15. Mai 2019 / 14:53 Uhr

Sie wissen, wo das Tor steht: Die Geschichte der 2008er vom TuS Altwarmbüchen

Sie wissen, wo das Tor steht: Die Geschichte der 2008er vom TuS Altwarmbüchen

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Aufgepasst: Trainer Danny König spricht viel mit seinen Spielern – und die kleben meistens an seinen Lippen.
Aufgepasst: Trainer Danny König spricht viel mit seinen Spielern – und die kleben meistens an seinen Lippen. © Debbie Jayne Kinsey
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Spielpraxis ist das A und O für Trainer Danny König. Aus diesem Grund nimmt der Jahrgang 2008 des TuS Altwarmbüchen sowohl bei den E- als auch bei den D-Junioren am Spielbetrieb teil. Eine außergewöhnliche Geschichte über außergewöhnlich talentierte Grenzgänger...

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20 Meter mehr Platz zum Dribbeln und zehn Minuten mehr zum Toreschießen machen für sie letztlich keinen Unterschied aus. Ob mit Abseits gespielt wird oder ohne, dagegen schon. Der Jahrgang 2008 des TuS Altwarmbüchen ist eine von ganz wenigen Mannschaften in und um Hannover, die in der Saison 2018/2019 zweimal am Spielbetrieb teilnimmt.

Die Tabelle in der Kreisliga 2 der E-Junioren führt das Nachwuchsteam von Trainer Danny König mit zehn Siegen aus zehn Spielen und einem Torverhältnis von 102:10 an. Aus zwei Spielen in der 1. Kreisklasse 2 der D-Junioren gab es ebenfalls zwei Siege. Und das ist noch nicht einmal das Außergewöhnliche an diesem Jahrgang.

Es geht auch ohne Trainerschein

Angefangen hat alles vor sechs Jahren mit Königs Sohn Yannic, der mit fünf Jahren Fußball spielen wollte. Der Vater wurde sein Trainer – und ist es bis heute geblieben.

„Es ist mehr als ein Hobby. Und irgendwann muss man sich dann eingestehen, dass man das Ganze auch für sich selbst macht. Diesen Prozess habe ich relativ früh durchgemacht“, sagt der 40-jährige Facharzt für innere Medizin und Nephrologie. „Ich bin recht ehrgeizig, habe aber keine Ambitionen.“ Ehrgeizig und ohne Trainerschein, für dessen Ewerb neben der sechsköpfigen Familie und der Arbeit schlicht keine Zeit vorhanden ist. Zumal er seit anderthalb Jahren auch noch die G-Junioren mit Tochter Yara trainiert.

Die Bilder der Saison 2018/2019 in Hannovers Amateurfußball:

Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. Zur Galerie
Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. ©
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"Da guckt man sich viel ab"

„Ich habe viel gelesen und vor allem viel mit anderen Trainern gesprochen. Da guckt man sich viel ab“, sagt König. Unterstützung bekommt er von Hamid Moghaddam, Sven Rennemann und Jörg Schrader, schließlich ist der Arzt beruflich stark eingespannt.

Für Sigrid Böhme, Mutter von Jannik, ist der Trainer ihres Sohnes „zielstrebig“. Er versuche, den Jungs gegenüber immer gerecht zu sein. „Die Mischung macht es. Er fördert sie, und natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz“, sagt Böhme. Den Wechsel vor fünf Jahren vom FC Neuwarmbüchen nach Altwarmbüchen habe ihr Sohn zu keinem Zeitpunkt bereut.

Gescoutet wird nicht

Neuwarmbüchen, Wettbergen, Fuhrberg, Maspe, Kirchhorst, Limmer, Isernhagen und Sehnde – einige Eltern nehmen viele Kilometer auf sich, damit ihre Kinder beim TuS kicken können. Und auch wenn König nie richtig gescoutet habe („Meistens sind die Spieler auf uns zugekommen“), wurde das Team immer größer – und erfolgreicher. „Wir sind ein Habitat zwischen Leistungs- und Breitensport, mit einer Mannschaft, die zusammenhält“, sagt der Trainer.

Drei Kreismeister- und ein Bezirksmeistertitel hat das Team in der Halle eingefahren, in dieser Saison könnte die zweite Kreismeisterschaft auf dem Feld dazukommen, als unterer E-Junioren-Jahrgang wurde es in der vergangenen Saison bereits Dritter auf Kreisebene.

