05. Januar 2021 / 11:47 Uhr

Interview: Tobias Baumgarten über seine Rolle als Vorsitzender des VfL 1877 Stadthagen

Interview: Tobias Baumgarten über seine Rolle als Vorsitzender des VfL 1877 Stadthagen

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Tobias Baumgarten ist der Vorsitzende des VfL Stadthagen. Er steht jedoch auch selbst für die Handballmannschaft in der Regionsoberliga auf dem Spielfeld. © Uwe Kläfker
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Tobias Baumgarten gehört zu den jüngsten Vorsitzenden der Schaumburger Vereine. Im interview spricht er unter anderem darüber, wie er in diese Rolle gekommen ist.

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Tobias Baumgarten ist beim VfL 1877 Stadthagen nicht mehr wegzudenken. Er ist nicht nur selbst in der Mannschaft des Handball-Regionsoberligisten auf der „Platte“ aktiv. Er ist seit 2019 auch der Vorsitzende des Vereins. Im Corona-Jahr 2020 gab es für ihn einen ganz persönlichen Höhepunkt. Der 30-Jährige heiratete seine Freundin Deniz und baut nun ein Haus in Obernwöhren. Wir unterhielten uns mit Baumgarten unter anderem über seine Tätigkeit als Vorsitzender des Vereins, das Corona-Jahr und die lange Handballpause.

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Hallo Herr Baumgarten. Sie sind 30 Jahre alt und bereits Vorsitzender beim VfL Stadthagen. Im Schaumburger Vereinsleben sind Sie als junger Chef so etwas wie ein Exot. Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?
Ich bin jetzt im VfL, seit ich neun Jahre alt bin, und war vorher auch schon fünf Jahre lang als Kassenwart im Vorstand aktiv. Jetzt wollte ich gerne mehr Verantwortung, wollte eine Veränderung und hatte auch einfach Bock darauf.

Und dann gibt es gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine weltweite Pandemie – und der Sport steht still.
Das stimmt. Wir achten im Vorstand deswegen auch momentan darauf, dass wir mit den Mitgliedern in Kontakt bleiben. Wir stehen mit den Spartenleitern in Videokonferenzen, und ich bin ganz froh, dass die Stimmung im Verein noch ganz gut ist.

Noch?
Ich habe etwas Bammel, dass die irgendwann kippen könnte. Aber ich muss hier an der Stelle unsere Mitglieder loben. Denn bis jetzt gibt es noch keine Austritte. Dafür bin ich unseren Mitgliedern sehr dankbar. Und wir helfen auch gerne, wenn jemand zum Beispiel nicht zahlen kann. Da sind wir natürlich gesprächsbereit und lassen niemanden im Regen stehen.


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Sie als junger Vorsitzender haben da vielleicht einen anderen Blick drauf: Wie kann man denn junge Leute für einen ehrenamtlichen Posten in einem Verein begeistern?
Bei mir war das so, dass ich bereits in der Jugend herangeführt wurde. Ich habe frühzeitig eine C-Jugend trainiert und habe auch die Herausforderungen gesucht. Wir beim VfL strukturieren momentan zum Beispiel unsere Satzung um und wollen das Stimmrecht von 18 auf 16 Jahre senken, einfach um die Jugendlichen zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass ihre Stimme bei uns zählt.

2019 ist der Gerhard-Jaster-Gedächtnislauf des VfL Stadthagen ja ausgefallen. Damals hatten Sie von einem neuen Konzept gesprochen. 2020 konnte er auch nicht stattfinden. Wie sehen denn die Planungen für 2021 aus?
Also wenn es möglich ist, dann werden wir ihn in diesem Jahr wieder austragen. Wir hatten auch für 2020 schon viel Zuspruch und Support von unseren Sponsoren erhalten, hatten total viel Lust, aber dann kam uns Corona in die Quere. Die Planung sah eigentlich so aus, dass wir die Veranstaltung als Inklusionslauf austragen wollten. Dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer und Läufer auch zusammen starten. Sollte es möglich sein, werden wir dieses Konzept dann in diesem Jahr das erste Mal präsentieren.

Sie selbst sind ja auch im Verein als Sportler aktiv, spielen für die erste Herrenmannschaft in der Handball-Regionsoberliga. Sie hatten den Saisonabbruch im Frühjahr, sind dann wieder ins Training eingestiegen, doch bevor die Saison überhaupt starten konnte, wurde sie schon wieder verschoben.
Das war richtig ärgerlich, denn wir hatten einfach eine richtig gute Vorbereitung. Und als die Saison dann verschoben wurde, sind wir in ein Loch gefallen. Wir hatten seit dem Frühjahr kein Pflichtspiel mehr – und das fehlt einfach. Die Stimmung in der Mannschaft leidet auch unter der Situation, denn wir haben die Kommunikation etwas runtergefahren.

Nicht nur wegen der drei Neuzugänge von der HSG Exten-Rinteln hätte der VfL ja auch gerade in dieser Saison zu den Favoriten in der Regionsoberliga gehört.
Unser Ziel war es auf jeden Fall, oben mitzuspielen. Aber ich befürchte sogar, dass die Saison ganz abgebrochen wird, und das wäre total schade. Denn wir wollen alle richtig gerne wieder Handball spielen.

Wenn Sie jetzt in das neue Jahr schauen, dann ist ihre größte Hoffnung?
Wir hoffen, dass wir den Jaster-Lauf durchführen können, dass wir alle gut durch die Pandemie kommen und unseren Betrieb bald wieder wie gewohnt aufnehmen können.