17. September 2021 / 14:29 Uhr

Nach Einzug ins Sportinternat am Maschsee: Jasper Schröders Radsportkarriere nimmt Fahrt auf

Nach Einzug ins Sportinternat am Maschsee: Jasper Schröders Radsportkarriere nimmt Fahrt auf

Josina Kelz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Junger Weltmeister: Jasper Schröder hat großes Potenzial. 
Junger Weltmeister: Jasper Schröder hat großes Potenzial.  © Florian Petrow
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Seit einer Woche wohnt Radsportler Jasper Schröder im Lotto-Sportinternat am Maschsee. Der 16-Jährige hat bereits Gold bei der Junioren-WM in Kairo gewonnen und startet für den RC Blau-Gelb Langenhagen. Mit dem Umzug von Rotenburg (Wümme) nach Hannover will er den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen.

Die einen tragen einen Rucksack, Jasper Schröder (16) trägt zwei Bananen auf dem Rücken – für ihn das wichtigste Reisegepäck. Denn gleich geht es drei Stunden lang auf Tour. „Wenn man so lange unterwegs ist, braucht man unterwegs eine Stärkung.“ Wohin es geht, weiß er nicht. „Ich habe mir vorher eine Route ausgesucht, aber keine Ahnung, wo die langführt“, sagt er und lacht.

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Schröder wohnt nämlich erst seit einer Woche in Hannover. „Ich komme ständig zu spät zum Unterricht, weil ich die Stadt erkunde“, sagt er und grinst. Der junge Radsportler hat Hotel Mama in Rotenburg (Wümme) verlassen und lebt jetzt im Lotto-Sportinternat am Maschsee. „Ich fühle mich schon superwohl hier. Ich glaube, für meine Mutter ist es schwerer.“ Gut vorstellbar, dass der Großstadtdschungel faszinierender für einen 16-Jährigen ist als das Landleben zwischen Hamburg und Bremen. „Oh ja, das ist viel mehr mein Ding hier“, freut er sich und schaut vom Maschsee auf die Hannover-Skyline. „Da auf dem Land gab es einfach nichts, man konnte nicht mal Kaffee trinken gehen.“

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Gold im Vierer, Silber in der Einzelverfolgung

Noch ist alles aufregend, Heimweh kommt da nicht auf. „Ich bin es schon gewohnt, nicht zu Hause zu sein. Die vergangenen zehn Wochen war ich nur unterwegs. Jetzt freue ich mich, mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen.“ Denn gerade erst war Schröder in Kairo auf der Junioren-Weltmeisterschaft - wo er im Vierer Gold gewonnen hat. In der Einzelverfolgung holte er Silber, in der Quali konnte er den italienischen Europa- und Weltmeister Samuele Bonetto sogar schlagen.

Die EM lief eine Woche zuvor im niederländischen Apeldoorn, „da haben wir leider nur den sechsten Platz erreicht. Umso überraschender und toller waren die Ergebnisse bei der WM.“ Überwältigend war die Erfahrung ohnehin für Schröder, Medaillen hin oder her: „Niederlande und Ägypten waren meine zwei ersten internationalen Rennen.“ Und so nimmt seine junge Radkarriere Fahrt auf, eine bessere Grundlage als den Junioren-Weltmeistertitel könnte es kaum geben.

"Klar, wenn man zu Partys eingeladen wird, muss man Nein sagen"

„Dabei konnte ich eigentlich gar nicht so gut fahren“, gibt er ganz bodenständig zu. „Meine Leistung kam erst in der U17, als ich angefangen habe, richtig zu trainieren.“ Jetzt wird das noch einfacher. Schröders größtes Problem bislang: „In meiner Heimat gab es nicht mal einen Radsportverein.“ Deshalb ist er seit 2016 Mitglied beim RC Blau-Gelb Langenhagen. Häufig mittrainieren konnte er aufgrund der Entfernung nicht. „Mein Vater musste mich ständig nach Hannover fahren, von da ging es dann zu den Rennen.“ Für die Familie ist der Umzug ins Internat eine zeitliche Entlastung – vor allem aber für Schröder selbst.

„Es gab vorher nur Schule und Rennen – und Training, aber alleine“, schildert er. „Jetzt besuche ich eine Sportschule, habe das Sportleistungszentrum mit Krafträumen gleich nebenan, kann im Team trainieren und bin örtlich gut angebunden. Da bleibt sogar noch ein bisschen Zeit für andere Dinge.“ Mit 16 Jahren muss es einem besonders viel Disziplin abverlangen, das Sportlerleben zu leben. „Klar, wenn man zu Partys eingeladen wird, muss man Nein sagen.“ Sozialen Druck und Unverständnis von Altersgenossen inklusive. „Man muss sich Freunde suchen, die Verständnis haben.“ Oder das gleiche Leben leben. „Solche Leute lerne ich ja jetzt im Sportinternat kennen.“


Das Talent liegt Schröder im Blut

Jetzt wird also alles einfacher für Schröder. Ein Glück, denn das Talent liegt ihm im Blut: Sein Großonkel Gernot Backhaus war deutscher Meister und bis vor 2015 Trainer beim RC. „Durch ihn kam ich zum Verein.“ Auch sein Opa war schon Radsportler, Onkel und Vater fahren auch. „Ich habe als Kind alles ausprobiert: Fußball, Judo, Handball, Triathlon – aber irgendwie war es am Ende doch immer das Rad.“ Auf das steigt er jetzt – bis zum Anbruch der Dunkelheit muss er zurück im Internat sein.