07. Dezember 2022 / 15:18 Uhr

Bunte Japan-Outfits, stimmungsvolle Argentinier, Marokko-Pfiffe: Der große Fan-Check zur WM in Katar

Bunte Japan-Outfits, stimmungsvolle Argentinier, Marokko-Pfiffe: Der große Fan-Check zur WM in Katar

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Japan glänzt auf den Tribünen mit guter Laune (links), Argentinien gibt sich stimmungsvoll.
Japan glänzt auf den Tribünen mit guter Laune (links), Argentinien gibt sich stimmungsvoll. © Getty (Montage)
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Zum ersten Mal während der laufenden Weltmeisterschaft in Katar bietet der Spielplan eine zweitägige Verschnaufpause. Zeit für einen Blick auf die Ränge der Stadien im Wüstenstaat. Der SPORTBUZZER liefert eine Übersicht über die leidenschaftlichsten, buntesten und nervigsten Fans.

Im Anschluss an das Achtelfinale zwischen Portugal und der Schweiz bietet der WM-Spielplan erstmals im Verlauf des Katar-Turniers zwei Tage Zeit zum Verschnaufen. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), nutzt die Pause für einen Blick auf die Tribünen der Stadien. Wer ist am kreativsten? Wer macht am meisten Lärm? Wer hat die größte Anhängerschaft? Unsere Reporter Heiko Ostendorp, Roman Gerth, Hendrik Buchheister und Patrick Strasser machen den Stimmungscheck.

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Japan – Wie die Mannschaft überraschten auch die Fans und gefielen durch kreative Outfits, extrem gute Laune und lautstarke Unterstützung. Mit Trommeln und Rasseln, in Sumo-Kostümen und mit Masken gaben sie in den Stadien alles – und zeigten sich als tolle Gäste, indem sie ihre Plätze danach aufräumten und die Arenen erst verließen, als alles picobello sauber war.

Frankreich – Die Franzosen gehören zu den Anhängern alter Schule. Ihr "Allez Les Bleus" ist ähnlich bekannt wie ihre blauen Trikots und die Perücken in den Nationalfarben. Aber: Sie machen eigentlich immer Alarm und gehen bei jedem Ballkontakt oder Schmetterantritt ihres Superstars Kylian Mbappé ab wie ein Zäpfchen.

Portugal – Für die Anhänger des Europameisters von 2016 braucht es nur einen Namen, um in Ekstase zu verfallen: Cristiano Ronaldo. Wird er im Stadion gezeigt, kommt er an den Ball oder sogar zur Ausführung eines Freistoßes, sind die portugiesischen Fans nicht zu überhören. Überall sind die Shirts mit "CR7" zu sehen, auch bei vielen Arabisch sprechenden Fans. Hinzu kommen bunte Bemalung bei wenig Kleidung und viel Haut.

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Brasilien – Die grün-gelbe Gefahr ist in bester Feierlaune. Schon beim Auftaktspiel im Finalstadion Lusail, dem Sehnsuchtsort der Seleçao, zogen Brasiliens Fans zu Tausenden mit lauten Gesängen durch die Straßen Dohas. In den typischen Farben, eingehüllt in die Brasilien-Flagge und zu passender Musik tanzend, passt ihr Auftritt zu den magischen Momenten, die das Team von Trainer Tite auf den Rasen zaubert. Auffällig: Der imposante Kopfschmuck.

England – Die Engländer haben auch in Katar die berüchtigte "England Band" dabei, eine Marschkapelle, die über ein Repertoire von geschätzt zwei bis drei Liedern verfügt, das im Stadion 90 Minuten lang seine nervtötende Wirkung entfaltet. Der Alkohol-Ausschank im WM-Land ist streng eingeschränkt, doch die Engländer wissen, wo die Regeln etwas lockerer sind – im “Red Lion” zum Beispiel, einem auf englisch gemachten Pub. Dort singen sie England-Lieder zur Melodie von "Jingle Bells" und verspotten die Waliser, die nach der Vorrunde abreisen mussten, während sie, die Engländer, weiter "on the piss" sind – also auf Sauftour.

