05. Juli 2020 / 07:27 Uhr

Mehr als nur ein Unternehmen: Iraklis-Rückkehrer Elvis Mputu eröffnet Afro-Friseursalon in Hannover

Mehr als nur ein Unternehmen: Iraklis-Rückkehrer Elvis Mputu eröffnet Afro-Friseursalon in Hannover

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Elvis Mputu hat sich den Traum von einem eigenen Afro-Friseursalon in Hannover erfüllt.
Elvis Mputu hat sich den Traum von einem eigenen Afro-Friseursalon in Hannover erfüllt. © Debbie Jayne Kinsey
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Elvis Mputus Leidenschaft ist Fußball. Selbstständig hat sich der 28-jährige Amateurfußballer jetzt aber mitten in der Corona-Pandemie mit einem Afro-Friseursalon gemacht. Für den Deutsch-Kongolesen ist das nicht nur ein Unternehmen, sondern ein wichtiger Schritt für die Afro-Community in Hannover.

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Wenn Elvis Mputu den Ball am Fuß hat, fühlt er sich immer noch am wohlsten. Ob in Vahrenheide auf dem Boker oder auf den Sportplätzen der Region, Fußball ist seine Leidenschaft. Dass er sich mal in der Friseurbranche selbstständig machen würde, hätte der 28-jährige Hannoveraner nie gedacht. „Ich wollte immer irgendetwas Selbstständiges machen“, sagt er. „Aber eigentlich ist Sport voll mein Ding, in Kombination mit sozialer Arbeit. Sich da etwas aufzubauen, ist aber schwierig.“ Stattdessen hat Mputu mitten in der Corona-Pandemie seinen eigenen Afro-Friseursalon eröffnet, „den ersten großen Salon in Hannover“, betont er stolz.

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Mputu (Mitte) mit seinem Team bei der Eröffnung seines neuen Salons Afro Kings & Queens of Bel Hair.
Mputu (Mitte) mit seinem Team bei der Eröffnung seines neuen Salons Afro Kings & Queens of Bel Hair. © Debbie Jayne Kinsey

Corona-Krise war "Fluch und Segen zugleich"

Acht FriseurInnen beschäftigt der Deutsch-Kongolese im „Afro Kings & Queens of Bel Hair“. Vor einigen Wochen konnte er nach langem Anlauf endlich öffnen. „Die Corona-Krise war für uns Fluch und Segen zugleich“, sagt Mputu. Einerseits merkt auch er, dass Friseure nach dem Lockdown gefragter sind.

Nachdem er vor einigen Wochen zu werben begann, konnte er sich vor Terminanfragen kaum retten, der Andrang ist seit der Eröffnung groß. Andererseits erwischten den Jungunternehmer die Corona-Maßnahmen äußerst unglücklich. „Wir hatten eigentlich im März alles fertig, das Konzept stand, die Ladenfläche war gemietet. Dann wurde alles dicht gemacht“, berichtet Mputu.

„Es war schon ein sehr harter Weg, auf dem ich mich zwischendurch gefragt habe: Warum mache ich das eigentlich?“, sagt er und lacht. Ja, warum eigentlich? „Für afrikanischstämmige Menschen ist es sehr schwer, einen guten Friseur zu finden“, berichtet Mputu. „Die meisten Leuten lassen sich privat die Haare schneiden oder flechten.“

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Mangel an Afro-Salons gründet in deutscher Friseurausbildung

Gründe für den Mangel an guten Afro-Salons sieht Mputu in der deutschen Friseurausbildung. „Da lernst du nicht, wie du mit afrikanischen Haarstrukturen umgehst. Deshalb finden Afrodeutsche oft keinen Zugang zum Beruf“, bemängelt er.

