist auseinandergegangen. Und die Spieler, die jetzt zum FC kommen, wissen natürlich auch, was da passiert ist.

War der Tod von Geppert auch ein Grund, warum viele Spieler, die jahrelang mit ihm beim FC in einem Team gespielt haben, den Verein verlassen haben?

Ich denke nicht, dass die Jungs davor geflüchtet sind. Nach dem Tod von Julian Geppert haben die Spieler gesagt, dass sie die Saison für Jule zu Ende spielen wollten. So wurde es mir vom Verein gesagt. Der Grund für die zahlreichen Wechsel ist meiner Meinung nach vielmehr der Umbruch in Wunstorf. Viele Spieler wollten diesen Weg nicht mitgehen.

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Den Trainingsablauf und das Drumherum wollen Sie neu aufstellen. Worauf werden Sie erst einmal noch wert legen?

Priorität hat ganz klar die Harmonie im Team. Es ist für mich ein Glücksfall, dass ich die Mannschaft selbst zusammenstellen konnte. Es wäre fatal, wenn man sich in so einer Situation die falschen Spieler, die Unruhe reinbringen und damit den Erfolg gefährden, ins Team holt.

Was wäre für Sie unter diesen Umständen die perfekte Saison?

Es wäre perfekt, wenn wir unser Ziel, den Klassenerhalt, so schnell wie möglich erreichen würden und es dann korrigieren und anpassen können.

Also werden Sie neue Ziele ausgeben, wenn der 1. FC Wunstorf nach der Hinrunde souveräner Tabellenführer ist.

(lacht) Dann werden wir es sehr gerne korrigieren. Ein gutes Beispiel ist die Mannschaft des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Die hatten zu Beginn der Saison auch andere Ziele. Dann haben sie gesehen, dass mehr möglich ist und haben ihr Ziel der Situation angepasst. So macht das Sinn.