Mexiko – Waren in den ersten Turnierwochen überall: auf Dohas Straßen, in der Metro oder in den Frühstückssälen der Hotels. Hofften auf das Ende ihres Traumas vom ständigen Aus im Achtelfinale (zuletzt sieben Mal nacheinander). Das Trauma endete tatsächlich, allerdings anders als erhofft – mit dem Scheitern in der Vorrunde. In Erinnerung bleiben von Mexikos Fans die riesigen Sombreros und die schönsten Trikots der WM mit roten Inka-Mustern auf beigem Grund.

Marokko-Pfiffe und bunt geschminkte Senegalesen

Marokko – Pfeifen den Gegner bei Ballbesitz konsequent in der Lautstärke einer Düsenjäger-Flotte aus. Haben außerdem den in Europa von Islands Fans bekannten "thunder clap" im Programm – das immer schneller werdende, gemeinsame Klatschen mit synchronem “Huh!”-Schrei. Wäre Marokko im Achtelfinale auf Deutschland getroffen, hätte die DFB-Elf vermutlich Angst vor den Fans bekommen.

Niederlande – Schon von Weitem zu sehen wegen ihrer Trikots in Knallorange. Vor den Spielen mit ihrem traditionellen, an Karneval erinnernden Umzug zum Stadion. Allerdings hat nur eine überschaubare Zahl von Fans aus den Niederlanden die Reise nach Katar angetreten. Im Stadion selbst deshalb eher enttäuschend.

Senegal – Senegals Fans verfügen über eine erstaunliche Kondition. Trommelten und rasselten bei den Spielen ohne Pause und unabhängig vom Geschehen auf dem Rasen. Dazu bunt geschminkt und kreativ verkleidet. Immer dabei: Sieben Fans mit den Buchstaben S-E-N-E-G-A-L auf den nackten Bauch geschminkt.


Argentinien stilvoll, Fans von Gastgeber Katar schnell entmutigt

Argentinien – Sie bilden die stimmungsvollste und größte Fangruppe. Die U-Bahn-Fahrten zu den Stadien sind mit den Anhängern von "La Albiceleste" das pure Vergnügen. Ein Lied nach dem anderen wird zum Besten gegeben. Immer rhythmisch, stilvoll, mit langen Textpassagen – keine stumpfen Schlachtgesänge-Vierzeiler. Sie huldigen auf Transparenten ihren "Zehnern", dem "D10S" Maradona und Lionel Messi.

Australien – Rund 3.000 Australier leben in Katar, doch so viele waren nicht bei den Spielen. Dabei war die Anreise für die Fans der "Socceroos" endlich mal nicht so lang wie sonst. Gute Laune machten die Aussie-Anhänger immer. Laut, bunt, fröhlich, die Catsuits – Ganzkörper-Anzüge in Känguru-Optik – inklusive. Im Achtelfinale gegen Argentinien wirkten die wenigen Hundert einsam. Sie verloren das Spiel, aber nicht ihren Spaß.

Katar – Tja – gab es sie, echte katarische Fans? Im Zweifel für die Angeklagten. Tatsache ist: Bei jedem Spiel der Gastgeber war ein Block hinter einem Tor mit organisierten Fans gefüllt, durchaus stimmungsvoll, mit Vorsängern per Megafon und Trommeln. Es soll ein Zusammenschluss von Ultras aus dem Libanon gewesen sein, die arabische Mannschaften unterstützen. Auffällig, wie schnell sich die übrigen Plätze leerten, wenn Katar hoffnungslos zurücklag.

Deutschland – Wie die Mannschaft enttäuschten auch die Anhänger. So wenige wie wohl noch nie reisten nach den vielen Diskussionen im Vorfeld nach Katar. Der "Fanclub Nationalmannschaft" schlug sein Quartier sogar in zwei anderen Ländern auf. Ein Teil flog jeweils aus Dubai ein, eine Splittergruppe fuhr mit dem Bus aus dem Bahrain über Saudi-Arabien nach Doha. Vor Ort sorgten die deutschen Supporter für wenig Stimmung. Die üblichen Schlachtrufe "Deutschland, Deutschland" sowie der Böhse-Onkelz-Klassiker "Mexiko" waren noch das "Kreativste", was die Anhänger zu bieten hatten – verkleidet mit peinlichen Cowboyhüten oder Hula-Hula-Halsschmuck in schwarz-rot-gold. Mies!

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