13. Oktober 2020 / 07:31 Uhr

Jochen Breyer über die Kritik an Bundestrainer Joachim Löw: Die Debatte ist unverständlich

Jochen Breyer über die Kritik an Bundestrainer Joachim Löw: Die Debatte ist unverständlich

Jochen Breyer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bei der EM geht es auch um das Ansehen des Bundestrainers, meint SPORTBUZZER-Kolumnist und ZDF-Moderator Jochen Breyer.
Bei der EM geht es auch um das Ansehen des Bundestrainers, meint SPORTBUZZER-Kolumnist und ZDF-Moderator Jochen Breyer. © imago images / Schüler
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Der Bundestrainer steht aufgrund seiner Taktik und Personalplanung in der Kritik. Aus Sicht von SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer ist die aktuelle Löw-Debatte jedoch unverständlich. 

Knapp sechs Wochen ist es her, dass Per Mertesacker und ich uns perplex anschauten. War dieser Mann, der da vor unserem Mikro stand und sich in Rage redete, wirklich Joachim Löw? Konnte das sein? Jener Bundestrainer, der sonst buddhagleich über den Dingen steht? Ja, es war Löw, und er hielt für seine Verhältnisse eine Art Wutrede: gegen seinen Arbeitgeber DFB und die UEFA, wegen des vollgepackten Terminkalenders. Per sagte danach zu mir: "So habe ich ihn noch nie erlebt."

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Jetzt hat sich der Wind gedreht: Löw ist nicht mehr im Angriffsmodus, sondern muss sich verteidigen. Für seine Taktik, seine Wechsel und vor allem seine Personalplanung. Lothar Matthäus, Michael Ballack, Berti Vogts, drei Größen des deutschen Fußballs, hatten ihm vorgeworfen, er habe die Nationalelf entwertet, als er gegen die Türkei eine B-Elf spielen ließ. Löws Replik, er könne mit Kritik umgehen und stehe "über den Dingen", halten nun einige für arrogant und abgehoben.

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Ich muss sagen: Ich verstehe diese Debatte nicht. Löw hatte doch lediglich ein B-Team berufen, um sein A-Team zu schonen. Da schließt sich der Kreis zu seiner Wutrede im September und dem vollen Terminkalender. Man stelle sich vor, Joshua Kimmich oder Serge Gnabry hätten gegen die Türkei gespielt und sich verletzt – wären Matthäus, Ballack und Vogts nicht die Ersten gewesen, Löw vorzuwerfen, er verheize seine Schlüsselspieler? Da kann der Trainer nur verlieren.

Bei der EM geht es um das Ansehen der Nationalelf - und um das von Bundestrainer Löw

Löw sagt: "Wir haben einen Plan bis zur EM". Klar ist aber auch: Dann, im Sommer, kann er nicht mehr so einfach "über den Dingen" stehen. Bei der EM geht es um viel: um das Ansehen der Nationalelf, das aus diversen Gründen gelitten hat. Und um das des Bundestrainers.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestsellerautor Ronald Reng, der Ex-Schiedsrichter und heutige Motivationscoach Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zu dem auch der SPORTBUZZER gehört.