13. März 2020 / 11:40 Uhr

Jens Pasche und die Gumtow-Fahne an der Anfield Road

Jens Pasche und die Gumtow-Fahne an der Anfield Road

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Jens Pasche besuchte mit seiner Gumtow-Fahne unter anderem schon die Anfield Road.
Jens Pasche besuchte mit seiner Gumtow-Fahne unter anderem schon die Anfield Road. © Privat/SPORTBUZZER-Montage
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Mein Verein: Die SG Gumtow aus der Prignitz erfährt seit 30 Jahren durch die Fahne eines Fußballverrückten Beachtung.

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Auf der großen Landkarte ist Gumtow nur ein klitzekleiner Fleck. Trotzdem sind sowohl die etwas mehr als 3000 Einwohner zählende Gemeinde, welche im Südosten der Prignitz liegt und 16 Ortsteile beinhaltet, als auch die Spielgemeinschaft (SG) Gumtow über die märkischen und sogar nationalen Grenzen hinaus bekannt. Dafür verantwortlich ist Jens Pasche, der fußballverrückte Mann mit der Gumtow-Fahne.

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„Das begann alles 1990, als mich Kumpels fragten, wo ich denn wieder am Wochenende war“, verrät der 53-Jährige, der in Stendal geboren und in Schrepkow, einem Ortsteil von Gumtow, aufgewachsen ist. Porto, Mailand, Manchester – den Groundhopper zog es schon gefühlt durch ganz Europa, mindestens 25 Länder hat er des Fußballs wegen bereist. „Ich bin damals oft allein losgeflogen. Weil mir meine Kumpels das nicht glauben wollten, habe ich die Idee mit dem Banner gehabt“, erklärt Pasche, der seit 30 Jahren mit seinem Markenzeichen, auf das er jeden Monat mehrfach angesprochen wird, umhertingelt.

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Bei der SG Gumtow kickte Jens Pasche seit seinem 14. Lebensjahr, auch der Umzug 1990 ins große Berlin hielt ihn nicht auf, um jedes Wochenende hunderte Kilometer für seinen Herzensverein zurückzulegen. „Ich habe das gerne gemacht, habe ja noch immer viele Freunde da“, betont der Hertha-Fan, der seit 30 Jahren eine Dauerkarte für die Ostkurve hat und dessen Gumtow-Fahne im Olympiastadion seit langen Jahren ein festen Platz hat. Die schönsten Momente samt Banner erlebte Jens Pasche 2006, als die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand. „Da hatte ich fünf Wochen Urlaub, bin mit Freunden 3500 Kilometer durch die Nation gereist und habe alle sieben DFB-Spiele live im Stadion gesehen“, erzählt „Fritzchen“ voller Stolz. Unvergessen bleibt auch der Besuch an der altehrwürdigen Anfield Road in Liverpool, die Pasche anlässlich seines 1000. Spiels mit der Gumtow-Fahne besuchte. „Zu den Spielen zählen dann aber nur erste bis dritte Liga, Europapokalpartien und Auftritte der Nationalmannschaft“, betont Pasche, dass es sonst weit mehr wären.

Die aktuelle Fahne, die neben Fußball auch weitere Sportarten oder Konzerte von Rammstein oder Metallica sah, ist übrigens nicht mehr das Originalstück von 1990. „Die erste war aus drei Bettlaken gemacht, die zweite wurde von Rostock-Fans geklaut“, so Pasche. Kontakt zu seinen Anfängen besteht aber bis heute: „Na klar, über Ostern bin ich wieder in Gumtow, da hab ich viele Freunde. 2001 haben wir bei einer Aktion der Bild-Zeitung fast ein Spiel gegen den FC Bayern gewonnen. Es gibt also immer genug zu erzählen.“

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Auf den Besuch freut sich auch Detlef Hein, der seit acht Jahren den Vorsitz der etwa 50 Mitglieder starken SG inne hat. „Wir sind bodenständig“, beschreibt der 61-Jährige seinen Verein mit einem Wort. Die sportliche Aktivität beschränkt sich lediglich auf Fußball, neben dem Männerteam, welches in der Kreisklasse Süd auf Torejagd geht, kicken auch noch die Altherren um Punkte. Die größten Erfolge liegen auch schon eine Weile zurück, wie Hein bemerkt: „1973 ist Gumtow der Aufstieg in die Bezirksklasse geglückt, wo man 15 Jahre lang mithalten konnte.“ Der wohl größte Coup in der 99-jährigen Vereinsgeschichte – 2021 feiert die SG Gumtow 100. Geburtstag – gelang aber am 3. Mai 1986, als man erst im Endspiel des damaligen Bezirkspokals Potsdam Motor Rathenow unterlag. „Als Sieger war man für die FDGB-Pokalspiele der DDR qualifiziert“, erinnert Hein, „das ging dann aber doch zu weit für unseren kleinen Dorfverein.“ Im nächsten Jahr wird am Sportplatz, da wo die Gumtower das Vereinshaus zwischen dem 4. und 11. April 1980 mit bloßen Händen nach Feierabend erbauten, angestoßen.

Im nächsten Jahr wird am Sportplatz, da wo die Gumtower das Vereinshaus zwischen dem 4. und 11. April 1980 mit bloßen Händen nach Feierabend erbauten, angestoßen. Mit dabei sind dann wichtige Protagonisten der Vereinsgeschichte, die aktuellen Mitglieder und natürlich auch Jens Pasche: „Das lasse ich mir auf keinen Fall entgehen. Und die Fahne habe ich selbstverständlich auch dabei.“