19. Oktober 2017 / 12:33 Uhr

Ist RB Leipzig das neue Borussia Dortmund?

Ist RB Leipzig das neue Borussia Dortmund?

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ralph Hasenhüttl und Jürgen Klopp ähneln sich - vor allem in ihrem Jubelstil.
Ralph Hasenhüttl und Jürgen Klopp ähneln sich - vor allem in ihrem Jubelstil. © Imago-Montage
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Bundesliga: Bei RB Leipzig erinnert derzeit vieles an die Meisterjahre von Borussia Dortmund.

So schnell kann es gehen. Noch vor einigen Wochen schwärmte nicht nur Fußball-Deutschland, sondern halb Europa von Borussia Dortmund. Mit dem neuen Trainer Peter Bosz spielte der BVB attraktiv und erfolgreich – doch in den wichtigen Partien wurde zuletzt versagt: 1:3 bei Tottenham, 1:3 gegen Real Madrid, am letzten Sonnabend 2:3 gegen RB Leipzig – und nun das blamable 1:1 bei Apoel Nikosia. Sportdirektor Michael Zorc hakt das Achtelfinale der Champions League bereits ab: „Ich bin kein Träumer, sondern Realist. Für uns geht es jetzt darum, den dritten Platz zu sichern.“

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Rieseneuphorie dagegen in Leipzig, wo die „Roten Bullen“ nach dem beeindruckenden 3:2 gegen den FC Porto vom Weiterkommen träumen. Bereits der Sieg beim BVB vier Tage zuvor war extrem spektakulär. Vieles bei RB erinnert derzeit an die wilde Borussia, die 2011 alle begeisterte und in zwei Jahren drei Titel abräumte.

RB heute, der BVB damals: der große Vergleich:

Trainer

Das große Vorbild von Ralph Hasenhüttl heißt – kaum zufällig – Jürgen Klopp. „Seine Spielweise hat mich sehr geprägt“, gibt der RB-Chef zu. Wie Klopp coacht er an der Seitenlinie sehr aktiv, steht fast immer 90 Minuten. Hasenhüttl schreit, gestikuliert und jubelt wie Klopp in besten Zeiten, der sich dabei auch schon mal einen Muskelfaserriss zuzog oder seine Brille zerstörte. Klopp war und ist ein Entertainer, stets um keinen Spruch verlegen. Ösi Hasenhüttl ist ein echter Schlawiner.

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Taktik

Extrem intensiver und aufwendiger Powerfußball war das Markenzeichen von Klopps Meistertruppe 2011 und 2012. „Eine Pressingmaschine“, nannte der heutige Liverpool-Coach seine Mannschaft. Er führte sogar einen „Kilometer-Deal“ ein, wonach seine Profis beim Erreichen einer gewissen Laufleistung mehr Urlaub bekamen. Auch Hasenhüttls Stil ist krass: Die Außenverteidiger stehen extrem hoch, vorne wird sofort attackiert und bei Ballbesitz in Sekundenschnelle umgeschaltet. So überrumpelte RB am vergangenen Wochenende auch die Dortmunder Borussia.

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Team

Mit einem Durchschnittsalter von gerade mal 22,8 Jahren stellte Klopp 2011 die jüngste Mannschaft der Liga. Viele Spieler waren vorher echte „No-Names“, entwickelten sich aber innerhalb kürzester Zeit zu Stars. Mats Hummels (damals 22), Marcel Schmelzer (23), Neven Subotic (22), Mario Götze (19) und Nuri Sahin (22) begeisterten mit ihren furchtlosen und herzerfrischenden Auftritten sogar Nicht-BVB-Fans. Ähnlich sieht es mittlerweile in Leipzig aus. So kritisch der Klub aufgrund seiner Investorenlage noch immer von vielen gesehen wird, so sehr erfreut der zweitjüngste Kader der Liga (24,4 Jahre) zumindest sportlich Anhänger in Ost und West. Timo Werner (21) kannte man natürlich schon vor der Saison. Aber Spieler wie Dayot Upamecano (18) oder Jean-Kevin Augustin (20)? Da mussten sogar einige Experten passen.

Mentalität

Vor allem RB-Sportdirektor Ralf Rangnick impft seinen Spielern Demut, Anstand und Bescheidenheit ein. Dies bekommen bereits die Nachwuchsspieler der Akademie beigebracht – wer sich nicht daran hält, fliegt raus. Tattoos sind ebenso unerwünscht wie Piercings oder verrückte Frisuren. Die „Bullen-Bubis“ geben sich locker, gehen sogar in Fußball-Talks – auf dem Platz sind sie sehr reif und abgebrüht. Rangnick schwärmt: „Unsere Spieler haben eine fantastische Mentalität. Der Wille, in jedem Spiel ans Limit zu gehen, hat uns weit gebracht. Und wenn wir an unser Limit kommen, werden wir auch in der Champions League für Aufsehen sorgen können.“

Jürgen Klopp: Seine besten Sprüche

Jürgen Klopp ist Trainer und Entertainer in einem – das sind seine besten Sprüche! Zur Galerie
Jürgen Klopp ist Trainer und Entertainer in einem – das sind seine besten Sprüche! ©

Klopp fasste die Stärke des BVB 2011 so zusammen: „Die größte Qualität dieses Kaders ist der Charakter. Darauf legen wir großen Wert. Wir hatten Glück mit unseren Einschätzungen der einzelnen Typen. Und wenn einer zu uns kommt, merkt er schnell, dass unsere Idee hier gelebt wird. Dass es nicht uncool ist, sich alles abzuverlangen.“ Diese Sätze hätten durchaus auch aus dem Mund von Rangnick oder Hasenhüttl kommen können – den Machern des BVB 2.0.

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