11. Februar 2022 / 15:29 Uhr

Jan Wilczak: Vom Bob-Anschieber zum Fußball-Mannschaftskapitän

Jan Wilczak: Vom Bob-Anschieber zum Fußball-Mannschaftskapitän

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Jan Wilczak (m. R. 3. v. l.) führt den Fußball-Kreisoberligisten SG Schulzendorf als Kapitän aufs Feld. 
Jan Wilczak (m. R. 3. v. l.) führt den Fußball-Kreisoberligisten SG Schulzendorf als Kapitän aufs Feld.  © Oliver Schwandt
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Der SG Schulzendorf-Spielführer trainierte in Potsdam zusammen mit Olympiasieger Kevin Kuske. Sein Traum von einer eigenen Teilnahme an Spielen platzte jedoch ganz plötzlich und unglücklich. Heute ist Wilczak Lehrer. Sein Herz schlägt für seine Mannschaft und den Amateurfußball in der Kreisoberliga.

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Auf eine spannende Fernsehstunde können sich die Schüler der Klasse 5B der Käthe-Kollwitz-Grundschule freuen. Am Montag (14.02.2022) um 13.05 Uhr wird bei den Olympischen Spielen in Peking der erste Zweierbob-Lauf der Herren im Yanqing National Sliding Centre gestartet. Zusammen mit ihrem Lehrer Jan Wilczak drücken die Kids dem deutschen Team um Johannes Lochner beide Daumen.

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Der Grund dafür ist, dass der in Bernau lebende Wilczak ebenfalls als Bob-Anschieber auf dem Weg zu den Olympischen Spielen war, doch eine schwere Verletzung seinem Traum ein Ende bereitete.
„Es passierte im Januar 2017 auf der Bobbahn in Altenberg. Ein Nachwuchspilot, bei dem ich an diesem verhängnisvollen Tag mitfuhr, stürzte schwer. Ich landete sehr unglücklich auf der linken Schulter und auf der Wirbelsäule, sodass ein Verdacht auf einen Wirbelsäulenbruch vorlag. Zum Glück hat sich diese Diagnose nie bestätigt“, erinnert sich der Kapitän des Fußball-Kreisoberligisten SG Schulzendorf an sein Karriereende als Bobsportler.

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In seinem Geburtsort Erfurt (Thüringen) fing er mit fünf Jahren an, sich für Leichtathletik zu begeistern. „Ich war ein hervorragender Sprinter, kann auf Teilnahmen bei diversen Deutschen Meisterschaften und einige Titelgewinne zurückblicken“, sagt der Wilczak stolz. Ab der achten Klasse besuchte er das Pierre-de-Coubertin-Sportgymnasium in seinem Wohnort. „Ich hatte dort das Glück, in einer Trainingsgruppe mit Julian Reus, dem deutschen Rekordsprinter, zu sein. Von Julian konnte ich unfassbar viel lernen“, erinnert er sich an seine Zeit auf der Sportschule zurück. In den folgenden Jahren war der heutige Lehrer ein fester Bestandteil der Jugend-Nationalmannschaft. „Ich gehörte sogar dem Kader für die U20-Europameisterschaften an, verpasste aber am Ende die Teilnahme nur knapp.“

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Nach zwei Jahren bei den Männern, er belegte bei den Sprintern im Jahr 2013 den siebten Platz in der deutschen Bestenliste, wurde er für die Bob-Nationalmannschaft aufgrund seiner Sprintstärke interessant. „Nach einigen guten Gesprächen, in denen mir auch die größeren Chancen auf eine Olympiateilnahme als Bobfahrer in Aussicht gestellt wurden, zog ich im Sommer 2013 nach Potsdam und trainierte dort unter anderem mit dem mehrfachen Olympiasieger Kevin Kuske unter Trainer Jörg Weber zusammen“, berichtet er weiter.

Unfall machte die Olympiaträume zunichte

In der Landeshauptstadt wurde Wilczak zum Anschieber ausgebildet und sammelte dort seine ersten Erfahrungen, bis er ins Team von Johannes Lochner rutschte. „Ich durfte zusammen mit ihm zwei Europacups, die Vorstufe vor den Weltcups, fahren. Wir wurden einmal Zweiter und einmal Dritter“, berichtet er. Damals war er im erweiterten Kader für die Olympischen Winterspiele – bis ihm der Unfall in Altenberg einen endgültigen Strich durch die Rechnung machte.

Jan Wilczak im Rennanzug der Nationalmannschaft bei einem Shooting 2017 in Potsdam. 
Jan Wilczak im Rennanzug der Nationalmannschaft bei einem Shooting 2017 in Potsdam. © Privat

Seit acht Jahren kickt Wilczak mit Feuer und Flamme bei der SG Schulzendorf und hält dem Verein auch die Treue, obwohl er seit dem Sommer zusammen mit seiner Freundin in Bernau wohnt. „Die Entfernung ist mir da egal, da wir bei der SGS eine echt verschworene Truppe sind. Ich bin auch stolz darauf, seit zwei Jahren der Kapitän des Teams zu sein. Mir macht es dort echt viel Spaß. Ich glaube, wir haben auch die Qualität, um in dieser Saison den Klassenerhalt in der Kreisoberliga zu schaffen.“