24. Oktober 2019 / 18:05 Uhr

Roland Kroos im Interview: "Es sollte sich für die Kinder nicht alles nur um Fußball drehen"

Roland Kroos im Interview: "Es sollte sich für die Kinder nicht alles nur um Fußball drehen"

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Roland Kroos, Trainer des Greifswalder FC.
Roland Kroos, Trainer des Greifswalder FC. © Werner Franke
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NOFV-Oberliga Nord: Der Trainer des Greifswalder FC gastiert am Samstag beim Ludwigsfelder FC.

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Roland Kroos (59) gehört zu den bekanntesten deutschen Fußball-Vätern: der älteste Sohn Toni (30, Real Madrid) hat sich unter den profiliertesten Profis der Welt etabliert, sein Bruder Felix hat (28, Union Berlin) hat den Sprung in die Bundesliga geschafft. Im Interview spricht der Trainers Mecklenburg-Vorpommerns des Jahres 2017 vor der Partie mit dem Greifswalder FC in der NOFV Oberliga Nord beim Ludwigsfelder FC (Sonnabend, 14 Uhr) über Weihnachtsgeschenke im Hause Kroos, Neuland in Ludwigsfelde und eine gesunde Balance der Erwachsenen auf dem Fußballplatz.

Herr Kroos, das Klischee geht so, dass sich die Eltern eines Weltstars wie Toni Kroos zur Ruhe setzen können. Sie sind seit der vergangenen Spielzeit Coach des Greifswalder FC. Warum tun Sie sich den Stress an?
Roland Kroos: Erstens haben wir uns immer alles selber erarbeitet und zweitens hat das nichts mit antun zu tun. Ich habe immer noch große Freude an diesem Job – es gibt nichts Schöneres, als mit jungen Menschen zu arbeiten. Das macht mir wie am ersten Tag Riesenspaß.

Am Sonnabend treten Sie mit ihrer Mannschaft beim Ludwigsfelder FC an. Sind Sie dem Verein in der Vergangenheit schon einmal begegnet?
Nein. Ich bin bisher noch nie auf den Ludwigsfelder FC getroffen, das ist Neuland für mich. Ich freue mich darauf.

Sie haben Ihre beiden Söhne auch als Kinder trainiert. Ein Problem auf Fußballplätzen ist der enorme Ehrgeiz der Erwachsenen. Was würden Sie Eltern oder Trainern raten, um eine gesunde Distanz zu wahren?

Das es nichts bringt, wenn man zu ehrgeizig ist. Die Kinder müssen selbst diesen Ehrgeiz entwickeln. In diesem Zusammenhang spielen natürlich auch Erziehungsfragen eine Rolle, aber Eltern sollten sich grundsätzlich raushalten. Ich hatte den Vorteil, nicht nur Vater, sondern auch Trainer zu sein und zu wissen, wie schwer es manchmal für die Eltern ist, sich zurückzuhalten. Man muss eine gesunde Mischung finden.

Toni Kroos: Seine Karriere in Bildern

Klein-Toni: Im Alter von 12 Jahren kickt Toni Kroos noch bei seinem Heimatverein Greifswalder SC. Zur Galerie
Klein-Toni: Im Alter von 12 Jahren kickt Toni Kroos noch bei seinem Heimatverein Greifswalder SC. ©

Ist es Ihnen immer leicht gefallen?

Nein, natürlich nicht. Es war auch bei mir ein Lernprozess, aber es ist sehr wichtig, sich ihm zu stellen. Es sollte sich für die Kinder nicht alles nur um Fußball drehen. Gerade wenn Kinder einen höheren Leistungsbereich erreichen, spielt der Sport wegen des Trainingspensums eine große Rolle, da muss man nicht auch noch zusätzlich große Auswertungen machen.

Fußball dürfte ein zentrales Thema im Hause Kroos sein. Geben Sie Ihren Kindern manchmal Tipps oder analysieren mit Ihnen Spiele?

Nein, eigentlich nicht. Klar reden wir hier und da mal über das Spiel, aber in einer ganz lockeren Atmosphäre. Tipps gebe ich überhaupt keine mehr, da haben sie andere Ansprechpartner.

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Weihnachten rückt näher, wie muss man sich das Fest bei der Familie Kroos vorstellen.

Das ist sehr unterschiedlich und hängt natürlich auch davon ab, wie der Zeitplan meiner Söhne aussieht. Es ist immer gar nicht so einfach, alle an einen Tisch zu bekommen. Sie haben beide Partnerinnen, die auch bei ihren Familien sein möchten. Wir werden beide Kinder sehen, aber etwas zeitversetzt.

Was gibt es für Geschenke?

Wir schenken Kleinigkeiten, etwas Persönliches. Wir haben alles, was wir brauchen, da geht es nur um eine Aufmerksamkeit, um sich eine Freude zu machen. Am meisten freut sich Toni, wenn er etwas für seine Stiftung bekommt.

Ihr Sohn Toni ist Weltmeister und ein Superstar. Verändert sich das Verhältnis durch den Erfolg? Sieht man manchmal mehr den Star?

Nein, da hat sich nichts verändert, weil Toni und Felix auch menschlich so geblieben sind, wie sie vorher waren. Natürlich bin ich sehr stolz auf meine Söhne, aber das Persönliche und Private können wir alle gut vom Beruflichen trennen.