15. November 2019 / 13:08 Uhr

"Vier Schrauben für Zivilcourage": Jo Ecker kämpft mit Schildern gegen Rassismus im Fußball

"Vier Schrauben für Zivilcourage": Jo Ecker kämpft mit Schildern gegen Rassismus im Fußball

Leon Schaefer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jo Ecker setzt sich mit einer Schilder-Kampagne gegen Rassismus und Gewalt im Fußball ein
Jo Ecker setzt sich mit einer Schilder-Kampagne gegen Rassismus und Gewalt im Fußball ein © Jo Ecker
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Mit der vom DFB preisgekrönten Initiative "Fußballvereine gegen Rechts" setzt sich Jo Ecker seit Jahren gegen Rassismus und Antisemitismus ein – und hat mit der Aktion "Vier Schrauben für Zivilcourage" eine interessante Plattform gefunden, die sogar Bundesliga-Klubs erreicht.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Seit über 18 Jahren engagiert sich Jo Ecker jetzt schon mit der Initiative "Fußballvereine gegen Rechts" gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus im Fußball. Und er hat eine geschickte Aktion ins Leben gerufen, mit der er seine Botschaft verbreitet: "Vier Schrauben für Zivilcourage".

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Fußballvereine jeder Spielklasse können dabei kostenlos ein Schild anfordern, das sie an ihrem Vereinsgelände anbringen können. „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“, steht auf dem Schild geschrieben und das ist auch die Botschaft der überaus erfolgreichen Kampagne. 1344 Vereine haben die Tafel schon auf ihrem Vereinsgelände angebracht – darunter sogar die Mehrzahl der Bundesliga-Vereine.

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Geld vom Julius-Hirsch-Preis gibt den Anstoß

Begonnen hat alles 2001: Ecker war damals Betreuer der C-Jugend-Mannschaft beim FC Düren-Niederau 08. Bei einem Spiel wurde seine Mannschaft, in der auch Kinder mit Migrationshintergrund spielten, rassistisch beschimpft. Ecker gründete daraufhin die Initiative "Fußballvereine gegen Rechts", bei Spielen in der Region hängte er ein Banner gegen Diskriminierung auf. 2008 wurde die Initiative vom Deutschen Fußball-Bund mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet - inklusive eines Preisgeldes in Höhe von 10.000 Euro.

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"Jetzt hatte ich einen Haufen Geld, und nur mit einem Banner bringt das nichts. Da bin ich über den Fußballplatz gegangen und habe dieses Schild gesehen 'Wer den Schiedsrichter beleidigt, wird des Feldes verwiesen'. Und da hab ich mir gedacht, warum eigentlich nur den Schiedsrichter?", erinnert sich Ecker. Er sei dann auf die Idee gekommen, ein ähnliches Schild nur eben gegen Diskriminierung zu entwerfen. Zunächst habe er noch geplant, die Schilder für sieben Euro pro Stück an Vereine zu verkaufen. "Das klappte aber nicht, die Vereine haben kein Geld", sagt er lachend. Also rechnete er noch einmal und kam zu dem Schluss, dass er den Vereinen die Tafeln auch kostenlos oder gegen freiwillige Spende zur Verfügung stellen kann.

Bayern und Dortmund fehlen Ecker noch: "Das ärgert mich schon"

Als die „Vier Schrauben“-Aktion 2008 ins Leben gerufen wurde, sprach sie sich erst einmal im Umkreis von Eckers Heimat Düren im Rheinland herum. Nach und nach verbreitete sich die Aktion durch Nordrhein-Westfalen. Doch 2013 entwickelte sich die Aktion auch überregional wie ein Lauffeuer: Im März brachte Werder Bremen ein Schild auf dem Vereinsgelände an. Der Rheinländer erzählt, wie es dazu kam: "Ich habe als Werbemaßnahme die Bundesliga- und die Zweitliga-Vereine angeschrieben und ihnen das Schild angeboten, mit der Bitte es bei sich aufzuhängen." Er habe gehofft, dass dies bundesweit auch kleinere Teams dazu animiere, mitzumachen.

Neben Werder sprangen dann auch zahlreiche andere große Klubs auf: Am Ende des Jahres machten schon acht Bundesliga-Teams und vier Zweitligisten mit. Von den aktuellen Bundesligisten sind sogar elf von achtzehn vertreten. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund fehlen aber noch in Eckers Sammlung. "Das ärgert mich schon, wenn man die fadenscheinigen Entschuldigungen hört, die dann da kommen", sagt er. Die beiden Vereine hätten ihm bisher abgesagt, weil sie eigene Aktionen zu dem Thema hätten. "Ich will jetzt aber immer weiter versuchen, mein Schild bei Bayern München hinzubekommen", gibt sich Ecker kämpferisch.

Auch sein Heimatverein, der 1. FC Köln, nimmt zu Eckers Verärgerung noch nicht an der Aktion teil. Die Kölner verwiesen darauf, dass das Stadion in Müngersdorf nur gepachtet sei. Für Ecker unverständlich: "Da hängen 10 mal 8 Meter große Bitburger-Schilder und mein kleines Schild soll da nicht aufgehangen werden."

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. Zur Galerie
Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. ©

Doch auch ohne die prominente Unterstützung wäre die Aktion erfolgreich gewesen, glaubt Ecker. Er hat nämlich nichts dem Zufall überlassen, sondern weiter fleißig um neue Teilnehmer geworben: "Das war schon akribische Kleinarbeit. Ich habe im Internet alle Vereine, die ich so finden konnte - auch auf den Verbandsseiten - herauskopiert und per E-Mail angeschrieben. Auch Fotos von den ersten Schildern, die hingen, habe ich hinzugefügt. So kamen dann jede Woche zwei, drei Vereine dazu", erinnert sich der Ehrenamtler. Jeder neue Verein habe die Aktion wieder einem breiteren Publikum bekannt gemacht - auch durch Presseberichte und Social-Media-Posts.

Zerstörte Schilder werden kostenlos ersetzt

"Die tollsten Erlebnisse mit dem Schild sind eigentlich die Schilder, die im Osten aufgehangen werden", sagt Ecker. Dort sei es nicht so einfach, die Aktion zum Erfolg zu bringen, viele Schilder würden zerstört oder gestohlen. Doch gegen Vandalismus ist der Rheinländer gefeit: "Auf dem Schild ist eine lebenslange Garantie. Wer ein zerstörtes Schild hat, bekommt ein neues", versichert Ecker. Er selbst bekomme wie viele, die Zivilcourage zeigen, immer wieder Morddrohungen. "Am Anfang war das schwierig", sagt er. "Aber das ist meine Lebensaufgabe geworden. Es macht mir nichts mehr aus."

Auf dem breiten Erfolg der "Vier Schrauben"-Aktion will sich Ecker nicht ausruhen, sondern legt immer wieder mit neuen Aktionen nach: Er verleiht jetzt auch ein Banner mit der Anti-Rassismus-Aufschrift, das Vereine dann für ihr Mannschaftsfoto benutzen können. Und die Schilder gehen weiter weg wie geschnitten Brot. Er habe schon 120 Vereine in der Warteschleife, erzählt Ecker während des Gesprächs, weitere kämen wöchentlich dazu. Ein Szenario, in dem er die Aktion beendet, kann er sich aber trotzdem vorstellen: "Ich würde gerne 24.900 Schilder aufhängen, dann hätte ich alle Vereine in Deutschland - wobei: Am liebsten würde ich gar keins mehr aufhängen müssen, dann hätten wir das Nazi-Problem gelöst."