03. September 2019 / 09:02 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw: Darum habe ich lange an Müller, Hummels und Boateng festgehalten

Bundestrainer Joachim Löw: Darum habe ich lange an Müller, Hummels und Boateng festgehalten

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joachim Löw erklärt im SPORTBUZZER-Interview den Entscheidungsprozess hinter der Ausmusterung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng
Joachim Löw erklärt im SPORTBUZZER-Interview den Entscheidungsprozess hinter der Ausmusterung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng © Achim Keller/Getty/Montage
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Rund sechs Monate nach dem DFB-Aus für Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng gewährt Bundestrainer Joachim Löw im SPORTBUZZER-Interview tiefe Einblicke in den Entscheidungsprozess und erklärt den umstrittenen Zeitpunkt für den Beschluss.

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Es war eine Zäsur. Nachdem Joachim Löw im vergangenen März das altgediente Weltmeister-Trio Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng aussortierte, offenbarte sich die damalige Zerrissenheit der deutschen Fußball-Seele. Einige lobten den Bundestrainer für die Entscheidung, die drei Stars nicht mehr für die Nationalmannschaft zu nominieren. Andere kritisierten ihn. Und dann gab es noch eine Gruppe von Beobachtern, die vor allem den Zeitpunkt des Schritts für zweifelhaft hielten. Denn: Löw hatte nicht unmittelbar nach der verkorksten WM klare Kante gezeigt, sondern wollte den Umbruch zunächst eher behutsam vorantreiben.

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Löw: "Sie können heute noch Weltklasse sein"

Im SPORTBUZZER-Interview (hier geht es zum kompletten Interview) erklärt der 59-Jährige die Gründe für sein Vorgehen. „Bei der Nationalmannschaft kann man ja nicht einfach so alles von heute auf morgen verändern. Ich war mir nach der WM auch nicht sicher, weil ich wusste, dass gerade diese drei Spieler noch immer Weltklasse sein können – und das können sie heute immer noch“, erläutert der Bundestrainer: „Es kam die Nations League, die wir auch intern vielleicht etwas zu hoch gehängt haben. Wir haben gedacht: das ist ein Wettbewerb, dazu noch in einer Gruppe mit Frankreich und den Niederlanden, da brauchen wir alle, vor allem die Erfahrenen und Etablierten, die zeigen wollen, dass wir es besser können.“

Das komplette Interview mit Joachim Löw

Nachdem das DFB-Team dann aber ohne Sieg in die Zweitklassigkeit der Nations League abstieg, war Löw klar: „Jetzt müssen wir den Umbruch einleiten. Mit der EM-Quali beginnt ein neuer Zyklus. Aber ich wollte bewusst die Vorbereitung abwarten und sehen, wie die Spieler aus der Winterpause kommen. Vor der Quali wollten wir es dann durchziehen, entscheiden, auf welche Spieler mit Perspektive wir setzen. Wir wussten: die anderen sind immer noch gut, sehr gut sogar. Aber jetzt ist es Zeit für den Umbruch.“

Löw: "Das hat mich viel Kraft gekostet"

Also machte Löw rund drei Wochen vor dem Quali-Auftakt gegen die Niederlande Nägel mit Köpfen und teilte Müller, Hummels und Boateng ihr DFB-Aus mit. „Es war ein sehr schwieriger Tag. Das hat mich sehr viel Kraft gekostet, da ich eine sehr emotionale Bindung gerade zu diesen drei Spielern habe. Vor ein paar Jahren waren sie es, denen ich Raum in der Nationalmannschaft schaffen musste und wollte“, erklärt er.

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Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng ereilt das gleiche Schicksal: Die drei Weltmeister des FC Bayern gehören nicht mehr zum DFB-Team. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse darauf reagiert. Zur Galerie
Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng ereilt das gleiche Schicksal: Die drei Weltmeister des FC Bayern gehören nicht mehr zum DFB-Team. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse darauf reagiert. ©
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Ob auch andere etablierte Spieler zur Debatte standen und kurz davor standen, „rasiert“ zu werden? „Wir haben mehrere Szenarien diskutiert, wobei mir der Begriff des Rasierens überhaupt nicht gefällt. Wir wollten Räume schaffen für Spieler, denen wir zutrauen, zukünftig Stützen dieser Mannschaft sein zu können“, sagt Löw: „Genauso klar war mir aber, dass wir weiter erfahrene Säulen brauchen. Diese Rolle haben nun Neuer und Kroos, auch Reus und Gündogan.“

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