30. April 2022 / 19:01 Uhr

Jeremiah Martin und die NBA: „Es war die Erfüllung eines Traums“

Jeremiah Martin und die NBA: „Es war die Erfüllung eines Traums“

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Jeremiah Martin und seine Tochter Journee.
Jeremiah Martin und seine Tochter Journee.
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Als Topscorer Kamar Baldwin verletzt ausfiel, mussten die Verantwortlichen der BG Göttingen schnell handeln: Sie verpflichteten Jeremiah Martin, der zuletzt für einen neuseeländischen Klub gespielt hat, zuvor aber schon in der NBA Erfahrung gesammelt hat.

Er ist als Feuerwehrmann gekommen und hat die ersten Brände gelöscht: Als Kamar Baldwin sich Ende März schwer verletzt hatte, mussten die Verantwortlichen der BG Göttingen schnell handeln. Es blieben nur noch einige Tage bis zum Ende der Wechselfrist, um einen Spieler nachverpflichten zu können. Headcoach Roel Moors wurde fündig – in der australischen Liga. Der Amerikaner Jeremiah Martin kam donnerstags in Göttingen an und stand sonntags in Braunschweig schon auf dem Parkett. Seitdem gehörte er immer zu den erfolgreichsten Werfern im Team der Veilchen.

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Der 25-Jährige kommt aus einer Basketball-Familie. Seine Mutter hat während ihrer College-Zeit gespielt, seine Schwester auch. „Bei uns zu Hause ging es immer um Basketball, meine Mutter hat mich trainiert, als ich ein Kind gewesen bin. Meine Tochter ist erst vier, aber sie spielt auch schon“, erzählt der aus Memphis stammende Spieler, der parallel dazu aber auch einige Jahre Football in der Schule gespielt hat, ehe er sich komplett auf den Basketball fokussierte.

21 Spiele für zwei Klubs in der US-Profiliga NBA

Nach dem College versuchte Martin in der NBA Fuß zu fassen, startete erst in der G-League, absolvierte in der Saison 2019/20 dann insgesamt zwölf Spiele für die Brooklyn Nets. In der Spielzeit danach wurde er aus der G-League heraus von den Cleveland Cavaliers verpflichtet, insgesamt stand er 21 Mal in der NBA auf dem Spielfeld. „Das war schon eine großartige Erfahrung, es war auch die Erfüllung eines Traums.

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Ich hoffe, ich kann eines Tages dort noch einmal spielen“, sagt Martin, der nach der Frage nach berühmten Mit- oder Gegenspielern fleißig aufzählt: „Kevin Durant, Kyrie Irving, LeBron James.“ Es sei aufregend mit diesen Spielern, die in der ganzen Welt bekannt sind, auf dem Platz zu stehen. „Und wenn du mit ihnen in einem Team stehst und Beziehungen oder Freundschaften aufbaust, ist das etwas ganz besonderes.“ In der NBA sportlich zu bestehen, sei „ein täglicher Kampf“, man starte jeden Tag einen neuen Job.

Zur Saison 2021/22 folgte der Wechsel nach Neuseeland – allerdings war Martin während seiner Zeit bei den New Zealand Breakers kein einziges Mal in dem Land. „Wir waren die gesamte Zeit in Australien, haben dort auch unsere Heimspiele ausgetragen. Australien ist ein sehr schönes Land“, sagt der Amerikaner, der dort zusammen mit dem ehemaligen Point Guard von ALBA BERLIN, Peyton Siva, gespielt hat. Der hat ihm die BBL auch wärmstens ans Herz gelegt.

Angekommen und sofort abgeliefert: Jeremiah Martin hatte einen perfekten Einstand bei der BG.
Angekommen und sofort abgeliefert: Jeremiah Martin hatte einen perfekten Einstand bei der BG. © Swen Pförtner

„Du wirst es mögen und Spaß haben“, hatte ihm der ehemalige Berliner nach vier Jahren Erfahrung in der Liga mit auf den Weg gegeben. Adonis Thomas, einer seiner engsten Freunde aus Memphis, habe ihm weitere Informationen gegeben. Der ehemalige Spieler von medi bayreuth erzählte ihm von der guten Organisation der easyCredit BBL und davon, dass die meisten Vereine eigene Trainingshallen hätten, dass die Zuschauer den Teams viel Energie und Unterstützung geben. „Alles, was er gesagt hat, stimmt. Die Fans erinnern mich an meine Collegzeit“, so die Erfahrungen, die Martin in den wenigen Wochen bei der BG Göttingen gemacht hat.

Hilfe von der Mannschaft und den BG-Trainern

Zum Ende der Saison in ein neues Team zu kommen sei grundsätzlich schwierig. „Ich bin in einer Phase gekommen, in der jedes Spiel zählt. Aber die Mannschaft hält zusammen und hat mir sehr geholfen, es mir einfach gemacht. Und die beiden Trainer geben uns viel Selbstvertrauen, sagen uns genau, was zu tun ist“, erzählt Martin.

Nach Deutschland ist Martin allein – ohne Tochter Journee und Lebensgefährtin Equria, die als Lehrerin arbeitet, gekommen. Bislang hat er – angesichts von Training und vielen Spielen binnen kurzer Zeit – noch nicht viel von der Stadt gesehen. „Ich bin auch viel zu Hause, telefoniere mit meiner Familie oder spiele mal Videospiele“, erzählt der 26-Jährige.

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Die Göttinger Restaurantszene hat er schon ein wenig ausprobiert, in Australien habe er auch gelernt, für sich selbst zu kochen. „Hier habe ich es aber kaum gemacht. Es ist schwer, einkaufen zu gehen und alles zu übersetzen: Du musst ja erst einmal herausfinden, was beispielsweise scharf ist. Seit ich hier bin habe ich viel Ceasars Salad mit Hühnchen gegessen, aber eigentlich mag ich Pasta am liebsten.“


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