07. Januar 2021 / 06:57 Uhr

Unions Robin Knoche im SPORTBUZZER-Interview: "Ich sage klar, was ich möchte"

Unions Robin Knoche im SPORTBUZZER-Interview: "Ich sage klar, was ich möchte"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei Union gesetzt: Robin Knoche verpasste noch keine Minute in dieser Saison.
Bei Union gesetzt: Robin Knoche verpasste noch keine Minute in dieser Saison. © imago images/Montage
Anzeige

Vor dem Bundesliga-Spiel gegen Ex-Klub Wolfsburg spricht Union-Berlin-Profi Robin Knoche im SPORTBUZZER-Interview über seine Rolle als Innenverteidiger, den Traum Nationalmannschaft und Fußballromantik.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Knoche, wann haben Sie Ihr letztes Goldsteak gegessen?
Robin Knoche (28, lacht): Dubai ist schön, alles andere ist Privatsache.

Anzeige

Sie haben das seit Franck Ribérys Bildchen bekannte Goldsteak-Restaurant in Dubai jedenfalls auch mal besucht. Jetzt zwingt die Coronavirus-Krise die Bundesliga zur Demut. Inwiefern spüren Sie und Ihre Kollegen das?
Es geht ja nicht nur um die Bundesliga, sondern generell um jegliche Lebenslagen und Berufe. Dass die Situation wirtschaftlich schwieriger ist, betrifft einfach alle. Da gilt es, enger zusammenzurücken.

Mehr zu Union Berlin

Knoche: "Wollen weiter das Maximale anstreben"

Nach 14 Ligaspielen liegt Union auf einem starken fünften Platz, Trainer Fischer spricht trotzdem vom Ziel Klassenverbleib: Schauen Sie zumindest intern nach oben?
Grundsätzlich strebt jeder Sportler nach dem maximalen Erfolg, das ist bei uns nicht anders. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, sonst müssten wir nicht antreten. Dennoch haben wir das ganz große Ziel Klassenerhalt und das wird auch unser Ziel bleiben.

Muss man für die Worte Europa League bei Union eigentlich in die Mannschaftskasse einzahlen?
Nein, im Moment ist das einfach kein Thema. Das finde ich auch gut, dass sich die Jungs davon völlig freimachen und aufs nächste Spiel schauen, auch wenn das jetzt eine Phrase ist.

Wie zufrieden sind Sie mit ihren bisherigen Auftritten?
Mannschaftlich sind wir auf sehr, sehr gutem Wege, da können wir wirklich zufrieden sein, auch wenn das ein Wort ist, das ich nicht so gerne benutze. Wir wollen uns ja immer weiter verbessern und nicht mit dem zufrieden geben, was wir haben. Wir wollen weiter das Maximale anstreben.

Auch Sie persönlich können zufrieden sein. Sie haben bisher alle Spiele über die volle Distanz absolviert.
Das war mein Anspruch, das muss ich ganz klar sagen. Nur eine gewisse Torgefährlichkeit würde ich mir noch wünschen, aber das kommt vielleicht in der Rückrunde. Da mache ich mich nicht verrückt.

Nominierung für DFB-Elf? "Ganz abhaken darf man so etwas nie"

Gibt es eine Wette mit Ihrem Innenverteidiger-Partner Marvin Friedrich, der immerhin schon viermal getroffen hat, während Ihnen noch ein Torerfolg fehlt?
Bisher noch nicht.

Trainer Urs Fischer wechselt häufig das System, von Vierer- auf Dreierkette wie zuletzt in Bremen: Den zentralen Part geben dann Sie, Friedrich rückt auf rechts. Weil Sie der Abwehrchef sind?
Ich bevorzuge schon die zentrale Position, weil ich da noch mehr Leute um mich herum erreichen kann, die Jungs stellen kann, coachen kann, verschieben kann. Ich habe aus dieser Position dann noch mehr Zugriff auf die Mitspieler. Bisher haben wir es im Defensivverbund sehr, sehr gut gemacht.

