19. Mai 2020 / 08:56 Uhr

"Irgendwann hatten sie es begriffen": Krähen-Trainer Pascal Preuß im XXL-Interview

"Irgendwann hatten sie es begriffen": Krähen-Trainer Pascal Preuß im XXL-Interview

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Will gern mit dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide höher hinaus, auf jeden Fall aber als Trainer: Pascal Preuß.
Will gern mit dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide höher hinaus, auf jeden Fall aber als Trainer: Pascal Preuß. © Christian Hanke
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Seit Sommer ist Pascal Preuß Trainer des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Sein Team war am (bisher) einzigen Landesliga-Spiel des Jahres beteiligt, gewann mit 10:0 in Barsinghausen und schob sich auf Platz zwei vor. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 37-Jährige über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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Herr Preuß, Sie haben fünf Kinder, die momentan wegen Corona natürlich viel zu Hause sind. Sind Sie deshalb doppelt froh, dass Sie jetzt zumindest wieder mal auf den Trainingsplatz dürfen?

Bislang habe ich nur mit der D-Jugend in Engelbostel wieder losgelegt. Bei KK starten wir erst am Vatertag.

Oh, an Himmelfahrt. Da sind Ihre Spieler ja bestimmt begeistert …

(lacht) So viele Väter haben wir ja noch nicht im Kader. Aber zurück zur ersten Frage: Zu Hause ist natürlich jeder Tag eine Herausforderung, gerade im Moment. Sie müssten mal unseren Garten sehen. Wo früher Rasen war, ist nur noch Erde. Aber ich bin froh, dass wir ein Haus haben und nicht im zweiten Stock ohne Balkon leben müssen.

Zwei Mannschaften bei fünf Kindern. Ihre Frau Marianne macht das mit?

Sie kennt es ja nicht anders. Wir sind zusammen, seit wir 17 sind. Ich habe immer Fußball gespielt. Und wenn ich zu viel zu Hause bin, ist das auch gar nicht so gut (schmunzelt). Wir haben die Trainingszeiten von den beiden Teams aber extra so gelegt, dass ich zwei Tage in der Woche frei habe und nur die restlichen dann auf Achse bin und zwischen den beiden Anlagen hin- und herfahre.

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Umziehen dann zwischendurch schnell im Auto? Muss ja ein anderes Logo auf die Jacke ...

So ähnlich kann man sich das vorstellen, ja.

Sie sind als Trainer hoch eingestiegen, haben tiefer als Landesliga bei den Männern nie gecoacht. Erfolg hatten Sie überall.

Ich bin Ralf Rohden vom Heeßeler SV bis heute dankbar, dass er diesen Schritt mit mir gemacht hat. Das war ein großes Risiko mit einem Noname als Trainer. Damit hätte man auch richtig auf die Klappe fliegen können.

Ist er aber nicht.

Nein, erst haben wir die Klasse gehalten, sind dann Vizemeister geworden, und letzte Saison Siebter ist auch ganz okay gewesen. Da habe ich das Vertrauen in mich wohl zurückgezahlt.

Auch bei Ihrer aktuellen Station läuft es super. Krähenwinkel steht so gut da wie lange nicht. Ramlingens Trainer Philipp Gasde hat im Winter gesagt, dass nur noch KK sein Team auf dem Weg in die Oberliga aufhalten könnte. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Mit Sicherheit gehört immer auch etwas Glück dazu. Aber es zahlt sich langsam aus, dass mein Co-Trainer Nils Poelmeyer und ich etwas anders Fußball spielen lassen, als man es bei KK vorher gewohnt war. Nils denkt genau wie ich. Ich würde ihm blind meine Kinder anvertrauen.

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Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. ©

Wie sieht Ihre gemeinsame Idee vom Fußball denn aus? Was schwebt Ihnen vor, wenn Sie ein Team übernehmen?

Immer schön die Bälle flach halten und sie lange in den eigenen Reihen halten. Wir machen häufig eine Passschule im Training. Da ist es sogar so, dass ich Sachen, die ich vorher im Kindertraining gemacht habe, ins Herrentraining einbringe.

Und die gestandenen Spieler zeigen Ihnen nicht den Vogel, wenn Sie mit denen Kurzpässe üben wollen?

