31. März 2019 / 15:17 Uhr

Irre! Young Grizzlys schaffen nach 1:6-Rückstand noch den Aufstieg

Irre! Young Grizzlys schaffen nach 1:6-Rückstand noch den Aufstieg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die U17 der Young Grizzlys ist in die höchste Spielklasse aufgestiegen
Die U17 der Grizzlys feiert nach dem Aufstieg in Weißwasser. © Karsten Krull
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Es war das Wunder von Weißwasser. Die Eishockey-U17 der Young Grizzlys hat ihren Traum vom Aufstieg wahr gemacht! Im Penaltyschießen setzte sich der Wolfsburger Nachwuchs bei den Lausitzer Füchsen durch und spielt in der kommenden Saison in der höchsten deutschen Spielklasse.

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Es war ein Wunder. Es hing zweimal an einem einzigen Tor im allerletzten Moment, als eigentlich schon fast alles aus war. Die Young Grizzlys hatten das Hinspiel vor eigener Kulisse mit 4:2 gewonnen, doch sie wurden förmlich überrollt vom Letzten des Oberhauses, ehe es am Ende nach einer 5:6-(1:4, 0:2, 3:0)-Niederlage nach Penaltyschießen doch noch reichte. Was für eine Aufholjagd! Gleich mit dem ersten Spielzug führten die Gastgeber, erhöhten immer weiter. Und gleich mit dem ersten Spielzug des zweiten Drittels legten sie das 5:1 nach. Grizzlys-Coach Andreas Henkel an der Bande machte sich ernsthaft Sorgen. Es war sein letztes Spiel mit dieser Mannschaft. Er wechselt in die U11, in den Jahrgang, mit dem er mal mit dieser U17 angefangen hatte. "Ich glaube an die Jungs, sie glauben an mich", hatte er im Vorfeld gesagt. Doch als es nach 40 Minuten 1:6 stand, da sah es finster aus. Der ruhige Henkel, seines Zeichens 1990 sowjetischer Junioren-Meister mit Dinamo Minsk, später beim ESC und EC Wolfsburg, dann Erstliga-Spieler für die Hannover Turtles und vielfacher Zweitliga-Akteur, gab zu: "Gut dass ich nicht mehr so viele Haare habe, es wären viele graue dazugekommen." Er erklärte: "Wir waren schlecht, das Spiel lief total gegen uns, es war schwer, während des Spiels die richtigen Worte zu finden, um die Jungs aufzurichten."

Alles aus, da sagt der Trainer: "Spielt für mich! - und die Grizzlys legen los

Doch Henkel tauschte sich mit Co-Trainer Daniel Galonska und Torwart-Trainer Pavel Spakowski aus. Und fand die richtige Ansprache. Henkel: "Ich kenne den Charakter der Mannschaft, sie hat einen riesigen. Man muss ihn nur manchmal hervorkratzen." Der Coach forderte von seinen Schützlingen: "Spielt für mich, ihr habt es drauf. Ihr könnt es." Erwin Forster, Abwehr-Haudegen alter Wolfsburger ESC-Zweitliga-Zeiten, der als Elternteil zuschaute, meinte: "Sie mussten drei Tore aufholen, das geht im Eishockey, aber so richtig dran geglaubt habe ich nicht mehr. Aber was dann kam, war Wahnsinn. Diese Leistung kann man gar nicht hoch genug einschätzen" Zumal der Anschlusstreffer im Schlussdrittel auf sich warten ließ. Doch er war zu dem Zeitpunkt überfällig.

