05. September 2019 / 11:22 Uhr

KW-Trainer Wolfgang Juhrsch: "Union hatte immer seine ganz eigene Geschichte" 

KW-Trainer Wolfgang Juhrsch: "Union hatte immer seine ganz eigene Geschichte" 

Kevin Päplow
Märkische Allgemeine Zeitung
Eintracht-Coach Wolfgang Juhrsch.
Wolfgang Juhrsch ist über die Entwicklung seines 1. FC Union Berlin sehr erfreut. © Kevin Päplow
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Union-Legende Wolfgang Juhrsch spricht über den Aufschwung in Köpenick und seine Zeit als aktiver Spieler bei den Eisernen.

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Wolfgang Juhrsch wird von vielen Fans des 1. FC Union Berlin als Legende bezeichnet. Er absolvierte von 1969 bis 1975 127 Partien für den Traditionsclub aus Köpenick und erzielte 17 Tore. Nun spricht er mit dem SPORTBUZZER Brandenburg über seine Zeit als aktiver Spieler, den rasanten Aufschwung der Eisernen und die aktuelle Lage beim FSV Eintracht Königs Wusterhausen.

Hallo Herr Juhrsch, es könnte für Sie nicht besser laufen, oder? Der 1. FC Union Berlin holt den ersten Sieg seiner Bundesliga-Geschichte und Eintracht Königs Wusterhausen ist auch nach dem dritten Sieg in Folge ideal in die Saison gestartet.

Wolfgang Juhrsch: Es könnte für beide Vereine nicht besser laufen, was mich sehr freut. Dass die Eintracht so gut in die Spielzeit kommt, habe ich erwartet, bei allem Respekt vor den Teams gegen die wir spielten. Doch der Sieg von Union war nicht zu erwarten. Keiner in Deutschland hat damit gerechnet, dass Union Berlin gegen Borussia Dortmund gewinnt.

Wo haben Sie das Spiel gegen den BVB verfolgt?

Im Stadion. Das war eine unglaubliche Atmosphäre, unvorstellbar!

In Bildern: Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum Spiel gegen Borussia Dortmund.

Der 1. FC Union Berlin hat gegen Borussia Dortmund komplett überzeugt. Für den SPORTBUZZER hat Reporter Ronny Müller die Noten zusammengestellt. Zur Galerie
Der 1. FC Union Berlin hat gegen Borussia Dortmund komplett überzeugt. Für den SPORTBUZZER hat Reporter Ronny Müller die Noten zusammengestellt. © Matthias Kern/Bongarts/Getty Images
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Als Union-Legende und ständiger Begleiter des Vereins haben Sie alle Höhen und Tiefen beim FCU mitgemacht. Haben sie einen derartigen Aufschwung, gekrönt mit dem Aufstieg in die Bundesliga, erwartet?

Eigentlich nicht. Union hatte immer schon seine ganz eigene Geschichte, gerade was wichtige Spiele betrifft. Dieser Aufstieg war undenkbar. Für mich war es immer wichtig, wenigstens in der 2. Bundesliga zu bleiben. Dass man dann den VfB Stuttgart in der Relegation hinter sich lässt, war ein großartiger Moment für alle, die diesen Verein lieben.

Sie selber begannen Ihre Laufbahn in Köpenick 1969, quasi ein Jahr nach dem Erfolg im FDGB-Pokal. Erzählen Sie uns etwas über diese Zeit!

Nach meiner Zeit bei Vorwärts Meiningen war mein Wechsel zum FC Rot-Weiß Erfurt schon perfekt. Wir hatten einen Vorvertrag, doch als wir mit Meiningen am letzten Spieltag gegen Union Berlin spielten, hat mich der Verein überzeugt, in die Hauptstadt zu kommen. Union war eben Union! Nun kam ich aber vor ein Sportgericht, weil ich eben schon diesen Vorvertrag mit Erfurt hatte. Ich wurde ein halbes Jahr gesperrt und musste zusehen, wie der Start als Absteiger in die DDR-Liga schleppend lief. Ich konnte dann erst ab der Rückrunde spielen und dann haben wir glaube ich nur noch ein Spiel verloren. So kam es zur entscheidenden Begegnung beim FC Lok Stendal am Hölzchen, wo ganz Ostdeutschland anreiste. Wir waren leichter Außenseiter, gewannen aber 3:0 und ich erzielte den zweiten Treffer. Das war mein schönstes Erlebnis, weil wir gleich wieder aufgestiegen sind.

