24. Dezember 2017 / 12:10 Uhr

Jeffrey Bruma Im Interview: "Schalke ist nicht besser als Wolfsburg"

Jeffrey Bruma Im Interview: "Schalke ist nicht besser als Wolfsburg"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wolfsburgs Jeffrey Bruma
Wolfsburgs Jeffrey Bruma stand nach langer Leidenszeit zuletzt zweimal in der VfL-Startelf. © imago
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Der lange Weg zum Comeback: Im Interview spricht VfL-Abwehrspieler Jeffrey Bruma über seine Leidenszeit, die Ziele mit dem Verein und Weihnachten in  Rotterdam

Jeffrey Bruma hat zwei Mandarinen mitgebracht. „Etwas Vitamin C für die Gesundheit“, grinst er. Der Niederländer gibt Acht auf seinen Körper. Das hat er zwar immer schon getan, sagt er. Doch seine schwere Knieverletzung hat dafür noch mal ein neues Bewusstsein in ihm geschaffen. Für den 26-Jährigen war die neunmonatige Verletzungspause wegen eines Knorpelschadens die schwerste Zeit seiner Karriere. In den letzten beiden Spielen des VfL Wolfsburg im Jahr 2017 stand er nun erstmals wieder in der Startelf. Wie es ihm dabei ging, erzählt er kurz vor Weihnachten im großen Interview.

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Herr Bruma, was haben Sie daran vermisst, auf dem Platz zu stehen?

Morgens aufzustehen und zu wissen, dass man ein Spiel hat. Das ist einfach ein geiles Gefühl. Die letzten neun Monate habe ich im Fitnessraum gelebt und auf dem Rehaplatz gearbeitet – das ist etwas ganz anderes.

Wie meinen Sie das?

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Naja, das ist einfach nicht schön. Du weißt, dass du dort jeden Tag für dein Ziel hart arbeiten musst. Die anderen Spieler können auf den Platz gehen, haben Spaß, dürfen kicken. Und ich musste immer nur im Fitnessraum arbeiten. Dann ging es nach Hause und am nächsten Tag wieder in den Fitnessraum. Das ist eintönig, aber so sieht die Reha für eine Knieverletzung nun mal aus – und da muss man durch; es geht darum, mental stark zu bleiben, positiv zu bleiben.

Wie haben Sie das hingekriegt?

Ich habe mir stets das große Ziel vor Augen gehalten, auf den Platz zurückzukehren. Ich habe gewusst, dass ich irgendwann wieder schmerzfrei sein werde und wieder auf mein Niveau kommen werde. „Nur wenn ich heute und morgen meine Fitness-Übungen vernünftig erledige“, habe ich mir immer wieder gesagt, „komme ich diesem Ziel näher.“ So schwer das auch manchmal war.

Verzweifelt man da nicht?

Man muss ruhig bleiben, das ist das einzige, was man machen kann. Ich habe im Sommer auch mal ganz vom Fußball abgeschaltet, habe keine Spiele geguckt, andere Dinge gemacht.

Warum?

Sonst wäre ich mit dem Kopf immer beim Fußball gewesen – und damit bei meiner Verletzung. Wenn man fit ist und spielt, ist es schön; es geht nur um Fußball, Fußball, Fußball... Doch wenn man nicht auf dem Platz stehen kann, tut das weh. Da musste ich einfach mal raus, zur Familie, zur Freundin – um das Knie für einen Moment zu vergessen.

"Man sieht die Jungs auf dem Platz, aber man kann selbst nur auf dem Fahrrad sitzen."

Wie wichtig war dieser familiäre Halt?

Es war toll, dass sie für mich da waren, einfach, um eine gute Atmosphäre zu kreieren, damit ich den Kopf oben halte. Dass ich lachen konnte über andere Sachen.

Wie ist das in der Mannschaft, ist man da auf sich allein gestellt?


