15. August 2022 / 21:06 Uhr

Lob, Rekorde - und bald Preise? Wie Bayern-Youngster Jamal Musiala den Weg zum Top-Star einschlägt

Lob, Rekorde - und bald Preise? Wie Bayern-Youngster Jamal Musiala den Weg zum Top-Star einschlägt

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayern-Youngster Jamal Musiala besticht in der laufenden Saison mit überragenden Leistungen.
Bayern-Youngster Jamal Musiala besticht in der laufenden Saison mit überragenden Leistungen. © Getty Images (Montage)
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Jamal Musiala drückt der noch jungen Saison bislang seinen Stempel auf und entwickelt sich in Richtung eines Top-Stars. Der Bayern-Youngster wird mit Lob überschüttet - und bald auch mit Preisen überhäuft?

Der Humor von Oliver Kahn ist speziell. Zahlreiche Weggefährten des Torhüters können ein Lied davon singen. Erzielte etwa ein Mehmet Scholl in einer wichtigen Champions-League-Partie zwei Treffer und setzte sich in der Kabine neben Platzhirsch Kahn, brummte dieser als maximales Lob: "Geht doch." Oder, fast euphorisch: "Hat gepasst." Es ist zu hoffen, dass man an der Säbener Straße dem 19-jährigen Jamal Musiala gewarnt hat vor Kahns ureigener Art und Weise, Anerkennung auszudrücken.

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Nach dem 2:0-Pflichterfolg des FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg, einem Arbeitssieg garniert mit Showelementen des überragenden Musiala, berichtet Kahn in den Katakomben der Allianz Arena den Reportern: "Ich habe Jamal gerade in der Kabine getroffen und gesagt, dass da mehr kommen muss." Der 52-Jährige grinste. Doch wer Kahn kennt, der weiß, dass dieser Scherz tatsächlich so gefallen sein dürfte. Um sicher zu gehen, dass der Spruch nicht in den falschen Hals eines Mediums gerät, schickte Bayerns Vorstandsboss noch mit ernster Stimme hinterher: "Was er spielt, ist im Moment schon outstanding, außergewöhnlich." In der Tat: Musialissimo!

Musiala brillierte schon im DFL-Supercup

Im Grunde ist es in dieser Saison aktuell so: Bayern spielt, Bayern gewinnt überlegen. Musiala ragt heraus, Musiala wird mit Lob überschüttet. Beim 5:3 im Supercup in Leipzig gelangen dem Mittelfeldspieler ein Tor und eine Vorlage, zum Bundesliga-Auftakt in Frankfurt (6:1) zwei Treffer, am Sonntagabend gegen Wolfsburg das Führungstor mit einem überlegten 17-Meter-Schuss nach Ballannahme in höchster Bedrängnis. Musiala strauchelte, rappelte sich hoch, blickte kurz auf: Schuss, Tor. Er lässt Schwieriges einfach aussehen.

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Augenzeuge Thomas Müller, sein Mittelfeldpartner, beschrieb es so: "Da hat er sich in Schlangenmanier um den Gegner gewickelt. Ein bisserl Glück brauchst immer im Getümmel, der Abschluss war dann vom Feinsten." Und der Korkenzieher in einem eher zähen Spiel der Bayern, in dem der von den Fans gefeierte Zugang Sadio Mané mit zwei vom VAR wegen Abseits zurückgenommenen Treffern zum Pechvogel geriet.

Aber wer braucht schon Tore des 32-Millionen-Euro-Einkaufs vom FC Liverpool oder von Serge Gnabry, der wegen Adduktorenproblemen zur Pause in der Kabine bleiben musste, wenn man einen Musiala hat? Gegen Wolfsburg war er es, der die meisten Torschüsse abgab. Nicht ohne Grund. Seit dem Trainingsauftakt im Juli schnappt sich der DFB-Nationalspieler etwa alle drei Tage nach Ende der Einheit Bälle und macht unter Aufsicht von Assistenzcoach Dino Toppmöller ein Extra-Torschusstraining – mit rechts und mit links. Fleiß zahlt sich aus. Und bringt Rekordmarken.

Musiala übertrumpft Uli Hoeneß bei einer Bestmarke

Mit 19 Jahren und 169 Tagen ist Musiala der jüngste deutsche Spieler in der Liga-Geschichte, der die Marke von 14 Toren erreicht hat. Der Engländer Jadon Sancho, aktuell bei Manchester United, war bei seinem 14. Liga-Tor für Borussia Dortmund noch jünger (19 Jahre, 145 Tage). In der Vereinshistorie des FC Bayern überholt Musiala damit einen pfeilschnellen Blondschopf, der zu Beginn der 70er Jahre als Teenie die Gegner aufmischte: Uli Hoeneß.

Musiala vereint Raffinesse, Spielwitz und Übersicht in seinen Aktionen, die Ballführung bei seinen Dribblings lässt unerlaubte Hilfsmittel (Sekundenkleber?!) vermuten. Sportvorstand Hasan Salihamidzic geriet ins Schwärmen als er sagte: "Es ist eine Augenweide, ihm zuzuschauen. Er ist mehr als ein Top-Talent." Gar ein "Golden Boy"? Mit dem Award der italienischen Sportzeitung Tuttosport wird seit 2003 jährlich der beste U21-Spieler Europas geehrt. 2020 erhielt ein gewisser Erling Haaland die Auszeichnung, letztes Jahr Barcelonas Mega-Talent Pedri.

Schon da wurde Musiala hinter Jude Bellingham (BVB) Dritter. Der einzige Deutsche, der jemals den Golden-Boy-Award gewann, hieß Mario Götze. 2011 war das, als er vor Thiago und Eden Hazard gewählt wurde. 2022 könnte Musiala dran sein und vielleicht sogar nur einen Zwischenstopp einlegen. Lothar Matthäus bescheinigte dem Teenager am Sonntag gar das Potenzial, eines Tages Weltfußballer zu werden.