Welche Spieler sind ihnen noch in Erinnerung, zu denen sie aufgeschaut haben oder mit denen sie zusammengespielt haben?

Zuerst fällt mir da natürlich Ullrich Prüfke ein. Er war der Kapitän der Mannschaft, die 1968 den FDGB-Pokal holte. Ulli war ein Führungsspieler und eine Persönlichkeit. Auch zu nennen sind Wolfgang Wruck im Tor oder Reinhard "Mäcki" Lauck, der ja leider schon verstorben ist. Es war eine wunderschöne Zeit. Ich hätte gerne mehr als die 127 Spiele gemacht, aber der damalige Trainer Dieter Fietz hat mich ausgegliedert - so sagte man das damals. Einen Grund gab es dafür nicht!

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin - und was aus ihnen wurde.

<b>Simon Terodde:</b> 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für Eisern Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln. Zur Galerie
Simon Terodde: 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für "Eisern" Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln. ©

Die Spezies Fußballprofi hat sich ja über Jahrzehnte gewandelt. Die Öffentlichkeit und die Medien wissen über das Leben der Stars Bescheid und es fließt viel mehr Geld in die Kassen der Spieler. Erzählen Sie uns von ihrem Alltag als damaliger Profi.

Das ist nicht vergleichbar! Wir hatten unsere Ruhe. Sicher wurden wir auch auf der Straße erkannt und erfüllten Autogrammwünsche, aber mit dem Rummel der heute herrscht, ist das nicht zu vergleichen. Wir haben damals noch viel öfter trainiert. Es ging um 8 Uhr los und 18 Uhr war man erst wieder zu Hause. Heute wird weniger trainiert und man verdient viel mehr Geld. Da wünscht man sich schon, ein wenig später geboren zu sein.

Mit Union Berlin und RB Leipzig trafen am ersten Spieltag ja Welten aufeinander. Ist Ihnen der alte Traditionsclub lieber oder sollte Union versuchen, im Konzert der Großen mitzuspielen, um sich auch finanziell in der Bundesliga zu etablieren?

Ich bin schon dafür, dass Union Berlin ein Traditionsclub bleibt, doch geht es in der Bundesliga auch nicht ohne Finanzkraft. Ich freue mich, dass Union es geschafft hat, seinen Weg zu gehen und mit den Mitteln die man hat, aufgestiegen ist. RB Leipzig hat sich eben für den anderen Weg entschieden.

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Wie bewerten Sie die Arbeit von Union-Coach Urs Fischer?

Mit Urs kam ein für uns alle unbekannter Trainer nach Berlin. Er hat aber das geschafft, was viele seiner Vorgänger versuchten, aber scheiterten. Der Verein hat da gut geguckt und den richtigen erwischt. Er hat bewiesen, dass er es kann und dass er ein richtig guter Mann ist.

Ähnlich wie beim Trainer der Eisernen, läuft es bei Ihnen in Königs Wusterhausen. Sind sie mit den drei Siegen zum Saisonstart zufrieden?

Ich bin mit dem Start zufrieden, gerade weil wir einen kleinen Kader haben. Wir haben leider keine 15 gleichwertigen Spieler, aber bekamen auch zwei talentierte junge Spieler aus der Jugend ins Team. Das freut mich auch. Es darf aber nichts Gravierendes passieren, wenn wir weiterhin um die Spitze mitspielen wollen.

Einige Eintracht-Anhänger fangen ja wieder von den glorreichen Zeiten an zu träumen. Können sie diese Hoffnungen der Fans befeuern?

Ich kenne die älteren Herren ja schon seit meinem ersten Engagement in Königs Wusterhausen. Im Grunde gehört der Verein ja auch wieder in die Landesklasse. Versprechen werde ich aber nicht machen. Wir stellen uns gerade neu auf, die Jugendtrainer machen tolle Arbeit und ich merke einfach, dass hier etwas entstehen kann. Druck machen wir uns aber nicht. Wir arbeiten Schritt für Schritt, um die Eintracht wieder nach vorne zu bringen, weil der Verein eine ordentliche Durststrecke hinter sich hat.

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