26. Januar 2020 / 17:48 Uhr

"Jede Reise hat ein Ende": Mühlenfeld-Urgestein Detlev Rogalla im Interview

"Jede Reise hat ein Ende": Mühlenfeld-Urgestein Detlev Rogalla im Interview

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Detlev Rogalla (kleines Bild) war mit kurzer Unterbrechung insgesamt 19 Jahre beim TSV Mühlenfeld als Trainer an der Seitenlinie aktiv.
Detlev Rogalla (kleines Bild) war mit kurzer Unterbrechung insgesamt 19 Jahre beim TSV Mühlenfeld als Trainer an der Seitenlinie aktiv. © Christian Hanke
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Insgesamt 19 Jahre ist Detlev Rogalla beim TSV Mühlenfeld als Trainer beschäftigt gewesen, von 1994 bis 1998 und von 2000 bis 2015. Wie sich die Mannschaft des Fußball-Bezirksligisten entwickelt, behält der 52-Jährige im Auge.

Herr Rogalla, sind Sie momentan als Trainer tätig?

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Nein.

Bis März 2018 standen Sie in Diensten des Schwarmstedter Bezirksligisten SV Essel. Wie haben Sie die Zeit danach verbracht?

Ganz weg vom Trainerfenster war ich ja nicht, da ich noch in der DFB-Talentförderung als Honorartrainer tätig war. Aber nach 24 Jahren Vereinstrainertätigkeit ist es schon sehr entspannend, die Sonntage mal nicht auf den Fußballplätzen zu verbringen.

Würden Sie gern wieder eine Mannschaft trainieren? Immerhin besitzen Sie die A-Lizenz.

Ich fühle mich durchaus in der Lage, ein ambitioniertes Team zu trainieren und weiterzuentwickeln. Aber es muss passen. Als Beschäftigungstherapeut stelle ich mich nicht zur Verfügung.


Welches Angebot wäre für Sie reizvoll?

Grundsätzlich würde ich mir ab Bezirksliga aufwärts alles anhören. Ich hätte aber auch Lust, Erfahrungen als Co-Trainer im semiprofessionellen Bereich zu sammeln, etwa in der Oberliga oder Regionalliga.

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"Ich glaube, es ist ein Generations- und Mentalitätsproblem. Der lustorientierte Egoismus ist leider heute sehr ausgeprägt."

Die meiste Zeit waren Sie beim TSV Mühlenfeld beschäftigt, sechs Jahre hielten Sie Ihren Heimatverein in der Landesliga. Denken Sie noch oft daran zurück?

Selbstverständlich. Wir haben Vereinsgeschichte geschrieben. Die Partie im August 2009 in Hagen vor fast 1000 Zuschauern werde ich niemals vergessen. Wir hatten Arminia Hannover am Rande einer Niederlage, aber leider nach 2:0-Führung in der letzten Minute noch 2:3 verloren. In der Saison sind wir damals Vierter geworden. Es wird noch lange der größte Erfolg der Mühlenfelder Vereinsgeschichte bleiben.

Vor fast genau fünf Jahren hatten Sie dem TSV mitgeteilt, dass Sie das Traineramt am Saisonende niederlegen werden. Sie waren damals mit der Einstellung einiger Spieler nicht einverstanden. Sehen Sie darin noch heute ein generelles Problem im Amateurfußball?

Ich glaube, es ist ein Generations- und Mentalitätsproblem. Der lustorientierte Egoismus ist leider heute sehr ausgeprägt.

Sie sind selbstständiger Geschäftsführer einer Firma im Bereich der Pflegevermittlung, die Partner der TSV Neustadt temps Shooters ist. Sind Sie ein großer Basketballfan?

Als Fußballer ist es nicht außergewöhnlich, dass man auch eine große Affinität zu anderen Ballsportarten hat. Ich bin froh, dass Neustadt endlich wieder zu einer Sporthochburg avanciert. Die Heimspiele der Shooters sind ein echtes Spektakel, volle Halle und tolle Stimmung. Die Verantwortlichen beim TSV machen wirklich einen klasse Job. Und wer fühlt, was er sieht, der gibt, was er kann.

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"Die Verpflichtung von Mario ist für den TSV ein Glückstreffer."

Finden Sie noch Zeit, sich gelegentlich ein Heimspiel der Mühlenfelder Mannschaft anzuschauen? Sie wohnen ja gleich um die Ecke.

Ja, ich gucke mir einige Spiele an. In dieser Saison war ich bisher zweimal live dabei.

Soweit es für Sie möglich ist: Wie beurteilen Sie deren Entwicklung?

Trainer Mario Pohl hat dem Bezirksligateam neue Stabilität gegeben. Die Verpflichtung von Mario ist für den TSV ein Glückstreffer. Die Mannschaft steht zu 100 Prozent hinter ihm. Dies ist jedenfalls mein Eindruck als Außenstehender. Die Entwicklung der Sparte ist leider nicht so berauschend. Als ich 2015 den Verein verlassen habe, gab es noch eine dritte Mannschaft und die Reserve hat in der Kreisliga gespielt. Nun gibt es nur noch ein Reserveteam in der 2. Kreisklasse. Aber mit diesem Spielerschwund haben auch andere Vereine zu kämpfen.

In der Hinrunde der Bezirksliga 1 hat die Mannschaft mehrmals die Chance ausgelassen, die Tabellenführung zu übernehmen. Was ist in dieser Saison noch drin?

Stellt man sich nur vor, das Team hätte aus den letzten fünf Partien mehr als nur einen Zähler geholt... Aber lassen wir die Kirche im Dorf. Ein Aufstieg in die Landesliga wäre für die Entwicklung der jungen Spieler suboptimal. Platz drei bis fünf ist aus meiner Sicht realisierbar und wäre der nächste richtige Step.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder eine Aufgabe bei den Mühlenfeldern zu übernehmen?

Nein, jede Reise hat ein Ende.