27. April 2022 / 15:15 Uhr

Jetzt wird gerechnet: Die BG Göttingen und ihre Ausgangslage im Playoff-Rennen

Jetzt wird gerechnet: Die BG Göttingen und ihre Ausgangslage im Playoff-Rennen

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Einmal tief durchatmen: Trainer Roel Moors war mit dem Auftritt seiner Mannschaft in Crailsheim nur phasenweise zufrieden.
Einmal tief durchatmen: Trainer Roel Moors war mit dem Auftritt seiner Mannschaft in Crailsheim nur phasenweise zufrieden. © Eibner/Memmler
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Das große Rechnen kann beginnen: Was muss passieren, dass die BG Göttingen doch noch die Playoffs in der Basketball-Bundesliga erreicht? Klar ist, sie ist auf Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen.

Nach der 80:86-Niederlage in Crailsheim am Dienstagabend musste die BG Göttingen den achten – und damit letzten – Platz, der zur Teilnahme an den Playoffs in der Basketball-Bundesliga berechtigt, dem Gegner überlassen. Dank einer Energieleistung in der Schlussminute verkürzten die Veilchen einen Zwölf-Punkte-Rückstand noch auf sechs Zähler – und entschieden damit den direkten Vergleich für sich. Mit diesem erfolgreichen Kraftakt können die Göttinger den Hakro Merlins jedoch nur in die Suppe spucken, wenn beide Mannschaften nach 34 gespielten Begegnungen punktgleich sind – und um Platz acht konkurrieren.

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Das Spiel im Nordosten Baden-Württembergs war geprägt von einem nervösen Beginn mit vielen Fouls in einer hitzigen Atmosphäre in der mit 1.789 Zuschauern gefüllten Halle, von den Läufen beider Mannschaften und von nachlassender Kraft auf Seiten der BG in der zweiten Halbzeit. Die Achter-Rotation – Philipp Hartwich hatte knapp vier Minuten Einsatzzeit, Haris Hujic und Marios Giotis wurden gar nicht eingesetzt – hatte Schwerstarbeit zu leisten gegen eine Gastgeber-Mannschaft, die durchaus verwundbar war. Sechs Spieler standen zwischen 24 und gut 30 Minuten auf dem Feld. Und das im zweiten Spiel binnen drei Tagen. Für Mathis Mönninghoff, der in dieser Partie ein großes Kämpferherz zeigte, war im Schlussviertel die Partie beendet. Den 30-Jährigen, der sich nach seinem Bänderriss Ende März nicht einmal zwei Wochen Pause gegönnt hatte, plagten Krämpfen.

Als in der Schlussminute der Rückstand der Veilchen bis auf zwölf Punkte (70:82) angewachsen war, sah es nach doppeltem Pech aus. Die Partie war verloren, der direkte Vergleich (die BG war mit plus sieben Punkten in das Spiel gegangen) schien an die Crailsheimer zu gehen. Dann wurde es turbulent. 37 Sekunden vor dem Ende sah es beim Stand von 74:86 nicht so aus, als ob es für die BG zumindest noch einen Lichtblick geben würde. Dann aber traf Frey einen Dreier mit Foul und versenkte den fälligen Freiwurf zum 78:86. Danach zwangen die Göttinger Crailsheim zu einem Ballverlust – im Gegenzug traf Stephen Brown zum 80:86. Die BG-Verteidigung ließ keine Punkte mehr zu und erhielt sich durch diesen Kraftakt eine kleine Chance, am Ende der Hauptrunde doch auf dem achten Tabellenplatz zu stehen.

