23. Januar 2023 / 12:15 Uhr

Jetzt Norwegen – und dann? Deutsche Handballer uneinig über Viertelfinal-Wunschgegner

Jetzt Norwegen – und dann? Deutsche Handballer uneinig über Viertelfinal-Wunschgegner

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Spanien oder Frankreich: Der deutsche Viertelfinalgegner entscheidet sich am Montag.
Spanien oder Frankreich: Der deutsche Viertelfinalgegner entscheidet sich am Montag. © IMAGO/camera4+
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht bei der WM bereits als Viertelfinalteilnehmer fest. Nur der Gegner ist noch offen. Auf einen Wunsch-Kontrahenten können sich die DHB-Stars bislang noch nicht einigen.

Christoph Steinert steht in der Spodek-Arena von Kattowitz. Sie ist menschenleer. In den Katakomben beantwortet der Kieler Außen Rune Dahmke gerade Kinderfragen für ein TV-Team, doch Steinert scheint den Moment kurz vorm Medienansturm abseits zu genießen. Es ist, als ob er zurückblicken würde. Es ist keine 13 Stunden her, da hatten Deutschlands Handballer hier den Oranje-Express gestoppt, mit gut 4000 deutschen Fans das imponierende 33:26 über die Niederlande gefeiert. Fünftes Spiel, fünfter Sieg – die schwarz-rot-goldene WM-Party und auch die Reise geht weiter. An diesem Montag (20.30 Uhr, ARD) wartet mit Norwegen der Vizeweltmeister von 2019 im letzten Hauptrundenspiel. Die Partie bringt die Antwort, wer nach dem Flug an die Ostsee am Mittwoch in Danzig in der K.-o.-Runde auf Frankreich oder Spanien trifft.

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Bis dahin ist Alfred Gislason "immer noch ein sehr glücklicher Bundestrainer. Daran hat sich nichts geändert, ist nichts dazu gekommen." Es ist so, als ob endlich einmal alles passt. Denn seine Amtszeit stand bisher unter keinem guten Stern. Immer stand etwas im Weg. Mal fehlten die Topspieler, wie zur WM 2021 in Ägypten, dann war bei Olympia in Tokio der Gegner zu stark und im Vorjahr zur EM in Bratislava schwemmte Corona alle Hoffnungen weg. Jetzt scheint alles erstmals aufzugehen. Auch im Miteinander. "Wir haben ein sehr enges Vertrauensverhältnis zu Alfred. Das zeichnet sich dadurch aus, dass er uns als Chef der ganzen Geschichte trotzdem freie Hand lässt", sagt Steinert. "Das funktioniert bis jetzt einwandfrei und ist genau der richtige Weg."

Der richtige Weg – gegen die Niederlande, die "mit 200 Stundenkilometern aus dem Startblock kommen", wie Norwegens Superstar Sander Sagosen gern erzählt, führte der über die Abwehr. Schnell auf den Beinen, die Räume gut verdichtend, hatte sie in Julian Köster, Johannes Golla und Steinert die Säulen. Gislason bescheinigte dem erst 22-jährigen Köster sogar Weltklasse, "er macht viel mit Beinarbeit und Kopf, nicht auf die harte Weise". Die Deutschen zermürbten mit ihrer Abwehr die Holländer. Dazu hatten sie mit Andreas Wolff den überragenden Torhüter. Mit 17 Paraden hatte der Keeper des polnischen Rekordmeisters KS Kielce 43 Prozent aller Bälle abgewehrt. Noch mal Weltklasse. Die offensiven Impulse gab dabei erneut der junge Juri Knorr (22), mit neun Treffern bester Werfer, er war Dreh- und Angelpunkt im Spiel.

Frankreich oder Spanien Wunschgegner im Viertelfinale? DHB-Team gespalten

"Ole, ole, Super-Deutschland!" Die Fans feierten in der Arena und gut sechs Millionen vor den Bildschirmen. "Wir haben die Euphorie in die Heimat getragen", sagt der zufriedene Sportvorstand Axel Kromer, aber zum Teil der Wahrheit gehöre auch, dass dies nicht für den Eintrag in die Geschichtsbücher reiche. "Wir haben noch kein Team geschlagen, das als Medaillenkandidat galt." Doch jetzt kommt Weltklasse auf der anderen Seite: Norwegen, dann Olympiasieger Frankreich oder der EM-Zweite Spanien. Die Mannschaft konnte sich noch nicht auf einen Wunschgegner für das Viertelfinale festlegen. "Wir haben da zwei Lager", sagt Steinert. Frankreich ist für ihn aktuell die "beste Mannschaft der Welt. Spanien die intelligenteste." Der Halbrechte ist überzeugt, "dass uns Spanien besser liegt. Wir können gegen sie besser verteidigen."

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Wolff ist anderer Meinung: "Grundsätzlich könnte uns Frankreich eher liegen, weil die Spanier so ein bisschen unser Kryptonit sind." Was er damit meint: Bei den großen Turnieren gab es seit Jahren gegen die Iberer nichts zu gewinnen. Aber: Deutschland hat sich im Konzert der Großen zurückgemeldet. Wolff: "Wir zählen zu den besten acht Mannschaften der Welt. Ich hoffe, dass wir unseren Flow beibehalten können. Wir sind noch nicht am Ende unserer Reise."

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