07. September 2021 / 18:04 Uhr

Handballer Jim Winter: 1000 Tore für den HSV Wildau

Handballer Jim Winter: 1000 Tore für den HSV Wildau

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Die HSV-Mannschaft freut sich mit Jim Winter (u.2.v.l.) über das 1000. Tor, das der Linkshänder für Wildau erzielte. 
Die HSV-Mannschaft freut sich mit Jim Winter (u.2.v.l.) über das 1000. Tor, das der Linkshänder für Wildau erzielte. © Suzana Kresovic
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Handball-Brandenburgliga: 32-jähriger Linkshänder spielt seit 20 Jahren für den Verein aus Wildau.

Sieben Minuten und 16 Sekunden waren im Brandenburgliga-Heimspiel gegen den Oranienburger HC II gerade einmal absolviert, als der große Moment des Jim Winter kam. Mit einer Körpertäuschung setzte sich der Linkshänder in seiner unnachahmlichen Art gegen zwei OHC-Spieler durch und versenkte den Ball unhaltbar für Gästekeeper Pascal Böhlke zur 6:4-Führung im Tor. Dieser Treffer war ein ganz besonderer für den 32-Jährigen, denn es war sein 1000. bei den Männern des HSV Wildau. Leider ging das erste Saisonmatch gegen die Drittligareserve knapp mit 20:23 (11:10) verloren.

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„Ich wusste vor dem Match, dass mir nur noch zwei Tore zur 1000er-Marke fehlten. Es macht mich schon sehr stolz, der dritte Spieler jetzt in Wildau zu sein, der diese Marke geknackt hat. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, als mir mein Jubiläumstor gelang“, freute sich Winter. Ebenfalls im Club der 1000er befinden sich derzeit Mitspieler Sebastian Kroll, der diese Marke vor einem Jahr knackte, und HSV-Legende Karsten Unger, der mit 1129 Treffern das Ranking noch anführt. „Ich möchte in den kommenden Jahren Karsten unbedingt noch einholen. Leider konnten wir in der vergangenen Saison nur drei Spiele aufgrund von Corona absolvieren, sodass ich die 1000 sicherlich schon viel eher geknackt hätte“, so Winter weiter.

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Michael Weiß, der schon seit über 20 Jahren für die Statistik beim HSV zuständig ist, hielt ihn mit seiner Torquote immer auf dem Laufenden. „Micha war auch derjenige, der mich zum Handballsport holte. Er war in der damaligen Realschule Wildau mein Sportlehrer und erkannte früh mein Talent“, erinnerte sich die Nummer sieben des HSV.

Winter hatte nicht nur Grund zur Freude, sondern er ärgerte sich sehr über die sicherlich vermeidbare Niederlage gegen den OHC II. „Für uns war deutlich mehr drin, denn wir haben bis zur 45. Minute richtig gut mitgespielt und das Remis zum 17:17 gehalten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich an unseren Sieg geglaubt. Leider haben dann in der Schlussphase der Begegnung bei uns die Lösungen gefehlt“, konstatierte der fünffache Torschütze in der Partie gegen den Oranienburger HC II. Da die Mannschaft aus Oberhavel in der letzten Viertelstunde des Matches im Abschluss deutlich effektiver als das Dahmeland-Team war, konnte sie am Ende einen 23:20-Erfolg in der Mehrzweckhalle Schulzendorf einfahren. In dieser tragen die HSV-Handballer derzeit ihre Heimpartien aus, da die Halle im Wildorado momentan noch saniert wird.

„23 Gegentreffer in einem Spiel zu kassieren, ist wirklich nicht viel. Unser Manko waren die Siebenmeter, denn davon haben wir vier Stück verworfen. Oranienburg dagegen konnte zwei von zwei in unserem Kasten unterbringen. Daran müssen wir in den kommenden Spielen unbedingt arbeiten“, kündigte Winter an. Trotz der Niederlage wurde mit den Fans nach der Begegnung noch ein wenig gefeiert. „Die hatten sogar Luftballons mit einer 1000 darauf in die Halle mitgebracht. Von der Mannschaft bekam ich zusätzlich noch ein Bild geschenkt, auf dem einige Szenen meiner Laufbahn abgebildet waren“, berichtete der zweifache Familienvater.

Jim Winter wusste schon immer ganz genau, wo das Tor steht

Bereits mit sieben Jahren fing Winter in seinem Geburtsort Berlin bei der SG Neukölln mit Wasserball an. „Als ich zwölf war, zogen meine Eltern aus beruflichen Gründen nach Ragow, sodass ich kein Wasserball mehr spielen konnte“, berichtete der HSV-Akteur. In der fünften und sechsten Klasse ging er in Mittenwalde auf die Grundschule, ehe 2002 ein Wechsel zur Realschule nach Wildau folgte. „Sportlehrer Michael Weiß schickte mich umgehend zum Handballtraining des HSV, da Linkshänder in dieser Sportart echt selten und somit sehr rar sind. Unter den Fittichen von Sven Brade bin ich in den kommenden Jahren zu einem guten Spieler herangereift“, so Winter, der auch im Jugendbereich von der C- bis zur A-Jugend immer zu den besten Torschützen gehörte. „Zweimal hatte ich den Pokal für den erfolgreichsten Werfer in der Mannschaft gewonnen, obwohl ich so ein Späteinsteiger in den Handballsport war. Meine Mitspieler waren ja schon seit der E-Jugend mit dabei.“


Auch bei den Männern reifte er sehr schnell zu einem Leistungsträger heran, der sich in den Partien regelmäßig in die Torschützenliste eintrug. „In einigen Begegnungen hatte ich sogar zweistellig getroffen“, berichtete der 32-Jährige stolz. „Komischerweise gab es bis zum heutigen Tag keine Anfragen anderer Vereine. Wären diese gekommen, dann hätte ich sowieso abgesagt, da ich mich beim HSV so richtig pudelwohl fühle. Wir sind ein toller, verschworener Haufen, der auch außerhalb der Halle sehr viel Zeit miteinander verbringt.“

Mit seiner Frau Anja und seinen beiden Kindern Max und Florian hat der selbstständige Krankenpfleger vor zwei Jahren im Wildauer Rosenanger eine neue Heimat gefunden. „Wir leben sehr gerne hier und der Weg zum Training ist für mich auch nicht so weit. Auch für unserer Kinder ist es dort sehr schön“, sagte Winter. Regelmäßig ist er auch auf dem Sportplatz am Wüstemarker Weg zu finden, denn sein achtjähriger Sohn Max kickt als Abwehrspieler beim SC Eintracht Miersdorf/Zeuthen. „Florian ist mit sechs Jahren noch nicht so weit, da er noch sehr verspielt ist“, erkannte sein Vater, der seit 20 Jahren beim HSV Handball spielt.

HSV Wildau: Wiersbin, Weber (2), Ludwig (5), Homuth, Schröder, Richter (1), Wünsche (4), Frey, Kroll (2), Winter (1), Köppen, Kneiske, Kloß (5).