Hakro Merlins Crailsheim - BG Göttingen, BBL 2021/22

 Jeremiah Martin (BG Goettingen) im Zweikampf mit Jaren Lewis Zur Galerie
Jeremiah Martin (BG Goettingen) im Zweikampf mit Jaren Lewis ©

BG-Headcoach Roel Moors sprach nach dem Spiel von einem „komplett verdienten Sieg“ für die Crailsheimer, bei denen er den größeren Willen gesehen habe. „Nur im zweiten Viertel hatten wir Chancen mit einem noch größeren Vorsprung in die Halbzeit zu gehen, aber das haben wir nicht genutzt. In der zweiten Halbzeit war Crailsheim viel aggressiver, wir haben nicht mit genug Intensität gespielt. Zu viele Spieler haben nicht ihre Stärken gezeigt. Wir waren immer dann gut, wenn wir sechs, sieben, acht Spieler hatten, die ihr Potential abgerufen haben. Das war heute nicht der Fall, bei Crailsheim schon“, fasste der Belgier zusammen.

BBL-Experte Staudenmayer erklärt Ausgangslage

Mit Blick auf die Spiele, die die drei um Platz acht konkurrierenden Teams bis zum 8. Mai noch austragen werden, steht fest, dass die BG Göttingen immer auch das Geschehen bei Crailsheim und Bamberg im Visier haben muss. Wenn alle drei Teams ihre verbleibenden Spiele gewinnen sollten, hätten die Merlins am Ende 38 Punkte auf der Habenseite, Göttingen und die Franken kämen auf 36 Punkte – hier geht der direkte Vergleich aber an Bamberg, das die Veilchen zweimal besiegte. Das ist die einfachste Rechnung.

Sollten am Ende alle drei Mannschaften punktgleich sein, gibt es einen Dreiervergleich. „Da wird eine Untertabelle erstellt, die im Normalfall schon ausreicht, um eine Entscheidung zu haben. Alles was danach kommt, wird komplizierter. Aber diesen Fall hatten wir noch nie“, sagt Jens Staudenmayer, Sportlicher Leiter der BBL. Da alle drei Teams im Verlauf der Hauptrunde schon gegeneinander gespielt haben, hat er sich die Konstellation genauer angeschaut: „Im Dreiervergleich hätte die BG Göttingen die schlechtesten Karten.“ Er liefert die Erklärung gleich nach: Göttingen hat nur eines der vier Spiele gegen Bamberg und Crailsheim gewonnen, dagegen haben die Franken drei und die Merlins zwei Siege auf ihrem Konto. Damit hätte Bamberg als Erster dieser Untertabelle die beste Ausgangsposition. Sollten sich die beiden Süddeutschen Vereine um den achten Platz streiten, kommt wieder der direkte Vergleich ins Spiel, der ginge an die Crailsheimer, die nach einer 81:91-Niederlage in Bamberg ihr Heimspiel mit 93:79 gewonnen haben.


Das Restprogramm der drei Mannschaften: Die BG spielt am 1. Mai im Heimspiel gegen Gießen und am 8. Mai beim FC Bayern München. Crailsheim ist zweimal in eigener Halle gegen Frankfurt (29. April) und Chemnitz (7. Mai) gefordert, zwischendrin müssen die Merlins in Ulm antreten (1. Mai). Bamberg spielt am 29. April in Heidelberg und danach zwei Heimspiele gegen Braunschweig (1. Mai) und Hamburg (8. Mai).

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BG kann auf internationalen Wettbewerb hoffen

In Hinblick auf Möglichkeiten, auch ohne das Erreichen der Playoffs im kommenden Jahr international spielen zu können, macht Staudenmayer der BG Hoffnungen. Neben den beiden Euroleague-Teams München und Berlin haben bis zu drei BBL-Mannschaften die Chance, in der Champions League dabei zu sein. Mindestens zwei, möglicherweise drei deutsche Vertreter könnten im EuropeCup spielen. Dann bliebe noch der Fiba Europe Cup „Da können Mannschaften spielen, die in ihrer nationalen Liga mindestens Platz zwölf belegt haben“, erläutert Staudenmayer. Da die BG Göttingen im schlechtesten Fall Zehnter werden kann, könnte sie dabei sein.