03. September 2019 / 06:10 Uhr

Joachim Löw erklärt Arbeit mit neuer Spielergeneration: "Jeder ist ein eigenes Unternehmen"

Joachim Löw erklärt Arbeit mit neuer Spielergeneration: "Jeder ist ein eigenes Unternehmen"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim Löw erklärt im SPORTBUZZER-Interview, welche neuen Anforderungen die Entwicklungen im Fußball auch an ihn stellen
Bundestrainer Joachim Löw erklärt im SPORTBUZZER-Interview, welche neuen Anforderungen die Entwicklungen im Fußball auch an ihn stellen © Achim Keller
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Bundestrainer Joachim Löw erklärt im SPORTBUZZER-Interview, wie er auf die Veränderungen im Fußball-Geschäft reagiert, was seine Aufgabe zuweilen schwierig macht und warum die Zeit der Platzhirsche vorbei ist.

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Soziale Medien, ein explosionsartiger Anstieg bei den Gehältern, eine zunehmend visualisierte Welt und immer größer werdende Beraterstäbe: Blickt Joachim Löw auf seine nun 13-jährige Amtszeit als Bundestrainer zurück, erkennt er im Fußball erhebliche Veränderungen im Vergleich zu seinem Dienstantritt im Jahr 2006. Diese betreffen jedoch nicht nur die Vereine als Arbeitgeber der immer besser verdienenden Spieler – auch seine eigene Tätigkeit wird von den Entwicklungen erheblich beeinflusst.

„Jeder Spieler ist heute sozusagen ein eigenes Unternehmen, hat Beraterstäbe um sich herum. Es geht um Karriereplanung, hochdotierte Werbeverträge, alle sind in den sozialen Netzwerken unterwegs. Meine Kernaufgabe sehe ich darin, auf die sportlichen Belange Einfluss zu nehmen, Tipps zu geben, zu helfen“, erklärt Löw im SPORTBUZZER-Interview (hier gibt es das komplette Interview): „Und selbst da sind meine Möglichkeiten begrenzt, weil man sich nur alle paar Monate sieht.“

Das komplette Interview mit Joachim Löw

Der Bundestrainer führt aus: „Gerade das Zwischenmenschliche ist viel intensiver, wenn es auf ein Turnier zugeht und man mal sechs, acht Wochen am Stück zusammen ist. Die Nähe muss ich praktisch jedes Mal aufs Neue wiederherstellen. Manchmal denke ich mir: Wenn ich die Jungs mal drei, vier Monate jeden Tag hätte, das wäre ein Sechser im Lotto.“

Löw: "Die aktuelle Generation tickt einfach anders"

In den Phasen, in denen ihm seine Nationalspieler zur Verfügung stehen, hat der 59-Jährige über die Jahre Veränderungen an seiner Arbeitsweise vorgenommen, um diese den neuen Gegebenheiten anzupassen „Die aktuelle Generation tickt einfach anders. Die Spieler setzen mehr auf Kommunikation, sie wollen auch über die Medien angesprochen werden, wollen die Dinge sehen, verstehen, die man mit ihnen bespricht. Für uns bedeutet das, dass wir gewisse Informationen stärker als früher visualisieren.“

Zudem sei die Zeit der meinungsstarken Platzhirsche vorbei, klare Hierarchien wie früher, gebe es nicht mehr. „Die jungen Spieler trauen sich, Kritik zu üben, sie sind reifer, wollen mitreden. Alles hat sich weiterentwickelt.“ Dabei bezieht sich Löw nicht nur auf das persönliche Miteinander – auch sportlich hat der Fußball inzwischen komplett neue Facetten.

Nationalmannschaft: Alle Debütanten unter Joachim Löw

Alle Nationalmannschafts-Debütanten unter Bundestrainer Joachim Löw im Überblick - kickt Euch durch die Galerie. Zur Galerie
Alle Nationalmannschafts-Debütanten unter Bundestrainer Joachim Löw im Überblick - kickt Euch durch die Galerie. ©
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Er erklärt: „Körperlich sind die Spieler inzwischen am Limit, da gibt es nicht mehr viel Verbesserungspotenzial. Aber im Bereich der kognitiven Fähigkeiten, der Handlungsschnelligkeit, dem Treffen von Entscheidungen, ist noch einiges möglich. Man spielt heute, wenn der Gegner Zeit hat, sich zu organisieren, gegen eine Wand.“ Einst habe man Probleme auf dem Feld allein über Ballbesitz und Passsicherheit lösen können. „In 70, 80 Prozent der Fälle wussten wir: Wenn wir unser Spiel machen, knickt der Gegner irgendwann ein.“

Löw über WM 2018: "Im Ballbesitz fast gestorben"

Diese Strategie sei heutzutage aber nicht mehr allein gültig. Löw erinnert an die verkorkste WM 2018. „Da sind wir in diesem Ballbesitz fast gestorben, es gab keine schnellen Umschaltphasen mehr, wir haben es zu langsam gemacht. Im Kopf und auf dem Platz. Wir hatten nicht mehr die Bereitschaft, den Gegner mit Tempoläufen in Verlegenheit zu bringen. Deshalb mussten wir unser Spiel wieder anpassen, denn die Herausforderungen sind andere geworden“, sagt er, betont aber, dass der Ballbesitz-Fußball weiterhin seine Berechtigung habe: „Man muss ihn nur etwas anders ausüben. Und es ist nicht mehr so wie früher, dass die Defensive Turniere gewinnt, sondern die Mannschaft, die Tore erzielt.“

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