Die Ankunft der Aufsteiger in Wolfsburg

Müller, Herklotz, Gorski, Grothe - sie vollenden das Wunder

Denn so schlecht die Grizzlys lange gewesen waren - so gut waren sie nun. Angetrieben von ihren rund 50 mitgereisten Fans und Angehörigen, spielten nur noch die Wolfsburger. Auf das 2:6 folgte das 3:6, doch die Uhr tickte gnadenlos runter - bis 47 Sekunden vor Schluss. Da netzte Nicklas Müller ein und die Relegation stand remis. Ein Tor in letzter Minute, jetzt war der Aufstieg wieder machbar - wenn das folgende Penaltyschießen gewonnen werden sollte. Weißwasser verwandelte gleich den ersten Versuch. Dann trafen vier Schützen beider Teams nicht. Daniel Herklotz musste verwandeln, sonst wäre es aus gewesen. Er traf. Nach diesem Dreier-Penalty-Block konnte jedes Duell die Entscheidung bringen. Wolfsburg musste beginnen. Torjäger David Gorski, der den zweiten Penalty des Entscheidungsschießens verschossen hatte, kam als Erster. Henkel: "Wie gesagt, ich kenne meine Jungs - ich weiß, dass er von zweien eigentlich immer einen verwandelt." Und Gorski traf. Weißwasser musste nun treffen - doch Leon Grothe im Kasten machte dicht. Wolfsburgs Jubel kannte kein Halten mehr. Das Team sprang auf dem Eis übereinander, machte die Welle für die Fans, sang noch fast eine Stunde in der Kabine, ehe sich die Mannschaft nach Wolfsburg aufmachte. Im Bus, mit dem sonst die Profis reisen.

Daniel Herklotz gleicht im Penaltyschießen aus. Zur Galerie
Daniel Herklotz gleicht im Penaltyschießen aus. © Karsten Krull
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"Der größte Moment meiner Trainerkarriere"

"Das war der größte und schönste Moment meiner Trainerkarriere bisher", meinte der Trainer. Seine Schützlinge feierten ihn auch nach der Ankunft an der Eis-Arena um 22.20 Uhr in der Nacht zum Sonntag lautstark. Rund 30 Anhänger, Eltern und Verwandte begrüßten sie dort standesgemäß mit Trommel, Blitzlicht und Gesang. Ein kleines Büfett war aufgebaut; Konstantin Kähm, Eishockey-Spieler allererster TV-Jahn-Stunden, orderte warmes Essen vom Athos. "Die Jungs haben Geschichte geschrieben", meinte er. "Und es gibt sicher nicht viele Mannschaften, die ins U-17-Oberhaus aufgestiegen sind, deren Spieler allesamt aus den eigenen Reihen kommen."

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Wolfsburg braucht dringend bessere Bedingungen

Die Kehrseite: Wolfsburg wird nun unter den Teams Kölner Junghaie, ESC Dresden, Düsseldorfer EG, Eisbären Juniors Berlin, ETC Crimmitschau, Iserlohner EC und Krefelder EV die einzige Mannschaft sein, die kein Internat und keinen Schulanschluss hat. Es wird ein hartes Jahr für die neue U17, aus der nun einige Akteure in die U20 entwachsen. Die Lausitzer Füchse zum Beispiel hatten in der Hauptrunde nicht ein Spiel gewonnen. Doch den Triumph des Underdogs soll das nicht schmälern. Dass seine Zeit mit "seinen Jungs" nun vorüber ist, es machte Henkel ein ganz klein wenig wehmütig, aber nicht traurig, denn "das ist Leben. Ich bin glücklich." Und vielleicht, so seine Hoffnung, bewegt der Erfolg etwas: "Wir haben auf uns aufmerksam gemacht, ich hoffe, dass wir mit dem Aufstieg in die höchste Klasse etwas für den Klub schaffen können, dass sich an den Bedingungen etwas tut." Die Kabinensituation in der Eis-Arena etwa ist katastrophal. Die Top-Teams haben keine eigene Kabine. Undenkbar selbst an kleinen Standorten wie Crimmitschau. Insgesamt sind sie viel zu klein, es sind zu wenige und sie sind sehr alt.

Grizzlys: Grothe (Krull) - Teister, Rebig, Forster, Sadowski, Starkowski, Raschke, Nemecek - Müler, Herklotz, Schimpf, Gännsslen, Schild, Steinke, Kähm, Konjuchow, Gorski, Amendt.

Tore: 1:0 (1.) Braun, 2:0 (9.) Domula, 3:0 (12.) Juchniewicz, 3:1 (13.) Müller (Raschke/Steinke), 4:1 (14.) Berger (4:5), 5:1 (21.) Drozd-Niekurzak, 6:1 (30.) Siegmund, 6:2 (47.) Nemecek (Müller/Raschke), 6:3 (49.) Gorski (Schild/Raschke), 6:4 (60.) Müller (Nemecek); 6:5 (60.) Gorski (im Penaltyschießen).

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