13. März 2019 / 11:17 Uhr

Sven-Sören Christophersen im XXL-Interview: "Kann es nicht allen recht machen" (Teil 1)

Sven-Sören Christophersen im XXL-Interview: "Kann es nicht allen recht machen" (Teil 1)

Simon Lange und Stefan Dinse
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sven-Sören Christophersen hat bei den Recken die Seiten gewechselt - vom Spieler ist der 33-Jährige im Sommer nahtlos zum Sportlichen Leiter geworden.
Sven-Sören Christophersen hat bei den Recken die Seiten gewechselt - vom Spieler ist der 33-Jährige im Sommer nahtlos zum Sportlichen Leiter geworden. © Florian Petrow
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Im vergangenen Sommer musste Sven-Sören Christophersen aus gesundheitlichen Gründen seine aktive Karriere bei der TSV Hannover-Burgdorf beenden – und hat direkt den neuen Job des Sportlichen Leiters der Recken übernommen. Der SPORTBUZZER hat ausführlich mit dem 33-Jährigen gesprochen.

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Sie treffen gerade harte Entscheidungen. Verdiente Spieler wie Martin Ziemer oder Lars Lehnhoff bekommen keinen neuen Vertrag. Fühlen Sie sich wie ein Buhmann?

Nein. Ich bin nun mal derjenige, der unbequeme Entscheidungen treffen muss. Das ist meine Rolle. Darüber will ich mich nicht beklagen. Ich kann den Job nicht ausfüllen und versuchen, es allen recht zu machen. Aber ich wäge Entscheidungen sehr gut ab, versuche, keine Schnellschüsse zu machen.

Dabei hilft es auch, dass wir Entscheidungen gemeinsam mit dem Trainerteam und Geschäftsführer Eike Korsen ausführlich besprechen, bevor wir sie treffen. Die Entscheidungen sind aus unserer Sicht perspektivisch für den Verein die vielversprechendsten. Davon sind wir überzeugt.

Mehr über die Recken

Das Team soll verjüngt werden …

Ja. Wir versuchen, den Fokus auf unseren sehr starken Nachwuchs zu lenken. Auf der einen Seite erfahrene Spieler zu haben, die im Wind stehen und vorangehen, aber auch junge Spieler einzusetzen und sie weiterzuentwickeln. Das ist unser Weg, der sehr gut zu unserem Verein passt. Und es ist aktuell der richtige Zeitpunkt, weil das Angebot an Talenten reichhaltig vorhanden ist.

Sie haben ja bis vergangenen Sommer mit Spielern wie Ziemer und Lehnhoff jahrelang zusammengespielt. Wie schwer ist es Ihnen wirklich gefallen, den beiden ins Gesicht zu schauen und ihnen zu sagen, dass ihre Zeit vorbei ist?

Das sind keine schönen Gespräche. Mir war wichtig, den Jungs in die Augen zu gucken. Dass damit auch eine gewisse Enttäuschung einhergeht, ist nachvollziehbar. Ich glaube aber auch, dass wir uns nach wie vor ins Gesicht schauen können. Natürlich sind diese Entscheidungen noch schwerer zu treffen, wenn das Verhältnis auch persönlich ist und nicht nur rein professionell, ist doch klar.

Die SPORTBUZZER-Redakteure Simon Lange (links) und Stefan Dinse (rechts) im Gespräch mit Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter der Recken.
Die SPORTBUZZER-Redakteure Simon Lange (links) und Stefan Dinse (rechts) im Gespräch mit Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter der Recken. © Florian Petrow
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Warum haben Sie im Winter keinen Spieler nachverpflichtet für den dünnen Rückraum?

Ich habe auf dem Markt keinen Spieler gesehen, bei dem das Profil gepasst hätte, der sofort zur Verfügung stand und der uns perspektivisch weiterhilft. Es war mir wichtig, dass man nicht jemanden einfach nur bis Saisonende holt. Bis der angekommen ist, macht unser Nachwuchs das besser. Dann nutzen wir lieber die Zeit als Ausbildungszeit.

Wenn ich nicht das Gefühl habe, dass es einen nach vorne bringt, dann soll lieber die Jugend vorangehen und ins kalte Wasser springen. Das bringt im Erfolgsfall einen nachhaltigen Vorteil und schafft Identifikation.

Der Kern des Teams bleibt erhalten. Es ist kein radikaler Umbruch ...

Genau. Aber es kommt frischer Wind rein. Die Neuen werden hoch motiviert sein. Die Mannschaft ist ja noch nicht in die Jahre gekommen. Aber da in zwei, drei Jahren sowieso ein Einschnitt ansteht, ist die Frage, wann man das einleitet. Man kann ja kein Team komplett austauschen.

Das sind die Spiele der TSV Hannover-Burgdorf in der zweiten Hälfte der Saison 2018/19

Dienstag, 28. Mai (19 Uhr): TSV Hannover-Burgdorf - SC DHfK Leipzig (Bundesliga/TUI-Arena) Zur Galerie
Dienstag, 28. Mai (19 Uhr): TSV Hannover-Burgdorf - SC DHfK Leipzig (Bundesliga/TUI-Arena) ©

In der Liga vor der Winterpause viele Niederlagen am Stück, danach seit Februar vier Siege in Folge, dafür läuft‘s in Europa nicht – warum tun sich die Recken so schwer, Konstanz zu zeigen?

Man sollte auf jeden Fall nicht drüber hinwegsehen, dass die Liga jetzt wieder läuft. Vier Siege aus vier Spielen – das hätte man nicht nur genommen am 26. Dezember, als die Pause losging, es war ein Wunschszenario, das in weiter Ferne lag. Insofern freue ich mich, gerade vor dem Hintergrund der nach wie vor schwierigen Personalumstände. Es stimmt mich positiv, dass wir in diesen Situationen trotzdem Lösungen finden. Das gelingt uns leider im EHF Cup nur bedingt.

Warum ist das so?

Man kann sehen, dass die Jungs auf dem Spielfeld alles versuchen, aber wir stellen uns auf der europäischen Ebene teilweise nicht clever genug an. Wir merken auch, dass unsere Fehler eiskalt bestraft werden. Hinzu kommen dann auch unglückliche Schiedsrichterentscheidungen oder wie in Nexe große Reisestrapazen. Aber ich will hier keine Entschuldigungen suchen, warum wir jetzt vor einer Situation stehen, die wir nicht mehr selber ganz in der Hand haben. Wir sind jetzt von Tatabanya abhängig.

"Die anderen Mannschaften sind kein Fallobst"

Aber: Dass vielleicht doch zwei Siege aus den letzten Spielen zum Weiterkommen reichen könnten, ist zumindest wieder wahrscheinlicher geworden, nachdem Rabotnik gegen Nexe gewonnen hat. Die anderen Mannschaften sind kein Fallobst, trotzdem stehen wir vom Potenzial her grundsätzlich nicht hinter diesen Teams. Wir haben es bisher nicht so abgerufen, wie wir uns das vorgestellt haben.

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