17. Mai 2019 / 19:58 Uhr

Joachim Geilfus: „Über Nörten geht nichts drüber“

Joachim Geilfus: „Über Nörten geht nichts drüber“

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Joachim Geilfus und Katharina Bethmann sind die sportlichen Leiter des Hardenberg Burgturniers.
Joachim Geilfus und Katharina Bethmann sind die sportlichen Leiter des Hardenberg Burgturniers. © Pförtner
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Ohne Joachim Geilfus läuft beim Hardenberg Burgturnier nichts. Zusammen mit Katharina Bethmann bildet der 59-jährige Duderstädter die sportliche Leitung der Großveranstaltung. Beide machen das ehrenamtlich – und aus Passion für den Reitsport.

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„Ich bin seit mehr als 30 Jahren als Richter bei Springturnieren tätig und einer von weltweit 24 Richtern mit der höchsten Qualifikation“, sagt Geilfus. In dieser Funktion war er auch lange Zeit beim Burgturnier tätig – bis ihn Carl Graf von Hardenberg fragte, ob er nicht zusammen mit Bethmann die sportliche Leitung übernehmen wolle. Geilfus wollte: „Da sagt man nicht nein.“

Seit gut zehn Jahren üben die beiden nun gemeinsam das Amt aus. „Ich mache das schon seit 25 Jahren“, erzählt Bethmann, die am Hardenberg zu Hause ist und dort auch die Ställe betreut, wenn gerade kein Turnier läuft. Von morgens bis abends sind die beiden unterwegs, ständig klingelt das Telefon, immer wird irgendwo Hilfe benötigt.

Der Freitag beim Hardenberg Burgturnier 2019

Am Freitag griffen die Reiter beim Hardenberg Burgturnier voll ins Geschehen ein. Zur Galerie
Am Freitag griffen die Reiter beim Hardenberg Burgturnier voll ins Geschehen ein. © Swen Pförtner
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Von der Gestaltung der Ausschreibung bis zum Zeitpunkt, an dem die Sprünge in den Parcours hinein und wieder hinausgefahren werden: Die sportliche Leitung eines Turniers muss eine Vielzahl an Aufgaben erfüllen. Geilfus kümmert sich vornehmlich um den Ablaufplan und die Zeiteinteilung und sorgt dafür, dass der Programmablauf penibel eingehalten wird.

„Ich kümmere mich um den Aufbau der Stallzelte und der 355 Boxen, akquiriere und teile die Helfer ein und schaue, dass der Hindernisparcours komplett ist“, sagt Bethmann. Auch ob genug Stroh, Heu und Hafer vorrätig sind, muss die Schwester des Grafen im Blick haben.

Routinierte Zusammenarbeit

Sie und auch Geilfus sind routiniert in dem, was sie tun. Er profitiere bei seiner Arbeit während des Burgturniers auch von seiner Tätigkeit als Richter, sagt der 59-Jährige, der für einen Wohlfahrtsverband in Sachsen-Anhalt arbeitet. Schließlich seien ihm dadurch viele Abläufe vertraut. Und die meisten Reiter kenne er auch.

Als Richter im Springsport ist Geilfus etwa 100 Tage im Jahr unterwegs – weltweit. „Ich sorge dafür, dass ein Springen gemäß den Regeln abläuft und kontrolliere, ob die Ausschreibungen eingehalten werden und die Pferde fit sind.“ Es gehe um weit mehr, als nur zu registrieren, ob eine Stange herunterfällt oder nicht. „Das kann auch meine Oma“, sagt Geilfus. Vielmehr gehe es um Situationen, die eben nicht so einfach zu erkennen seien. „Hat ein Pferd verweigert oder ist es doch gesprungen“, nennt er ein Beispiel. Und solche Entscheidungen müsse er sofort treffen. „Im Zweifelsfall können wir aber auch den Videobeweis heranziehen, den gibt es im Reitsport schon länger als im Fußball.“

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Wichtig sei es, alle gleich zu behandeln und unabhängig zu entscheiden, erklärt der 59-Jährige. Dabei lastet eine riesige Verantwortung auf ihm, weshalb er auch über den Weltverband versichert ist. „Beim großen Preis in Aachen geht es um eine Million Euro Preisgeld. Falls ich da mal einen Fehler machen sollte, will ich nicht persönlich dafür haften“, sagt Geilfus.

Enorme Belastung

Ein Beispiel von vielen für die enorme Belastung: „Der Druck ist schon gewaltig“, gibt der 59-Jährige zu. Stundenlang muss er sich konzentrieren, wenn 50 Pferde nacheinander den Parcours bewältigen. „Da musst du immer hellwach sein, das geht an die Grenzen.“ Und dann sind da ja auch noch die Reiter, die mit seinen Entscheidungen nicht immer einverstanden sind. „Ich habe auch schon mehrfach Reiter ausschließen müssen“, sagt Geilfus.

Eines der schönsten Turniere weltweit sei das Hamburger Derby, erklärt der 59-Jährige. „Das ist einfach super traditionell, mit ganz viel Atmosphäre.“ Aber trotzdem er bei Europameister- und Weltmeisterschaften unzählige hochklassige Turniere erlebt. „Das Burgturnier ist immer noch das schönste“, sagt Geilfus. „Nörten ist Zuhause, da geht nichts drüber.“

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