Überhaupt nicht. Das sind ja alles auch Konzentrationssachen. Ich sage immer, dass es nichts nützt, wenn man einen Ball 1500-mal gut gespielt hat, aber beim 1501. Versuch einen Fehler macht und deshalb in den entscheidenden Konter läuft. Wichtig ist, dass man die gleichen Dinge nicht immer identisch trainiert. Die Hütchen stehen nie gleich, damit der Spaß nicht verloren geht. Das habe ich von Hilger Wirtz, unter dem ich bei Arminia gespielt habe. Da war jede Einheit neu.

Und haben Ihre neuen Spieler Ihre Ideen denn direkt verinnerlicht?

Na ja (lacht). Am Anfang hat das ehrlich gesagt gar nicht gefruchtet. Und als wir dann das Derby gegen Godshorn verloren hatten, war dann auch direkt richtig Dampf auf dem Kessel. Aber es ist Schritt für Schritt besser geworden. Irgendwann hatten sie es begriffen. Und in Barsinghausen verwalten wir dann ein Spiel trotzdem nicht, selbst wenn wir zur Halbzeit mit 4:0 führen, sondern sind dann weiter geil drauf, Tore zu schießen und gewinnen am Ende mit 10:0. Die erste Saison lief insgesamt besser als jeder angenommen hatte. Okay – von Philipp Gasde mal abgesehen (lacht).

Die Bilder zur Partie TSV Barsinghausen gegen TSV Krähenwinkel/Kaltenweide:

Barsinghausens Robin Abram bedrängt Krähenwinkels Daniel Mücke. Zur Galerie
Barsinghausens Robin Abram bedrängt Krähenwinkels Daniel Mücke. ©

Sie waren früher selbst Abwehrspieler und trainieren jetzt das offensivstärkste Team der Liga ...

Angefangen habe ich bei Sparta allerdings im Sturm, ehe ich dann von meinen Trainern immer weiter zurückgezogen wurde. Aber das Erste, was ich versuche zu trainieren, ist immer die Defensive. Darauf liegt mein Hauptaugenmerk. Und dann geht es immer einen kleinen Schritt weiter nach vorne.

Sie sagten vorhin, den Ball flach halten zu wollen. Auch Sie selbst wirken am Spielfeldrand meist ruhig, manchmal fast stoisch, selbst in Momenten, in denen der Rest sich massiv aufregt.

Es ist schon so, dass man innerlich ab und zu mal ein paar Grad wärmer wird, auch wenn das vielleicht nicht so aussieht. Als Trainer ist man ja auch Vorbild für seine Spieler. Und ich könnte denen nicht immer sagen, dass sie nicht motzen sollen, wenn ich es selbst ständig tun würde. Es nützt ja sowieso nichts, wenn man da wie ein wildes Kaninchen rumspringt. Der Schiedsrichter kommt ja nachher nicht und sagt: „Herr Preuß, Sie haben recht. Ich ändere meine Entscheidung dann mal in das Gegenteil.“

Und zu Ihrer aktiven Zeit?

... war ich nicht immer so der Ruhigste und hab mir dafür dann auch mal ’ne Gelbe eingefangen.

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12 Tore ©

Sie haben als Spieler so manche Station durchlaufen. Wo war es denn eigentlich am schönsten?

Da muss ich zwei nennen. Einmal Sachsenroß; das war vom Zusammenhalt die beste Zeit. Da hat der eine für den anderen gekämpft, und wir haben viel zusammen unternommen. Und fußballerisch war es Arminia. Mir sind noch zwei Oberliga-Spiele beim SV Meppen in Erinnerung, in denen ich sogar jeweils ein Tor geschossen habe. Wir haben beide gewonnen, Meppen war nach dem zweiten Spiel aber trotzdem aufgestiegen, und deren Fans haben mir vor Freude Trikot und Hose vom Leib gerissen.

Auch als Trainer muss in der Landesliga für Sie ja noch nicht Schluss sein.

Es ist doch klar, dass man Zeit und Geld für die Lizenzen nicht investiert, um für immer in der Landesliga zu bleiben. Als nächstes soll die ­A-Lizenz kommen – und dann sehen wir mal, wohin der Weg noch führt. Wenn wir in den Umfragen für die neue Saison mal von jemand anderem als Philipp Gasde als Aufstiegsfavorit genannt würden, wäre das ja auch schon mal nicht schlecht.