13. Januar 2020 / 18:11 Uhr

Energie-Präsident Matthias Auth im Interview: "Ich stehe für Dynamik"

Energie-Präsident Matthias Auth im Interview: "Ich stehe für Dynamik"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Matthias Auth ist seit 1. Januar offiziell Präsident von Energie Cottbus.
Matthias Auth ist seit 1. Januar offiziell Präsident von Energie Cottbus. © imago images/Matthias Koch
Anzeige

Regionalliga Nordost: Matthias Auth, neuer Präsident von Energie Cottbus, spricht im Interview über seine Ziele mit dem Verein, mögliche Neuzugänge und den neuen Trainer Sebastian Abt.

Anzeige
Anzeige

Kurz vor Weihnachten gab es ein großes Stühlerücken bei Energie Cottbus: Claus-Dieter Wollitz verließ den Fußball-Regionalligisten Richtung Magdeburg, Präsident Werner Fahle trat zurück. An seine Stelle trat Matthias Auth, der zuvor Verwaltungsratsvorsitzender war. Im Interview spricht der 52-Jährige über die „Vision 2022“, fehlende Vereinskultur und die wirtschaftliche Situation.

Herr Auth, kurz vor Weihnachten wurden Sie vom Verwaltungsratsvorsitzenden zum Präsidenten bei Energie. Wie lange mussten Sie überlegen?
Matthias Auth: Der Prozess der Nachfolgersuche ging von Freitag bis Montagvormittag, bis auch alles mit dem Präsidium und dem Verwaltungsrat geklärt war. Am Montagvormittag gab es dann die Frage an mich, ob ich es mir vorstellen könnte. Ich habe nicht sofort „Ja“ gesagt, ich wollte mich kurz mit meiner Familie und Frau abstimmen. Da ich schon seit 2015 in verschiedenen Gremien bei Energie war, kam die Arbeit ja auch nicht von 0 auf 100.

Was hat sich für Sie verändert?
Persönlich gar nichts, ich stehe weiter für Transparenz im Verein. Aber als Präsident steht man natürlich mehr in der Öffentlichkeit, man vertritt den Verein nach außen – und das mache ich gerne.

Sie haben nach Amtsantritt Sebastian König vom Interimstrainer zum Sportlichen Leiter gemacht und Sebastian Abt vom U19- zum Cheftrainer. Warum diese neuen Aufgaben?
Für uns war klar, dass das der erste Schritt sein musste. Wir wollten in der Organisation eine Trennung der sportlichen Leitung zum Cheftrainer. Der Coach sollte primär nicht Vertragsverhandlungen führen und Berater kontaktieren, wie es bei Pele Wollitz der Fall war, sondern sich auf die Mannschaft konzentrieren dürfen.

In Bildern: Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994.

Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994. Zur Galerie
Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994. © dpa
Anzeige

Ihr Vorgänger Werner Fahle galt als Wollitz-Fürsprecher, Wollitz hatte öffentlich aber mit Angeboten von anderen Vereinen kokettiert und ist schließlich nach Magdeburg gewechselt. Wie kam das bei Ihnen an?
Wir als Verwaltungsrat haben die Pressekonferenzen von Pele auch verfolgt, da gab es aus meiner Sicht in der Außendarstellung eine Disharmonie. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie hatten auch gesagt, dass bei der Schnelligkeit der Entwicklung bei Energie noch Luft nach oben ist und die „Vision 2022“ ausgegeben.
Fußball als Sport ist schnell und ich stehe für Dynamik. Deshalb haben wir auch die „Vision 2022“ ausgegeben. Ich sehe den Plan auch nicht als zu ambitioniert. Wir wollen bis 2022 die Voraussetzungen schaffen, dass wir dann dauerhaft im Profifußball spielen können, das heißt 3. Liga und im Idealfall auch höher.

Was fehlt aktuell, um dieses Ziel zu verwirklichen?
Wir haben im sportlichen Bereich eine gute Ausgangsbasis mit dem Verbundsystem, also der Sportschule. Von mir gibt es auch ein klares Bekenntnis zur Nachwuchsarbeit des Vereins...