Ohne Ausbildung gibt es aber keinen Meister, und ohne Meister keinen Friseursalon. Mputu machte sich dennoch auf die Suche und fand einen Friseurmeister aus der hannoverschen Afro-Community, den er von seinem Projekt überzeugen konnte. „Das war nicht leicht, es gibt nicht viele“, sagt er und wünscht sich eine Erweiterung der Ausbildung: „Den Umgang mit Afrofrisuren zu lernen muss ja keine Pflicht sein, aber man muss zumindest die Tür dafür öffnen, in Form von Seminaren beispielsweise.“

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Schon von 2012 bis 2014 trug Mputu das Iraklis-Trikot, zur kommenden Saison kehrt er zum Bezirksligisten zurück.
Schon von 2012 bis 2014 trug Mputu das Iraklis-Trikot, zur kommenden Saison kehrt er zum Bezirksligisten zurück. © Priesemann

"Werden oft übersehen oder anders behandelt"

Nicht nur in der Friseurbranche nimmt er eine Benachteiligung Afrodeutscher wahr. „Wir sind ein Teil der Gesellschaft, sind hier aufgewachsen, arbeiten hier, zahlen Steuern, werden aber oft übersehen oder anders behandelt“, kritisiert Mputu. Den Mietvertrag für sein Geschäft ließ er letztlich er über den Namen eines Freundes laufen. „Mit einem afrikanischen Namen wird man häufiger abgelehnt“, berichtet er von seinen bitteren Erfahrungen bei der monatelangen Suche nach einer Gewerbefläche.

Rückschläge treiben Mputu an

Es ist Mputu anzumerken, dass ihn Rückschläge dieser Art eher antreiben. Neben seinem Friseurbusiness arbeitet er weiterhin als Erzieher im Heimverbund im Brennpunktviertel Sahlkamp/Vahrenheide. „Das ist eine Herzensangelegenheit, die ich nicht aufgeben will“, sagt er. In dem von Kriminalität und Armut geprägten Viertel erfuhr Mputu selbst als Kind den Wert von organisierten Freizeitangeboten. „Ich habe da immer Menschen angetroffen, die mir geholfen haben, mich verstanden und akzeptiert haben wie ich bin. Das hat dazu geführt, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe und nicht den falschen Richtung Kriminalität“, erzählt er. „Das ist eine Sache, die ich anderen mitgeben will.“

Elvis Mputu von den Arena Kickern wurde im Januar 2020 zum besten Spieler des Gilde-Kneipenturniers beim SPORTBUZZER Masters ausgezeichnet.  
Beim Gilde-Kneipenturnier vom SPORTBUZZER im Januar konnte Mputu sein fußballerisches Können unter Beweis stellen. Der Mittelfeldstratege wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Hier erhält er als Preis von Hannover-Sportchef Carsten Bergmann einen E-Scooter. © Debbie Jayne Kinsey

Neues Projekt steht schon in den Startlöchern

Und das nächste Projekt, bei dem Mputu als Planer vorangeht, steht schon in den Startlöchern. Gemeinsam mit Freunden will er in Hannover den ersten afrikanischen Sportverein in Niedersachsen gründen.

„Die meisten von uns sind Afrikaner der zweiten Generation. Unsere Eltern hatten es sehr schwer, weil sie sich erstmal an die Kultur, an die Sprache gewöhnen mussten und sehr viel mit der Arbeit beschäftigt waren“, erklärt Mputu, dessen Eltern aus dem Kongo nach Deutschland eingewandert sind. „Wir sind jetzt die Generation, die etwas auf die Beine stellen kann und deshalb sehr motiviert.“

Bei all den Projekten blieb seine große Leidenschaft fast ein wenig auf der Strecke. Mit 22 Jahren war er Kapitän beim Landesligisten OSV Hannover, zuletzt kickte er beim TSV Kleinburgwedel in der 1. Kreisklasse eher hobbymäßig.

Zur neuen Saison greift Mputu noch einmal an, er kehrt zum Bezirksligisten SV Iraklis Hellas zurück, für den er bereits von 2012 bis 2014 auflief. „Höher spielen wird zeitlich schwierig“, sagte Mputu noch vor ein paar Wochen. Doch die Lust auf Fußball war am Ende größer als die Zweifel.