Die DFB-Elf hat bekanntlich ein Innenverteidiger-Problem. Wollen Sie sich des Themas noch annehmen?
Würde ich natürlich und ganz abhaken darf man so etwas nie. Auf der anderen Seite habe ich auch in den erfolgreichen Jahren – als ich 2015 mit Wolfsburg Pokalsieger und Vizemeister geworden bin – gemerkt, dass auf meiner Position vielleicht auch andere Attribute gefragt sind. Das ist für mich persönlich sehr schade, aber dann leider eben auch eine Trainerentscheidung. Im Moment muss man so ehrlich sein und sagen, dass es nicht nach einem Einsatz für den DFB aussieht. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Ich werde meine Leistung abrufen und dann wird man sehen.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. ©

Geht es bei den Attributen, die Ihnen fehlen, zum Beispiel um das Thema Schnelligkeit, was in Wolfsburg mal thematisiert wurde?
Ja, das war damals ein Thema. Ich konnte das allerdings nicht ganz nachvollziehen – vielleicht war es auch teilweise eine Ausrede. Meiner Meinung nach macht einen guten Innenverteidiger mehr als nur Schnelligkeit aus. Und selbst die kann man durch andere Fähigkeiten größtenteils ausgleichen. Für die Innenverteidiger-Position braucht man ein gutes Gesamtpaket. Man sollte das nicht auf eine Fähigkeit beschränken.

Sind Boateng und Hummels immer noch die besten Innenverteidiger, die Deutschland hat?
Sie bringen auf jeden Fall viel Erfahrung mit. Wenn beide in Form sind, sind sie immer noch Weltklasse.

Knoche: Zur Trennung vom VfL Wolfsburg ist "alles gesagt"

Sie debütierten 2011 unter Felix Magath in der Bundesliga. Inwiefern haben sich die Ansprüche an Innenverteidiger seither verändert?
Man kann nicht alles streichen, was wir früher gemacht haben. So einfach ist es dann doch nicht. Ich glaube aber schon, dass sich die Position dahingehend entwickelt hat, dass alles schneller geworden ist, wie auch der Fußball insgesamt. Aber im Endeffekt ist die Hauptaufgabe des Verteidigers das Tor zu verteidigen, egal mit welchen Möglichkeiten. Das sollte die Hauptaufgabe bleiben, auch wenn jetzt mehr im Spielaufbau gefordert wird, mehr Übersicht.

In einem früheren Interview haben Sie mal gesagt, Sie hätten weniger Talent gehabt als andere: Heißt, Sie müssen in puncto Spielaufbau und Technik etwas härter arbeiten als andere Kollegen?
Der Gedanke war damals auf die Jugendzeit in Wolfsburg bezogen und ich konnte es natürlich nicht mit anderen Vereinen vergleichen. Die Unterschiede waren aber eher minimal und nicht so krass wie es klingt. Aber was meine Einstellung angeht, war ich schon immer sehr diszipliniert, habe immer in jeder Trainingseinheit versucht, das Maximum herauszuholen, mich stetig zu verbessern. Ich glaube, dass mich das auch dahin gebracht hat, wo ich jetzt bin, nämlich im elften Jahr Bundesliga.

Inklusive Jugendzeit haben Sie 15 Jahre beim VfL Wolfsburg verbracht, im Sommer gab es kein neues Angebot mehr. Warum hat der Verein nicht um Sie gekämpft?
Ich glaube zu der Trennung habe ich im Sommer schon genug gesagt und will das Kapitel jetzt nicht nochmal neu aufrollen. Es ist alles gesagt.

Anzeige
Mehr vom SPORTBUZZER

Gibt es ein Hintertürchen für eine mögliche Rückkehr, vielleicht auch eines Tages als Funktionär?
Ich habe immer gesagt, dass in Wolfsburg mein Lebensmittelpunkt ist, dass meine Familie dort aus der Umgebung kommt. Ich glaube, wenn man so lange bei einem Verein war, die Jugendmannschaften durchlaufen hat, die Mitarbeiter kennt; dass man dann dort auch einen Bezug hin entwickelt. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, eines Tages zum VfL zurückzukehren, in welcher Funktion auch immer.

