20. Juli 2021 / 19:05 Uhr

Topklub im Ausland, Hertha-Rückkehr – oder doch etwas anderes? So könnte es für Jerome Boateng weitergehen

Topklub im Ausland, Hertha-Rückkehr – oder doch etwas anderes? So könnte es für Jerome Boateng weitergehen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Rückkehr nach Berlin oder doch ein Wechsel ins Ausland - oder gar innerhalb der Bundesliga? Jerome Boateng hat viele Optionen.
Rückkehr nach Berlin oder doch ein Wechsel ins Ausland - oder gar innerhalb der Bundesliga? Jerome Boateng hat viele Optionen. © IMAGO/Pool/Panthermedia/blickwinkel/Montage
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Was wird aus Jerome Boateng? Seit zwei Wochen ist der Weltmeister ohne Verein. Das gibt Raum für Spekulationen – etwa über eine Rückkehr zu seinem Jugendklub Hertha BSC. Der SPORTBUZZER blickt auf Boatengs Karriere-Optionen.

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Die Gerüchte wurden in den vergangenen Tagen wieder lauter: Kehrt Jerome Boateng wirklich zurück zu Hertha BSC? Offenbar ist ein Comeback des 32-Jährigen im Olympiastadion nach 14 Jahren eine ernsthafte Option, mit der sich sowohl Verein als auch Spieler zunehmend befassen. Der Umstand, dass auch Boatengs Halbbruder Kevin-Prince seit einigen Wochen wieder bei der "Alten Dame" unter Vertrag steht und auch Jerome Boateng bekanntermaßen eine enge Bindung zu seiner Heimatstadt hat, dürften den Spekulationen weiter nähren.

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Zumal die Optionen, die der Weltmeister zwei Wochen nach seinem Vertragsende beim FC Bayern München (wo er seit 2011 spielte) hat, nicht unbedingt riesig sind. Dabei ist bekannt, dass ein Transfer ins Ausland für den Ex-Nationalspieler eine lukrative Option ist. "Ich bin super durch die Saison gekommen, musste kein Spiel wegen einer Verletzung aussetzen. In der Verfassung kann ich auf jeden Fall noch zwei, drei Jahre auf Top-Niveau spielen", sagte Boateng dem FCB-Klubmagazin 51. Dass dies sein erklärtes Ziel ist, zeigt auch, dass er in den vergangenen Wochen via Instagram immer wieder Videos davon postete, wie er sich fit hält. Boateng will für seinen neuen Verein in Form bleiben, ans Karriereende denkt er mitnichten. Nur, wohin zieht es den Innenverteidiger? Der SPORTBUZZER zeigt drei mögliche Karriere-Szenarien.

Topklubs in Italien oder England: Weiter auf dem allerhöchsten Level?

Es scheint die derzeit (noch) wahrscheinlichste Option zu sein, auch wenn die Möglichkeiten schwinden. Boateng will weiter in der Champions League spielen - idealerweise weiterhin bei einem schillernden Spitzenverein. Bei Paris Saint-Germain wurde ein erfahrener Superstar gesucht, die Wahl fiel jedoch auf Real-Legende Sergio Ramos (35) und nicht auf Boateng, der lange als aussichtsreicher Kandidat auf ein Engagement an der Seine galt. Genauso bei Manchester United, wo Boateng vor einigen Jahren selbst einen Wechsel ablehnte. Die Red Devils wollen sich wohl tatsächlich weltmeisterlich verstärken, allerdings fiel die Wahl auf Raphael Varane, der wie Ramos Real Madrid nach über zehn Jahren im Verein verlässt. Und bei Real? Da ist Boatengs langjähriger Teamkollege David Alaba der neue Platzhirsch. Und intern soll Vereinschef Florentino Perez bereits bekannt gegeben haben, dass es keine weiteren Transfers geben werde. Der schwer angeschlagene FC Barcelona indes dürfte kaum in der Lage sein, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen - bekommt man doch nicht mal seine bereits fixen Neuzugänge ohne Schwierigkeiten registriert.

Bleiben England und Italien als realistische Alternativen. Tatsächlich wird Boateng immer wieder mit Klubs aus der Premier League (Tottenham Hotspur) und der Serie A (AS Rom, Lazio Rom), in Verbindung gebracht, die allerdings nicht das allerhöchste Regal sind - auch wenn beispielsweise die Roma unter Star-Trainer José Mourinho wieder zurück zu alter Stärke will. Auch der entthronte Serienmeister Juventus Turin galt lange als Top-Interessent, allerdings soll der Vertrag mit Europameister und Vereins-Veteran Giorgio Chiellini weiter verlängert werden - Trainer-Rückkehrer Massimiliano Allegri stehen mit Chiellinis kongenialem Abwehr-Partner Leonardo Bonucci, Merih Demiral und Supertalent Matthijs de Ligt weitere Spitzenverteidiger zur Verfügung. Die heißesten Eisen, die Boateng international im Feuer hat, dürften nach aktuellem Stand Lazio und AS Rom sein.