"Wenn ihr euch anstrengt, dann erreicht ihr auch etwas“

In Erinnerung sind ihm vor allem die Endspiele geblieben, sagt König. „Du fieberst über Wochen und Monate mit und dann fällt dieser ganze Druck von dir ab“, sagt der 40-Jährige. Seinen Spielern gab er im Anschluss Folgendes mit auf den Weg: „Ihr habt euch das verdient, erkämpft. Wenn ihr euch anstrengt, dann erreicht ihr auch etwas.“

Auf der Suche nach einer  Anspielstation: Jonas Göing (hier im Spiel beim Lions-Cup gegen Borussia Dortmund) wird in der neuen Saison  am Perspektivtraining von Werder Bremen teilnehmen.
Auf der Suche nach einer  Anspielstation: Jonas Göing (hier im Spiel beim Lions-Cup gegen Borussia Dortmund) wird in der neuen Saison  am Perspektivtraining von Werder Bremen teilnehmen. © Debbie Jayne Kinsey

Von nichts kommt nichts

So wie Jasper Fynn Reinhold, den der TuS im vergangenen Sommer zu Hannover 96 ziehen ließ und der die U11 der Roten seitdem als Kapitän auf das Feld führt. „Jasper ist meiner Meinung nach der Spieler des Jahrgangs 2008“, sagt König.

Jonas Göing wird den Altwarmbüchenern dagegen noch ein wenig erhalten bleiben, parallel allerdings am Perspektivtraining von Werder Bremen teilnehmen. TuS-Kapitän Axilles Üye hat sich ebenfalls schon in zahlreiche Notizzettel gedribbelt – und dieses Trio ist nur ein Teil der TuS-Talentschmiede. Knapp ein Drittel der Kreisauswahl kommt aus Altwarmbüchen. Wobei Trainer Samir Mutlu (Bereich Nord) etwa 30 Namen talentierter Spieler auf seinem Zettel hat.

„Es entwickeln sich immer die Trainingsfleißigsten, Kinder, bei denen der sportliche Ehrgeiz von ihnen selbst kommt“, sagt König. Von nichts kommt nichts – weswegen zu dem Athletiktraining am Montag mit Leichtathlet Jonah Feist zwei weitere zweistündige Einheiten sowie zwei Spiele am Wochenende – in der zweiten Saisonhälfte sind das insgesamt 13 – hinzukommen. Und dann sind da ja noch die unzähligen Leistungsvergleiche in der ganzen Republik mit dem Nachwuchs von Bundesligisten.

Spielpraxis ist das A und O

Mitunter Jaspers Wechsel zu 96 bewog den TuS im Sommer dazu, etwas zu verändern. „Wir haben den Kader von elf auf 15 Spieler erweitert, um weniger anfällig für das Scouting anderer Vereine zu sein“, beschreibt König. „Den Jungs ist es immer freigestellt, was sie machen“, betont er.

Der Kader wurde erweitert, zudem die Entscheidung gefällt, in zwei unterschiedlichen Altersklassen anzutreten. „Es geht um die Praxis. Je mehr Spiele die Jungs absolvieren, desto weiter sind sie. Aus den Begegnungen nehmen sie am meisten mit“, sagt der 40-Jährige.

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"Der ist locker einen Kopf größer als du, mindestens"

„Guck mal, der ist locker einen Kopf größer als du, mindestens“, ist einer der Kommentare der TuS-Talente bevor das D-Junioren-Spiel gegen den SV Ramlingen/Ehlershausen (5:2) angepfiffen wird. „Wir spielen 3-2-3“, ein anderer. Bemerkenswerte Sätze, Probleme bereiten den TuS-Spielern aber nicht die Größe ihrer Gegenspieler, sondern das Tempo und vor allem die Abseitsregel.

Unzählige Male hebt Schiedsrichter Meshal Mshko Sheibo den Arm. Zu lernen, dass ein Angreifer nicht näher zum Tor stehen darf als zwei Gegenspieler, ist die größte Umstellung, die die TuS-Kicker einmal in der Woche hinkriegen müssen. Zumal es im Training nicht explizit geübt wird, betont König.

Ehrgeiz macht den Unterschied

Spielerisch und im Eins-gegen-eins haben die TuS-Talente den meisten Gegenspielern etwas voraus. Was jedoch auffällt, ist, dass sie alle an einem unsichtbaren Strang zu ziehen scheinen. Hier fällt niemand aus der Reihe. „Die Jungs sind diszipliniert, fair und wissen, was sie auf dem Platz zu machen haben. Die Jungs entschuldigen sich nach einem Foul – egal, ob es eines war oder nicht“, sagt der Trainer. Ihm gehe es bei seinem Ehrenamt nicht zuletzt um die Sozialkompetenz seiner Spieler und dem Respekt dem Gegner gegenüber.

Und wo sehen Sie Ihre Jungs in 20 Jahren? „Hoffentlich in guten Jobs“, sagt König und fügt hinzu: „Die Jungs leben auf dem Platz von ihrer Intelligenz. Über den Sport können sie vielleicht den Ehrgeiz für ihr Berufsleben entwickeln.“ Denn der kann eben doch den Unterschied ausmachen.

Der TuS-Kader: Jannik Suppan (TW), Carlo Zernechel (TW), Jonas Göing, Axilles Üye, Collin Miller, Titus Fricke, Raphael Hapke, Moritz Saupe, Henry Jahn, Noah Moghaddam, Giovanni Buchwald, Jannik Böhme, Yannic König, Alex Groß, Mauritzio Kollosky

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