06. April 2020 / 10:00 Uhr

Die neuen Superstars: Joao Félix im Porträt – Der Streicher mit dem sechsten Sinn

Die neuen Superstars: Joao Félix im Porträt – Der Streicher mit dem sechsten Sinn

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joao Felix wechselte im Juli 2019 für die Ablösesumme von 120 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Atlético Madrid.
Joao Felix wechselte im Juli 2019 für die Ablösesumme von 120 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Atlético Madrid. © imago images/Action Plus
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind noch da, aber die nächste Generation lauert schon – der SPORTBUZZER stellt die neuen Superstars des Fußballs in einer Serie mit eingebettetem Podcast vor. Teil eins: Joao Félix von Atlético Madrid.

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Als TV-Experte hat es sich Ralph Gunesch abgewöhnt, vorschnell in Euphorie zu verfallen. Doch an jenem 11. April 2019, einem Donnerstagabend, war er tatsächlich: beeindruckt. Europa-League, Viertelfinal-Hinspiel zwischen Benfica Lissabon und Eintracht Frankfurt. Der DAZN-Co-Kommentator erinnert sich noch heute an "diese Sternstunde", obwohl der Mann des Spiels gerade mal 53 Minuten für seine Glanzleistung benötigt hatte. Wobei diese Bezeichnung vielleicht nicht ganz zutrifft, der Jüngling Joao Félix ist zu diesem Zeitpunkt nämlich gerade mal 19; mit seinen drei Toren beim 4:2-Sieg der Portugiesen schreibt er Geschichte. Und das könnte erst der Anfang sein.

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Jüngster Dreierpacker in der Europa-League-Historie. Dazu die vereinsinterne Rekordliste: Jüngster Derby-Torschütze gegen Sporting Lissabon, jüngster Doppelpacker, jüngster Torschütze im heimischen Estadio da Luz. Auch Gunesch fällt die "unglaubliche Leichtigkeit" des Portugiesen schnell auf. Der Angreifer genießt alle Freiheiten. Seine Mannschaft entlohnt er dafür in der für Stürmer überzeugendsten Währung: Tore und Vorlagen – elf beziehungsweise acht sind es in 17 Liga-Rückrundenspielen. "Wie im Traum" beschreibt Gunesch die Leistungsexplosion.

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Dabei ist die vergangene gerade mal die erste Saison, die dieser Joao Félix im Profifußball gespielt hat. Zu Beginn der Spielzeit kommt er oftmals nur von der Bank, fehlt zwischenzeitlich verletzt. Erst mit Jahresanfang 2019 ist er im Sturm gesetzt, immer etwas hängend. "Durch seine Hereinnahme hat eine Revolution im Benfica-Spiel stattgefunden", sagt einer, der den inzwischen 20-jährigen Félix seit seinen Karriereanfängen genau verfolgt. Nuno Félix ist nicht mit dem Spieler verwandt, sondern arbeitete als Scout in Portugal für den 1. FC Köln und Hannover 96. Er schreibt Kolumnen für die portugiesische Zeitung Record und guckt viele Fußballspiele. Sogar sehr, sehr viele.

Er sieht, wenn Spieler durch ihre Intelligenz eine Partie maßgeblich beeinflussen. "Joao besitzt einen sechsten Sinn", erklärt der Portugal-Experte, und spricht ihm kurz darauf das aktuell vielleicht größtmögliche Lob im Weltfußball aus: "Der erste Ballkontakt erinnert mich sehr stark an Lionel Messi." Der ehemalige Scout spricht von Akteuren, die in einer Spielsituation unterschiedliche Auswege sehen. "In den seltensten Fällen gab es da jemanden, der Lösung A, B und C hatte. Joao­ hatte aber noch D, E, F und G."

Nicht überall wurden die Fähigkeiten von Félix ausreichend gewürdigt

Nicht überall wurden diese Fähigkeiten jedoch ausreichend gewürdigt. Zunächst spielte der zwölfjährige Félix nämlich seit 2012 in der Jugend des FC Porto. Als man nach drei Jahren keine höhere Verwendung mehr für ihn fand, schlug Rivale Benfica zu. Nach drei Monaten bei der U19 (wo auch sein jüngerer Bruder Hugo spielt) wird er ins B-Team beordert, in die 2. portugiesische Liga. Dort muss sich der schmächtige Junge gegen die arrivierten Abwehrveteranen behaupten. Anfangs geht er noch oft zu Boden – dann lernt er dazu.

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Dass Félix Herausforderungen explizit sucht, beweist er einmal mehr mit seinem Wechsel zu Atlético Madrid, einem Klub, der "eigentlich überhaupt nicht zu seiner Spielweise passt, aber wo er umso mehr wachsen kann", sagt Kolumnist Félix. Er soll dort den Franzosen Antoine Griezmann ersetzen, der ihm sehr ähnelt – und sich anfangs ähnlich schwer tat wie Félix bislang. Vier Tore erzielte er in 2 Ligaspielen.

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Atlético Madrid zahlte für Félix insgesamt 120 Millionen Euro

120 Millionen Euro haben es sich die Spanier kosten lassen, die Ausstiegsklausel des Sohnes zweier Lehrer zu aktivieren, Qualität hat eben seinen Preis; Ende vergangenen Jahres wird Félix als Golden Boy, der hoffnungsvollste Spieler unter 21 Jahre, ausgezeichnet – wie vor ihm auch Messi oder Kylian Mbappé.

In Portugal gibt es natürlich noch einen weiteren Reflex, Parallelen mit Ausnahmespielern zu ziehen, nämlich: Cristiano Ronaldo, dessen Starberater Jorge Mendes übrigens auch bei Felix die Karrierestrippen zieht. Für DAZN-Mann Gunesch hinkt ein direkter Vergleich zu CR7 jedoch: "Beim Musizieren wäre Félix eher der Streicher – Cristiano säße wahrscheinlich am Schlagzeug."

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Die Serie „Die neuen Superstars des Fußballs“ gibt es auch als Podcast bei rnd.de, sportbuzzer.de und allen bekannten Anbietern zum Anhören.