11. Mai 2021 / 18:28 Uhr

Iron Mike, Cowboy, Fighter: So tickt der neue Coach der Grizzlys Wolfsburg

Iron Mike, Cowboy, Fighter: So tickt der neue Coach der Grizzlys Wolfsburg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mike Stewart Box
Als Spieler hart: Der neue Grizzlys-Coach Mike Stewart (weißes Trikot) im DEL-Einsatz für die Frankfurt Lions gegen Mannheims Dave Tomlinson © Imago Images
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Stilwechsel beim deutschen Eishockey-Vizemeister Grizzlys Wolfsburg. Der ruhige Pat Cortina muss gehen, es kommt Mike Stewart. Offensiv orientiert. Und im Sommer schon mal Cowboy.

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Stilwechsel beim deutschen Eishockey-Viemeister. Der ruhige Pat Cortina muss gehen, das gaben die Grizzlys am Dienstag früh offiziell bekannt. Es kommt Mike Stewart als Nachfolger. Der 48-Jährige ist offensiv orientiert. Und im Sommer schon mal Cowboy.

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Der Würfel war im Büro von Manager Charly Fliegauf längst gefallen, der Daumen in Sachen Vertragsverlängerung mit Cortina längst gesenkt, doch weil ein Trainerwechsel (womöglich mit Quarantäne) im dichtgedrängten Spielplan kompliziert bis sinnlos gewesen wäre, machten die Grizzlys Wolfsburg mit Chefcoach Pat Cortina weiter.

Dass die Grizzlys am Ende überraschend Vizemeister wurden, änderte nichts mehr. Jetzt kommt Mike Stewart, ein ganz anderer Typ als der ruhige, zurückhaltende Pat Cortina. Anders als sein Vorgänger, der gern ins Englische verfiel, wenn er schnell und flüssig Inhalte vermitteln wollte, spricht Stewart fließend deutsch. Der Kanadier hatte auch in Kanada als Profi unter anderem in der AHL gespielt, verbrachte aber einen großen Teil seiner Karriere im deutschsprachigen Raum, war für den Villacher SV in Österreich aktiv, wurde dort auch Trainer.

In Deutschland spielte Stewart mal eine Saison in der DEL für die Frankfurt Lions, später trainierte er die Fischtown Pinguins in der 2. Liga. Mit den Bremerhavenern wurde er Zweitliga-Meister und Trainer des Jahres. Nächste Station waren die Augsburger Panther in der DEL, ehe er dem Lockruf des Großklubs nach Köln folgte. Bei den Haien scheiterte er, die Zusammenarbeit wurde kurz vor Saisonende 19/20 nach einer 17-Niederlagen-Serie beendet. Erster Gegner danach waren die Grizzlys. Köln gewann.

Stewarts Teams spielen offensiv. Der Coach gilt als Workaholic und Disziplinfanatiker. Er sagte mal über sich im Kölner Express: "Fünf Prozent bin ich auch Psychopath und Spaßvogel". Er steht auf schnelle und robuste Akteure.

Als Spieler war Stewart Verteidiger, und ein robuster dazu. 100 Strafminuten pro Saison waren keine Seltenheit. Als junger Profi hatte er sich in einer Box-Schule angemeldet. Daher der Spitzname "Iron Mike", angelehnt an Profi-Box-Champion Mike Tyson. Auf dem Eis ging Stewart Fights nicht aus dem Weg, wurde vielfach im Gesicht genäht, sagt aber auch: "Ich habe noch alle Zähne."

Im Sommer entspannt der dreifache Familienvater gern mal im Sattel oder beim Kühe einfangen. Sein Vater war Rodeoreiter, betrieb eine Farm, die heute noch Stewarts Onkel leitet. Der Eishockey-Coach hilft da im Sommer schon mal mit.

Stewart ist verheiratet mit Tara, hat zwei Töchter (Bryn und Avery) und einen Sohn (Mack). Er gilt als kommunikativ, ist eloquent, sagte aber im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen auch mal: "Der Chef bin ich." In einer Umkleide mit 20 Eishockey-Profis könne es keine Demokratie geben.

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In Wolfsburg bahn sich ein Stilwandel auf dem Eis an. Ob von den noch nicht weiter gebundenen Imports Mathis Olimb, Pekka Jormakka, Matt Järvinen und Max Görtz noch der eine oder andere bleibt, wird auch an seinem Votum hängen. Möglich, dass Stewart das nordamerikanische Element wieder stärkt. Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner sagt: "Sein Engagement in Köln lasse ich mal außen vor, in Bremerhaven, wo ich ihn bei einem Besuch mal kurz getroffen habe, und in Augsburg hat er aggressives Eishockey spielen lassen. Da freue ich mich drauf." Aber, so fügte er hinzu: "In erster Linie will man erfolgreich spielen, unabhängig von der Ausrichtung."