03. September 2019 / 11:13 Uhr

Nach geplatztem Wechsel zu Juventus: So geht es für Jerome Boateng beim FC Bayern weiter

Nach geplatztem Wechsel zu Juventus: So geht es für Jerome Boateng beim FC Bayern weiter

Angelo Freimuth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach dem geplatzten Wechsel zu Juventus Turin muss Jerome Boateng wohl vorerst beim FC Bayern bleiben.
Nach dem geplatzten Wechsel zu Juventus Turin muss Jerome Boateng wohl vorerst beim FC Bayern bleiben. © imago images / Laci Perenyi / Montage
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Ein Wechsel im Sommer schien eigentlich beschlossene Sache, doch nachdem sich der Transfer zu Juventus Turin in allerletzter Minute zerschlug, muss Jerome Boateng vorerst beim FC Bayern München bleiben. Wie geht es jetzt weiter für den Ex-Nationalspieler?

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Es ist kein schöner Geburtstag für Jérôme Boateng: Am Dienstag wird der frühere Nationalspieler 31 Jahre alt, doch viel zu feiern gibt es nicht. Der anvisierte Wechsel zum italienischen Serienmeister Juventus Turin ist kurzfristig doch noch geplatzt und beim FC Bayern München hat der Routinier offenbar keinen Platz mehr. Wie geht es jetzt weiter für den einstigen WM-Helden von 2014?

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Fakt ist: In der Abwehr-Hierarchie beim deutschen Rekordmeister steht Boateng weit unten. Niklas Süle und Rekord-Neuzugang Lucas Hernándenz sind in der Innenverteidigung gesetzt. Auch Benjamin Pavard und Javi Martínez können zentral spielen, sind anders als Boateng aber auch variabel einsetzbar. Kein Wunder, dass der 31-Jährige also bislang nur im Supercup zum Einsatz kam. Weder in der Bundesliga noch im DFB-Pokal bekam der Ex-Nationalspieler Spielzeit und saß nur auf der Bank.

In diesen Ländern ist das Transferfenster noch offen

Ein Wechsel ist theoretisch noch immer möglich, allerdings ist die Auswahl der Ziele stark begrenzt. In Portugal ist das Transferfenster noch bis zum 22. September geöffnet, dort stehen traditionell aber eher Talente auf dem Wunschzettel. Auch Klubs aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die immer auf der Suche nach neuen Stars sind, können noch bis zum 30. September Spieler verpflichten. In Katar stehen zum Beispiel die früheren Bundesliga-Profis Medhi Benatia, Ja-cheol Koo und Pierre-Michel Lasogga unter Vertrag.

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Sollte das für Boateng und den FC Bayern nicht in Frage kommen, bliebe noch das Transferfenster im Winter. Ab dem 1. Januar und bis zum 31. dürfen die Top-Klubs europaweit wieder einkaufen. Falls Boateng in München weiter außen vor bleibt, erscheint dies derzeit als die beste Möglichkeit für den Ex-Nationalspieler, seine Karriere wieder in Gang zu bringen. Der Vertrag beim deutschen Rekordmeister läuft jedenfalls noch bis zum 30. Juni 2021, doch dass der Routinier noch zwei Jahre beim FC Bayern bleibt, ist wohl ausgeschlossen.

2019 ein Seuchenjahr für Boateng

Boateng hätte einen Neuanfang dringend nötig. Der Innenverteidiger hat ein Seuchenjahr mit zahlreichen Rückschlägen hinter sich. Nach der verpatzten WM in Russland 2018 gehörte Jérôme Boateng zu dem Kreis der erfahrenen Nationalspieler, die für den Misserfolg mit verantwortlich gemacht wurden. Auch Bundestrainer Joachim Löw zog seine Konsequenzen und sortierte den Abwehrspieler gemeinsam mit Mats Hummels und Thomas Müller aus. "Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben. Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist", erklärte Löw im März 2019 die Entscheidung.

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Auch beim FC Bayern läuft es schon seit Jahren nicht mehr richtig rund. In den vergangenen vier Spielzeiten absolvierte Boateng nie mehr als 20 Bundesliga-Spiele. Oft waren Verletzungen daran Schuld, darunter Blessuren am Oberschenkel und an der Schulter. Zuletzt wurde er aber auch immer häufiger leistungsbedingt aussortiert. In den entscheidenden Spielen in Liga, Pokal oder Champions League war der Innenverteidiger meistens keine Option und saß nur auf der Bank.

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Im Mai 2019 schien das Tischtuch zwischen dem Veteran und dem deutschen Rekordmeister dann endgültig zerschnitten. Boateng selbst distanzierte sich von der Mannschaft und wirkte auf dem Platz oft lustlos. Von Präsident Uli Hoeneß gab es anschließend ein vernichtendes Urteil: "Ich würde ihm empfehlen, den Verein zu verlassen. Denn ich glaube, er braucht eine neue Herausforderung. Er wirkt wie ein Fremdkörper! Und ich würde ihm als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen."

Boateng konterte das mit scharfer Kritik an Trainer Niko Kovac: "Ich bin Fußballer. Ich brenne immer noch. Ich bin heiß. Aber ich wurde gebremst, weil ich für mich unfairerweise nicht zum Einsatz kam, wie ich es verdient hätte", so der Ex-Nationalspieler, der weiß, dass es in diesem Geschäft nicht immer fair zugeht. Aber: "Ich habe das Gefühl, ich hätte mich auf den Kopf stellen können, es war alles so in Stein gemeißelt seit Dezember."

Flick und Rummenigge loben Boateng

Inzwischen haben sich die Wogen aber offenbar wieder halbwegs geglättet. Boateng glänzte mit Einsatz in der Vorbereitung und erntete dafür Lob von den Bayern-Verantwortlichen. "Wie sich Jérôme innerhalb der Mannschaft und des Klubs bewegt hat, war sehr positiv. Er hat Pluspunkte gesammelt", urteilte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Juli und Co-Trainer Hansi Flick erklärte: "Jerome ist für mich ein absolut toller Spieler, einer der besten Innenverteidiger."

Dass Boateng, der sich zuletzt für sein Auftreten am Ende der vergangenen Saison entschuldigt hatte, wieder zum Stammspieler aufsteigt, ist dennoch unwahrscheinlich. Am teuren Neuzugang Lucas Hernández und Abwehrchef Niklas Süle ist kaum ein Vorbeikommen. Und ob sich der erfahrene Ex-Nationalspieler dauerhaft mit einer Reservistenrolle zufrieden gibt, ist zumindest fraglich.

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