10. August 2020 / 20:02 Uhr

Pro und Contra zum Wechsel-Verbot für Jadon Sancho: Ereilt den BVB jetzt der nächste Transfer-Zoff?

Pro und Contra zum Wechsel-Verbot für Jadon Sancho: Ereilt den BVB jetzt der nächste Transfer-Zoff?

Roman Gerth und Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jadon Sancho und der Traum von Manchester United - zumindest in diesem Jahr wird er noch nicht Realität. Der Engländer bleibt bei Borussia Dortmund.
Jadon Sancho und der Traum von Manchester United - zumindest in diesem Jahr wird er noch nicht Realität. Der Engländer bleibt bei Borussia Dortmund. © Getty/imago images
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Jadon Sancho und Borussia Dortmund: diese Partnerschaft geht in eine weitere Saison. Das erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Montag. Ein Transfer des Topstars zu Manchester United ist damit vom Tisch. Schafft die Borussia sich damit ein Problem - oder haben die Bosse alles richtig gemacht? Roman Gerth und Sönke Gorgos diskutieren.

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Pro: Dortmund hat nicht aus der Geschichte gelernt - es wird Streit geben!

von SPORTBUZZER-Redakteur Roman Gerth

Einen Fehler einmal zu machen, wird zu allermeist akzeptiert. Beim zweiten Mal sinkt die Toleranz gegen Null. Dass Borussia Dortmund nach den Erfahrungen mit Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang das Spiel mit dem Feuer bei Jadon Sancho nun auch im dritten Fall nicht scheut, belegt: man hat bei den Schwarz-Gelben nicht aus der Geschichte gelernt. Der hochtalentierte Flügelstürmer wird in der kommenden Saison weiter das BVB-Trikot überstreifen. Sportchef Michael Zorc hat am Montag ein Machtwort gesprochen - die Entscheidung sei "definitiv". Doch allein: die Ausgangslage bei Sancho erinnert auffällig an Dembélé und Aubameyang.

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Zunächst hatte vor drei Jahren der Franzose seinen Wechsel zum FC Barcelona erzwungen, indem er die Situation peu à peu eskalieren ließ. Dembélé revoltierte, weil der Ruhrpott-Klub mit dem ersten Angebot der Katalanen nicht zufrieden war. Er erschien nicht zum Training, woraufhin ihn der BVB suspendierte. Danach war er "nicht zu greifen", beschrieb Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke die Situation später. Letztlich gab die Borussia nach. Aubameyang hatte im Sommer 2017 - quasi parallel zum Dembélé-Zoff - eine Vertragsverlängerung unterzeichnet. In den Folgemonaten war aber zunehmend klar geworden, dass seine BVB-Zeit enden wird. Er leistete sich Disziplinlosigkeiten, forcierte damit einen Transfer. Am letzten Tag der Winter-Wechselperiode ging es ab nach London, zum FC Arsenal.

Da Sancho sich in den vergangenen Monaten nicht eben als Vorzeigeprofi hervorgetan hat, droht ein ähnliches Szenario auch beim nächsten BVB-Jungstar. Nur ein Beispiel: im Oktober war er suspendiert worden, weil er zu spät von einem Länderspiel zurückkam. Zorc erklärte, es sei nicht der erste Fall dieser Art gewesen. Sancho teste "seine Grenzen aus". Gut möglich, dass er dies weiterhin tun wird - und möglicherweise sogar vermehrt. Ein Wechsel in seine Heimat zu Manchester United bleibt ihm aktuell verwehrt. Wie lange akzeptiert er das? Zumindest nicht uneingeschränkt - daher wird es wieder Zoff geben. Früher oder später.

Hummels, Haaland und Bellingham: Das sind die Rekordtransfers des BVB

Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  Zur Galerie
Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  ©

Contra: Der BVB setzt ein klares Zeichen - jetzt helfen aber nur Titel!

von SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos

Jetzt ist es also raus: Sancho spielt weiterhin für die Borussia. Allein für dieses Signal gebührt den Dortmunder Bossen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc Respekt und Anerkennung. Es macht den BVB auf einen Schlag wieder zum echten Titel-Kandidaten in der Bundesliga.

Dass den BVB in ein Szenario wie bei Dembélé ereilt, der sich vor drei Jahren mit sämtlichen Mitteln nach Barcelona streikte, ist sehr unwahrscheinlich. Zum einen, weil Sancho zwar als extrovertierter, aber doch sehr vernünftiger Typ gilt. Er weiß als Brite, dass die Corona-Krise auch am Fußball nicht spurlos vorübergegangen ist und Transfers extrem verkompliziert hat. Das Land ist von der Pandemie besonders betroffen.

Wer Sancho auch vor diesem Hintergrund jetzt eine mögliche "Erpressung" des BVB in Form einer Arbeitsverweigerung unterstellt, nur weil ein anderer Spieler vor drei Jahren mal schlecht beraten war, wird ihm nicht gerecht und verkennt auch, dass die Umstände letztlich ganz andere sind als bei Dembélé. Zum anderen ist er durch die Vertragsverlängerung, die effektiv eine Gehaltserhöhung ist (wohl auf zehn Millionen Euro pro Jahr), für die kommende Saison besänftigt. Der beste Beweis: beim Training kurz nach der Entscheidung hatte er beste Laune. Es ist anzunehmen, dass er vom BVB die Zusage hat, 2021 definitiv wechseln zu dürfen. Dann wird Corona hoffentlich überstanden sein, United seinen Wunschspieler doch noch bekommen und Sancho sein Gehalt nochmals verdoppeln.

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Bis dahin wird er weiter für den BVB wirbeln - (vorerst) letztmalig an der Seite des kongenialen Partners Erling Haaland. Für die Borussia bedeutet das wohl finale Jahr Sanchos in Schwarz-Gelb vor allem eines: es muss einen großen Angriff auf Meisterschaft, DFB-Pokal und auch die Champions League geben, solange man den Superstar im Kader hat. Sancho mag abseits des Platzes seine Fehler haben, auch kein leichter Typ sein - sportlich wäre er aber nicht zu ersetzen gewesen.