24. September 2022 / 14:29 Uhr

Nach Test-Sieg gegen die USA in Düsseldorf: Erster deutscher WM-Gegner Japan im Check

Nach Test-Sieg gegen die USA in Düsseldorf: Erster deutscher WM-Gegner Japan im Check

Timon Zöfelt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Japans Nationalmannschaft ist am 23. November erster deutscher Gegner bei der WM in Katar. In Düsseldorf gab es im Testspiel einen Sieg gegen die USA.
Japans Nationalmannschaft ist am 23. November erster deutscher Gegner bei der WM in Katar. In Düsseldorf gab es im Testspiel einen Sieg gegen die USA. © IMAGO/Jose Breton/NurPhoto (Montage)
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Japan ist bei der WM-Endrunde in Katar am 23. November erster Gegner der DFB-Auswahl. Bei einem Testspiel in Düsseldorf gegen die USA zeigten die Japaner mehrheitlich positive Eindrücke. Der SPORTBUZZER analysiert Stärken und Schwächen des ersten deutschen WM-Kontrahenten

Eine Weltmeisterschaft ohne die japanische Nationalmannschaft? Für viele Zuschauer dürfte das ein ungewohntes Bild darstellen. Seit 1998 gehören die "Blue Samurai" zuverlässig zum Line-Up bei den Endrunden. So auch in diesem Jahr in Katar. Nach einem Fehlstart in die Qualifikation mit zwei Pleiten aus den ersten drei Spielen legte die Auswahl von Trainer Hajime Moriyasu einen beeindruckenden Lauf hin und verlor kein Spiel mehr. Mit einem 2:0 gegen Australien lösten die Japaner schließlich am vorletzten Spieltag vorzeitig ihr WM-Ticket. So geht es nun in einer Gruppe mit den europäischen Top-Favoriten Deutschland und Spanien sowie Costa Rica ums Ganze.

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Allenfalls als Herausforderer und Überraschungskandidat? Selbstbewusst bereitete sich der vermeintliche Underdog in Düsseldorf - beim kommenden WM-Gegner - auf den Ernstfall vor. Beim Kirin Challenge Cup im Stadion des deutschen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf sammelte Coach Moriyasu letzte Eindrücke vor der großen Turnier-Herausforderung, die für Japan mit dem Spiel gegen Deutschland am 23. November (14 Uhr) startet.

Schon beim Duell mit WM-Teilnehmer USA wurde deutlich: Die jüngsten sportlichen Ausrufezeichen, wozu auch ein beachtliches 0:1 gegen Brasilien (Elfmetertor durch Neymar) im Juni zählen dürfte, sind kein Zufallsprodukt. Schalke-Profi Maya Yoshida (120 Länderspiele) dirigierte das Team als Lautsprecher in der Innenverteidigung, die selbstsichere Atmosphäre im mit Bundesliga-Profis gespickten Kader um Daichi Kamada (Frankfurt) oder Wataru Endo (Stuttgart) ist greifbar.

Frankfurter Kamada ist Aktivposten im Team Japan

Trainer Moriyasu, der bei seinem Amtsantritt 2018 großspurig einen "Generationenwechsel" angekündigt hatte, liefert, ist auch gegen die USA fast 90 Minuten lang am Rand seiner Coachingzone zu finden. Achtung Deutschland: Sein Input kommt an. Das Team des 54-Jährigen lauert auf Unkonzentriertheiten im Aufbauspiel des Gegners, ist bei ungenauen Zuspielen der US-Amerikaner hellwach und schaltet über die Außenbahnen schnell und entschlossen um. "Wir wollen bei Ballgewinnen als Team schnelle und vertikale Angriffe spielen", erklärte der Coach auch mit Blick auf die Duelle mit ballbesitzorientierten Teams wie Deutschland oder Spanien seinen Matchplan.

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Ein wichtiger Baustein in der Offensive ist Aktivposten Kamada, der gegen die USA in seinem 20. Länderspiel seinen sechsten Treffer erzielte und noch dazu unermüdlich nach hinten arbeitete. Moriyasu schwärmte, der Frankfurt-Profi habe "zum Sieg der Mannschaft beigetragen", indem er sich "von seiner Position aus der Verteidigung gewidmet" habe. Dies sei der Schlüssel für Erfolge.

"Blue Samurai" mit Bundesliga-Profis gespickt

Neben den individuellen Qualitäten von Kamada und Co. besticht das japanische Aufgebot durch Breite: So konnte Moriyasu gegen die USA mit der Einwechslung von Stuttgart-Profi Hiroki Ito in Durchgang zwei neue Impulse setzen, legte zudem in der Offensive mit dem agilen Shuto Machino (Shonan Bellmare) noch einmal nach. Den erfahrenen Genki Haraguchi (31, Union Berlin, 74 Länderspiele, kam erst in der 87. Minute) sowie den geschonten Ex-Liverpool-Star Takumi Minamino (AS Monaco) hat der Coach sogar noch in der Hinterhand.

Die Flexibilität im taktischen und personellen Bereich ist für den Trainer ein wichtiger Faktor. Damit könne er sich die Möglichkeit offenhalten, "von einer guten Offensive in eine gute Defensive zu wechseln, wenn es die Chance gibt, das Spiel zu gewinnen", sagte Moriyasu. Der Japan-Coach betonte dabei, "auf die WM hinarbeiten" und "die Wahrscheinlichkeit reduzieren" zu wollen, das Spiel trotz eigener Führung aus der Hand gleiten zu lassen.

Zwar gelang das gegen die USA eindrucksvoll, dennoch zeigten sich beim Duell in Düsseldorf auch mögliche Schwachpunkte: Bei hohen Bällen und Flanken wirkte die Hintermannschaft der Japaner bisweilen wacklig. Zudem wurden einige vielversprechende Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt. "Wir wollen im Angriff noch effizienter werden", sagte auch Coach Moriyasu.

Beim Spiel gegen die USA überwiegen positive Eindrücke

Und dennoch: Beim überzeugenden 2:0-Erfolg, für den Kaoru Mitoma (Brighton) spät sorgte, überwogen die positiven Eindrücke, die es auch gegen Ecuador am kommenden Dienstag zu bestätigen gilt. "Wir können unsere Stärken unter Beweis stellen, indem wir uns darauf konzentrieren, den Ball zu gewinnen", sagte der Trainer der Japaner und verwies auf den Mehrwert schneller Umschaltsituationen. Dies wolle er „im nächsten Spiel gerne weiter testen.“

Zu viel wollen sich die Japaner auf deutschem Terrain aber nicht in die Karten schauen lassen. In Düsseldorf trainierte das Team hinter verschlossenen Türen. Um bei der WM unerwartet für Aufsehen zu sorgen? Im Anschluss an das Turnier tatsächlich als Überraschungskandidat deklariert zu werden - dagegen hätten die "Blue Samurai" bei ihrer siebten Teilnahme in Folge sicherlich nichts einzuwenden.

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