Natürlich ist es ein komisches Gefühl: Man sieht die Jungs auf dem Platz, aber man kann selbst nur auf dem Fahrrad sitzen. Sie fragen dann: „Wie sieht’s aus?“ Und meine Standardantwort lautete immer: „Es geht besser...,“ (lacht) „aber es dauert noch“. Man hangelt sich von Woche zu Woche, von Monat zu Monat – und hofft, dass es vielleicht doch irgendwie etwas schneller geht.

War das die schwerste Zeit in Ihrer Laufbahn?

Ja, auf jeden Fall. Ich war vorher noch nie verletzt, ein paar blaue Flecken oder ein bisschen Muskelkater mal ausgenommen. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Das war der größte Rückschlag in meiner Karriere.

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Erinnern Sie sich noch an die Aktion des Unglücks?

Sicher! Als wäre es gestern gewesen. Ich habe einen Rückpass hochgenommen, dann ist mir einer reingegrätscht und ich habe mir das linke Bein nach außen verdreht; eine komische Bewegung, nur ein blöder Moment. Ich wusste sofort: Irgendwas ist nicht gut. Man hofft dann nur noch, dass es nicht so schlimm ist.

...was man anfangs ja auch glaubte. Es gab sogar Gerüchte über ein Karriereende.

Davon habe ich nichts gelesen (lacht). Nein, das war nie ein Thema, weil der Schaden auch eher klein war.

Wie waren die 120 Minuten im Pokal für Sie?

In der Verlängerung wurden die Beine schon etwas schwerer. Drei Tage nach meinem Comeback direkt wieder in der Startelf zu stehen, war ich ja schon länger nicht mehr gewöhnt. Aber ich fühle mich gut, da war ich auch etwas überrascht.

Keine Schmerzen also?

Nicht im Knie, nur im ganzen Körper (lacht). Hier habe ich einen Pferdekuss einstecken müssen, da einen Schlag auf den Zeh bekommen, aber ich habe mich bis zum Ende durchgebissen. Dass das Knie nach einer Operation mal ein bisschen steif und nicht so geschmeidig ist wie rechts, ist normal. Aber ich lasse mich da auch ganz gerne noch etwas pflegen.

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Wie weit sind Sie schon wieder?

Schwierig zu sagen – vielleicht bei 90 Prozent. Ich bin auf einem guten Weg, so viel ist sicher. Das Team hat es gut gemacht, deswegen muss ich mir meinen Platz erst wieder verdienen. Ich muss mich zurückkämpfen – und das mache ich jetzt.

Sie wurden als Abwehrchef und Naldo-Nachfolger verpflichtet, wollen Sie diese Rolle zurück?

Ich habe das nie so gesehen, weil wir fünf Innenverteidiger sind und auch die zwei Sechser alle Abwehrchefs sind. Alle haben im Trainingslager die Chance, anzugreifen – darauf bin ich heiß. Ich hoffe, auf mein altes Niveau zu kommen – und noch besser zu werden. Das habe ich mir vorgenommen.

Was haben Sie noch vor mit dem VfL?

Wir haben gerade einen Umbruch, das braucht Zeit. Aber wir wollen wieder angreifen. Es gibt in der Bundesliga drei, vier Mannschaften, die sich von den anderen abheben – Bayern, Dortmund oder Leipzig. Aber Teams wie beispielsweise Schalke oder Leverkusen – die sehe ich nicht besser als Wolfsburg. Wir müssen aber unsere Qualität dauerhaft auf den Platz bringen.

Und was steht sonst zu Weihnachten auf Ihrem Wunschzettel?

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Bei uns zu Hause in Rotterdam ist es wichtiger, zusammen zu sein, zusammen zu essen, füreinander da zu sein. Geschenke waren früher, als wir jünger waren, ein größeres Thema. Wenn meine Mutter für mich und meine Geschwister kocht, reicht mir das völlig aus.

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