Alte Liebe rostet nicht: Boateng zurück zu Hertha und seinem Bruder?

Schon im vergangenen Jahr ließ Kevin-Prince Boateng aufhorchen, als er die Rückkehr der verlorenen Söhne ins Berliner Olympiastadion zumindest andeutete. Er wolle "rübergehen" zur Hertha, "ein Jahr spielen, dann meinen Bruder dazuholen und mit ihm noch ein, zwei Jahre spielen", sagte der Ex-Mailänder dem Magazin Socrates. "Das wäre ein Traum." Mit seinem Bruder war natürlich Jerome gemeint, der wie der zwei Jahre ältere Prince seine Laufbahn einst in Charlottenburg bei der Hertha begonnen hatte. Im Profibereich haben sie nur in drei Spielen (zwei mit Hertha, eins mit der deutschen U21) kurzzeitig zusammen gespielt, letztmalig vor zwölf Jahren. Vor dem Karriereende nochmals gemeinsam auf dem Platz zu stehen, ist ein erklärter Wunsch der Brüder. Prince hat sich die Hertha-Rückkehr inzwischen erfüllt, es soll seine letzte Profi-Station sein. Folgt nun auch Jerome?

Berliner Pflanzen: Die drei Brüder Jerome, George und Kevin-Prince Boateng (v.l.) auf einem Mural an der Kreuzung Badstraße und Pankstraße im Wedding.
Berliner Pflanzen: Die drei Brüder Jerome, George und Kevin-Prince Boateng (v.l.) auf einem Mural an der Kreuzung Badstraße und Pankstraße im Wedding. © IMAGO/Hohlfeld

Dass die Hertha bei angemessenen Rahmenbedingungen keineswegs abgeneigt wäre, hatte der neue Hertha-Sportgeschäftsführer Fredi Bobic bereits vor einigen Wochen durchblicken lassen. "Jerome ist auch einer, der den Berliner Background hat", sagte der Ex-Frankfurter unlängst und fügte kryptisch hinzu: "Man weiß ja nie, was der Transfermarkt am Ende hergibt." Eine Aussage nach dem Motto: Schauen wir mal, was die Zeit bringt. Bobic weiß, dass Boateng im Ausland im Regelfall finanziell lukrativere Offerten winken. Aber gilt das auch inmitten der Corona-Krise?

Klar ist: Die ambitionierte und von Investor Lars Windhorst mit frischem Geld versorgte Hertha will in naher Zukunft international spielen und hat gewiss keine schlechten Karten, zumal Boateng nach Ablauf seines Vertrags in München ablösefrei ist. Man stehe laut des italienischen Transfer-Fachmanns Gianluca Di Marzio bereits in Kontakt miteinander - Ausgang ungewiss.

Oder entscheidet Boateng sich doch ganz anders?

Ein Spitzenklub im europäischen Ausland oder eine Rückkehr zur Hertha. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass sich Boateng weder für das eine noch für das andere Szenario entscheidet. Was bleibt ihm noch? Wie der SPORTBUZZER im April exklusiv berichtete, dachte Borussia Dortmund zwischenzeitlich darüber nach, dem langjährigen Bayern-Star ein Angebot zu unterbreiten. Letztlich blieb es allerdings wohl vor allem bei den theoretischen Überlegungen, auch wenn der Platz neben seinem früheren Mitspieler Mats Hummels beim BVB durchaus weiterhin vakant ist. Dan-Axel Zagadou ist dauerverletzt, Manuel Akanji nicht immer der erhoffte Sicherheitsfaktor und der 17 Jahre alte Neuzugang Soumaila Coulibaly wohl (noch) kein Mann für die Gegenwart.

Oder macht Boateng den Schweinsteiger? Wie sein Kollege aus der Weltmeister-Elf von Rio de Janeiro, der zum Ausklang seiner glanzvollen Laufbahn zwei Jahre lang in den USA bei Chicago Fire kickte, könnte es auch den Innenverteidiger nochmal nach Übersee ziehen. Die nordamerikanische Major League Soccer ist bekannt dafür, renommierten Stars aus Fußball-Europa eine verlockende und gut dotierte Herausforderung vor dem Karriereende zu ermöglichen. Aktuell kicken in der MLS etwa Stürmer Gonzalo Higuain (Juve, Napoli und Chelsea), Boatengs Gegenspieler im Finale der WM 2014, und Weltmeister Blaise Matuidi aus Frankreich. Früher waren auch Wayne Rooney, David Beckham oder Zlatan Ibrahimovic in den Vereinigten Staaten unterwegs. Die Option USA oder Kanada ist jedoch für Boateng vergleichsweise unwahrscheinlich, denn er steht voll im Saft und dürfte lukrativere und sportlich reizvollere Angebote dem Abenteuer vorziehen - zumal er unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick (ein ausgewiesener Boateng-Fan) sicherlich auch noch Ambitionen im DFB-Team hegt.