14. Februar 2020 / 18:33 Uhr

Streli Mamba vom SC Paderborn: "Jemanden wegen seiner Hautfarbe zu beleidigen, ist ein Zeichen von Schwäche"

Streli Mamba vom SC Paderborn: "Jemanden wegen seiner Hautfarbe zu beleidigen, ist ein Zeichen von Schwäche"

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Im Sommer 2019 wechselte Streli Mamba von Energie Cottbus zum SC Paderborn und kam zu seinen ersten Bundesligatoren.
Im Sommer 2019 wechselte Streli Mamba von Energie Cottbus zum SC Paderborn und kam zu seinen ersten Bundesligatoren. © Getty
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Angreifer Streli Mamba empfängt mit dem SC Paderborn in der Bundesliga  Hertha BSC und spricht über seine Zeit bei Energie Cottbus und Rassismus im Fußball-Stadion.

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Im Mai 2019 schoss Streli Mamba Energie Cottbus bei Optik Rathenow zum Landespokalsieg. Neun Monate später ist der 25-Jährige Bundesliga-Spieler. Für den SC Paderborn hat der Stürmer bereits fünf Mal getroffen und hofft nun am Sonnabend (15.30 Uhr) im Heimspiel auf einen Sieg gegen Hertha BSC. Im Interview spricht er über die richtige Schreibweise seines Namens, die Beziehung zu Claus-Dieter Wollitz und die Glitzerwelt Bundesliga.

Sie haben einen steilen Weg von der dritten in die erste Liga hingelegt. Wie fühlt es sich an, nun in der Bundesliga angekommen zu sein?
Streli Mamba: Das ist schon eine krasse Entwicklung, aber es fühlt sich gut an.

In der Jugend und als junger Mann wechselten Sie oft den Verein. Vor fünf Jahren spielten Sie noch in der Oberliga und arbeiteten nebenbei in einem Fitnessstudio. Hatten Sie den Profitraum schon aufgegeben?
Nein. Ich habe immer dran geglaubt und bin hungrig geblieben. Einige Leute haben mir gesagt, ich soll lieber eine Ausbildung machen. Jetzt bin ich froh, dass ich es ihnen beweisen konnte.

Mit dem Wechsel zu Energie Cottbus nahm Ihre Karriere Fahrt auf. Wie kam das?
Cottbus war der letzte Strohhalm. Wenn es dort nicht geklappt hätte, dann hätte es gar nicht geklappt.

Welche Rolle spielte Trainer Claus-Dieter Wollitz?
Er wusste, wie er mit mir umzugehen hatte. Es gab auch mal unangenehme Gespräche, aber das hat mich weitergebracht. Wollitz hat einen besseren Fußballer aus mir gemacht.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Energie Cottbus – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. ©

Haben Sie noch Kontakte nach Cottbus?
Ja, Cottbus ist meine zweite Heimat geworden. Mein Sohn ist dort geboren. Ich werde immer mit der Stadt verbunden sein.

Herthas Jordan Torunarigha wurde kürzlich auf Schalke rassistisch beleidigt. Ihnen ist das außerhalb des Stadions auch schon passiert. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie so etwas mitbekommen?
Da fehlen mir die Worte. Jemanden wegen seiner Hautfarbe zu beleidigen, ist ein Zeichen von Schwäche. Das muss knallhart bestraft werden. Wenn mir das in einem Spiel passieren würde, würde ich sofort vom Platz gehen, das darf man nicht tolerieren.

Jürgen Klinsmann hat als Hertha-Trainer hingeworfen. Was bedeutet das für das Spiel am Samstag?
Nichts.

Warum nichts?
Es sind die gleichen Spieler, in so kurzer Zeit kann ein anderer Trainer nicht so viel ändern. Außerdem wollen wir unser Spiel aufdrücken.

Was ist das Paderborner Spiel?
Bei uns steht der Wille an erster Stelle. Dann stimmt auch die Leistung.

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Paderborn ist Schlusslicht. Was macht Ihnen Hoffnung für den Klassenerhalt?
Wir müssen unsere Mentalität auf den Platz bringen und Fehler minimieren, dann fahren wir auch Punkte ein.

Ihre Eltern kamen aus dem Kongo. Sie lebten als Kind eine Zeit lang in einem Containerdorf. Wie erleben Sie vor diesem Hintergrund die Glitzerwelt Bundesliga?
Ich denke nicht, boah, das ist Bundesliga. Dann könnte ich nicht einhundert Prozent abrufen. Auch wenn die ganze Welt zuguckt, ist es nur Fußball.

Inwiefern haben Sie sich seit dem Wechsel nach Paderborn an die Bundesliga angepasst?
Ich bin fußballerisch besser geworden, auch meine Laufleistung ist gestiegen. Jedes Spiel gibt mir ein besseres Gefühl.

Und woran arbeiten Sie noch?
Es gibt immer Dinge zu verbessern. Ich will noch mehr Präsenz in der Box und an meinen Laufwegen arbeiten.

Ihre Eltern haben Sie eigentlich Strely mit Ypsilon genannt. Wie kam es zu Streli?
Streli steht sogar im Ausweis. Das hat sich irgendwann in der Schule verselbstständigt. Strely ist mir eigentlich lieber. Aber dafür ist es nun wohl zu spät.

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