Wäre es für Sie überhaupt erstrebenswert, das Label Vereinslegende zu erhalten?
Ich glaube, dass es bei wenigen Spielern noch ein primäres Ziel ist, weil sich der Fußball sehr verändert hat. Es muss für beide Seiten einfach passen. Natürlich – ich kann da ja aus eigener Erfahrung sprechen – hat man als Spieler im bekannten Umfeld einen gewissen Wohlfühlfaktor, noch dazu, wenn man aus der Region kommt. Das kann, je nach Spielertyp, schon die Leistung beeinflussen. Aber ich glaube, heutzutage gibt’s das eben gar nicht mehr so oft.

Finden Sie das schade?
Ein bisschen sind wir alle Fußballromantiker. Auf schöne Geschichten wie die von Totti in Rom schaut man immer gerne. Das spricht den Fußballfan in einem an. Von daher ist es schade, dass es so etwas nicht öfter gibt, aber auf der anderen Seite auch nachvollziehbar.

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion?

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? Zur Galerie
Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Als Spieler aus der eigenen Jugend, der Sie beim VfL Wolfsburg waren, mussten Sie sich einen gewissen Status bei den Profis erst erkämpfen. Fühlen Sie sich bei Union mehr wertgeschätzt?
Das muss man schon sagen. Ich merke, dass durch meine Erfahrung auch eine gewisse Erwartungshaltung an mich herangetragen wird. Das ist auch völlig verständlich. Und in Wolfsburg war es gerade als Abwehrspieler nicht so leicht, auf sich aufmerksam zu machen. Das kennt ja jeder: Ein Stürmer schießt halt vielleicht mal fünf, sechs Tore am Stück, ein Abwehrspieler ist eher unauffällig – wenn er nicht gerade einen Bock schießt, aber dann ist es negativ behaftet.

"Wenn wir vor Wolfsburg landen sollten, nehmen wir das natürlich gerne mit"

Trainer Fischer gibt sich nach außen immer ziemlich zugeknöpft, gilt nach innen aber als sehr kommunikativ. Spricht er mehr als ihre bisherigen Trainer in Wolfsburg?
Das ist immer sehr typ-bedingt, jeder Trainer hat einen unterschiedlichen Ansatz. Es gab schon Trainer, die weniger kommunikativ waren oder nur mit manchen, speziellen Spielern gesprochen haben. In Berlin erlebe ich das sehr positiv: Unser Trainer versucht immer zu kommunizieren innerhalb der Mannschaft, auch wenn er sich Ihrer Meinung nach nach außen zugeknöpft gibt. Vom Verhältnis her ist das einwandfrei, die Tür steht jederzeit offen.

Sind Sie denn ein kommunikativer Typ?
Auf den Platz bezogen hängt das von der Situation ab. Ich sage schon klar, was ich möchte, aber ich brülle nicht wahllos rum.

Blick nach vorn: Trauen Sie sich mit Union zu, in dieser Saison vor Wolfsburg zu bleiben?
Wenn’s so kommt, dann hätten wir schon mal einen Verein hinter uns gelassen Richtung Klassenerhalt (lacht). Aber Spaß beiseite: das Ziel Klassenerhalt bleibt. Und wenn wir vor Wolfsburg landen sollten, nehmen wir das natürlich gerne mit. Ich mache daraus kein persönliches Ziel, auch wenn es den einen oder anderen Spruch sicher geben würde. Das gehört unter Freunden und Kollegen zum Fußball dazu.

Zu wem haben Sie noch besonders gute Verbindungen?
Zu Xaver Schlager, Josh (Josuha Guilavogui, Anm. d. Red.), Ginczek, Mehmedi und Klaus habe ich noch privaten Kontakt. Xaver hat mir schon geschrieben, dass er sich auf das Duell freut. Dann schauen wir mal, wer am Ende lachen darf (schmunzelt).

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!