21. September 2020 / 18:02 Uhr

Jetzt auch Hehlingen? Bezirkspokal-Absagen sorgen für Verständnis und Kritik

Jetzt auch Hehlingen? Bezirkspokal-Absagen sorgen für Verständnis und Kritik

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zum Bezirkspokal-Auftakt gewann der TSV Hehlingen (rote Trikots) beim SV Reislingen/Neuhaus mit 3:1.
Zum Bezirkspokal-Auftakt gewann der TSV Hehlingen (rote Trikots) beim SV Reislingen/Neuhaus mit 3:1. © Britta Schulze
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Neben dem TuS Neudorf-Platendorf denkt auch der TSV Hehlingen darüber nach, im Bezirkspokal nicht mehr anzutreten. Einige Vereine zeigen aufgrund der hohen Belastung Verständnis für die Entscheidung, es gibt aber auch Gegenwind.

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Der TuS Neudorf-Platendorf hatte sich in der vergangenen Woche bereits aus dem Bezirkspokal zurückgezogen, mit dem TSV Hehlingen könnte der nächste heimische Verein nachziehen. Am Sonntag war das Team von Trainer Artur Krause nicht gegen die TSG Mörse angetreten, ob der Bezirksligist am Sonntag beim SV Barnstorf (15 Uhr) auflaufen wird, wurde „noch nicht final entschieden“, wie Krause mitteilt: „Derzeit sieht es nicht gut aus, weil alle auf der letzten Rille laufen.“

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Spieler aus der zweiten Mannschaft konnten gegen Mörse nicht aushelfen, da das Team selbst ein Liga-Spiel (1. Kreisklasse) gegen Sport Union bestritt. Der Bezirkspokal soll den Vereinen auch als Vorbereitung auf den Liga-Spielbetrieb dienen, so hatte es der NFV kommuniziert. Auch deshalb entschied der TSV, seinen Kader nicht mit Spielern aus der Reserve aufzufüllen. „Liga-Spiele sind einfach wichtiger als Pokal-Spiele, und unsere Zweite hat derzeit auch nur englische Wochen“, sagt Krause, der Verständnis aus Mörse erhielt, „weil es bei denen Personell auch nicht viel anders aussieht“.

Teams müssen Geldstrafe zahlen

Hehlingen erwartet vom NFV eine Geldstrafe für den Nicht-Antritt gegen Mörse, doch Kraus hofft auf Nachsicht: „Ich würde mir wünschen, dass es etwas verständnisvoll behandelt wird.“ Dieses Entgegenkommen wird es jedoch nicht geben. „Es sind Pflichtspiele, wenn die Vereine nicht antreten, dann haben sie auch die entsprechende Strafe zu zahlen“, sagt der Bezirksausschuss-Vorsitzende Jörg Zellmer. „Die Mannschaften hätten auch die Möglichkeit gehabt, die Spiele zu verlegen, das ist nicht geschehen.“

FC-Trainer Rezzoug: Meinung über Wettbewerb geändert

Der 1. FC Wolfsburg hatte den ersten Sieg im Bezirkspokal gegen den WSV Wendschott (3:1) teuer erkauft: „Wir haben schon wieder drei Verletzte. Ich bin froh, wenn der Wettbewerb endlich vorbei ist“, sagt Trainer Mohammed Rezzoug, der Verständnis für die Mannschaften zeigt, die sich vorzeitig aus dem Wettbewerb zurückziehen. „Sie versuchen sich bestmöglich für den Liga-Start aufzustellen.“

Kreuzbandrisse, Meniskus-Schäden, Zerrungen und eine gebrochene Nase - der 1. FC geht wie viele andere Vereine vor dem Liga-Start im Oktober auf dem Zahnfleisch. Dennoch wird der Bezirksligist das Nachholspiel am Donnerstag beim VfB Fallersleben (19 Uhr) und die letzte Partie Sonntag beim SSV Vorsfelde (15 Uhr) spielen. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer versuche, das bestmögliche aus einer Situation zu machen. Und ich möchte den Verein auch nicht mit einer Geldstrafe belasten“, sagt Rezzoug, der anfangs ein Befürworter des aufgrund der Corona-Pandemie veränderten Wettbewerbs war. Aber: „Das hat sich geändert, weil ich sehe, dass es für die Spieler einfach zu viel ist.“

In der vergangenen Woche hatte sich Platendorf bereits vom Wettbewerb abgemeldet. TuS-Trainer Ralf Schmidt monierte die hohe Intensität nach der langen Pause: „Wir machen das einfach nicht mehr mit. Die Jungs haben ein Dreivierteljahr nicht gespielt, müssen dann sechsmal in kürzester Zeit ran. Das ist ein Kaltstart.“ Heinz-Günter Scheil, Trainer beim TSV Vordorf (Spitzenreiter Gruppe 13) versteht den Unmut: "Für Amateur-Fußballer ist diese Belastung im Moment nicht zu stemmen. Jeder hat ja schon fast Angst, dass er am nächsten Tag nicht mehr zur Arbeit kommen kann, weil er Schmerzen verspürt. Wir bewegen uns alle am Limit.“

Germania Ummern ist Schlusslicht in Gruppe 15, doch das abschließende Spiel am Sonntag beim FC Brome wird das Team dennoch absolvieren. „Wir könnten auch abbrechen, aber das ist nicht im Sinne des Sports“, sagt Spartenleiter Marvin Kuhls. Bedenklich findet er dagegen, dass das erste Saisonspiel gegen Platendorf steigt. „Die können sich zwei Wochen erholen, während wir durchspielen.“ Barnstorfs Trainer Angelo Allegrino, der am Sonntag Hehlingen empfangen soll, ist „verwundert über die Absagen. Sportlich sind diese natürlich sehr schade, da sie zu Verzerrungen in der Tabelle führen. Auch ich finde, dass die Belastung sehr hoch ist, aber jede Mannschaft sollte da die gleichen Rechte haben. Sonst kommt es zu Ungerechtigkeiten.“