Mehr zur Regionalliga Nordost

...um auch eine größere Identifikation mit dem Verein zu schaffen?
Die ist tatsächlich in den letzten Jahren ein bisschen abhandengekommen. Wir möchten, dass die Spieler und Mitarbeiter sagen: Ich bin stolz, bei Energie zu spielen und zu arbeiten. Ein kleines Beispiel, das aber viel aussagt: Bis vor kurzem gab es eine Weihnachtsfeier der Mannschaft, eine des Betreuerstabs, eine des Nachwuchsleistungszentrums – das ist für mich keine Vereinskultur. Auch da müssen wir ansetzen.

Mit Interimstrainer Sebastian König, der früher unter anderem für Miersdorf/Zeuthen gespielt hat, als sportlichem Leiter und Sebastian Abt als neuem Trainer haben sie zwei Eigengewächse in die Verantwortung genommen. Warum haben Sie sich für diese Konstellation entschieden?
Sebastian Abt ist das „Master Brain“, das Gehirn was die Taktik und die sportliche Seite angeht. Aber als Cheftrainer ist er nicht nur Trainer, sondern auch Chef aller Trainer im Verein – und bei diesen genießt er eine exzellente Akzeptanz. Und bei Sebastian König war es nicht so, dass wir gesagt haben: Dir trauen wir den Cheftrainerposten nicht zu. Vielmehr hat er uns in den Gesprächen zwischen den Jahren signalisiert, dass er sich den Job als sportlicher Leiter sehr gut vorstellen kann. Er ist unter anderem sehr gut vernetzt und kennt Energie seit Jahren.

Sebastian Abt besitzt keine Fußballlehrerlizenz, er dürfte bei einem Aufstieg nicht Cheftrainer sein, wie gehen Sie damit um?
Wir werden beim DFB anfragen, dass wir schnell eine Lösung finden und er am Fußballlehrerlehrgang teilnehmen kann.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Energie Cottbus – und was aus ihnen wurde.

Klickt euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. Zur Galerie
Klickt euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. ©

Wie viele Spieler werden in der Winterpause noch kommen?
Es werden keine fünf oder sechs, der Budgetrahmen lässt zwei, vielleicht auch drei Spieler zu. Es kann aber auch sein, dass es bei dem einen Neuzugang Florian Brügmann bleibt, wenn der Sportliche Leiter und der Trainer sagen, dass sonst keine Notwendigkeit besteht.

Energie steht aktuell auf Platz eins der Regionalliga, ist der Aufstieg überlebenswichtig für Energie?
Das würde ich nicht sagen, wir stehen bei einem verpassten Aufstieg nicht vor der Insolvenz. Es gibt unterschiedliche Szenarien, die wir durchspielen und wir werden im März natürlich die Lizenzierungsunterlagen für die 3. Liga einreichen. Und es sind alle im Verein gefordert, die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Ausgaben kann man in der Regel gut streichen, doch da gibt es kaum Einsparungspotenzial. Beim Generieren von Einnahmen müssen wir noch eine Schippe drauflegen.

Energie stand immer wieder wegen rechtsextremer Verfehlungen seiner Fans in den Schlagzeilen, zuletzt war es ruhig. Sie waren maßgeblich an der Entwicklung des Maßnahmenplans beteiligt. Wie groß ist das Problem?
Ich würde noch nicht sagen, dass wir Erfolg hatten. Ein Erfolg wäre für mich, wenn wir über Jahre keine rechtsextremen Vorfälle mehr hätten. Ich glaube aber, dass wir alle – Fans, Netzwerkpartner, Verein – die Dinge sehr ernst nehmen und das auch offen und transparent kommunizieren. Seit 1. Januar haben wir mit Laura Klement eine hauptamtliche Beauftragte für Vielfalt und Toleranz – darauf sind wir sehr stolz.

Hier #GABFAF-Supporter werden

Der Amateurfußball braucht dringend Hilfe! #GABFAF setzt sich bei Verbänden, Politikern und Sponsoren für die Amateurklubs ein. Für vernünftige Duschen, Umkleiden, Plätze, Flutlicht. Für mehr Respekt. Trage Dich hier kostenlos ein, wenn Du dieses Anliegen unterstützt. Du bekommst unseren exklusiven Newsletter und hast jeden Monat die Chance auf 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein.

ANZEIGE: 50% auf alle JAKO Artikel! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN