03. März 2020 / 09:33 Uhr

Jochen Breyer über Debatte um Hopp-Schmähungen: "Macht mich nur traurig"

Jochen Breyer über Debatte um Hopp-Schmähungen: "Macht mich nur traurig"

Jochen Breyer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Versteht die Argumente der Ultras und fordert zu anständigen Umgangsformen auf: SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer.
Versteht die Argumente der Ultras und fordert zu anständigen Umgangsformen auf: SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer. © Verwendung weltweit
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Die Plakate der Anhänger des FC Bayern gegen den Mäzen der TSG Hoffenheim sorgen seit dem Wochenende für Diskussionen. Für SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer haben die Ultras, die seitdem massiv in der Kritik stehen, allerdings auch gute Argumente. Zudem fordert er mehr Sachlichkeit in der Diskussion.

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Kennen Sie das Wort „verabschaumen“? Nein? Ich kannte es auch nicht, bis Samstag. Nach dem Spiel Hoffenheim gegen die Bayern hatte ich in einem Instagram-Post die Schmähplakate gegen Dietmar Hopp verurteilt. Daraufhin bekam ich von einem User diese Nachricht: „Ich verabschaume dich und deine Sicht auf den Fußball.“

Die Wortkreation „verabschaumen“ – vermutlich eine originelle Mischung aus verabscheuen und Abschaum – war aber das Einzige, was mich an der Debatte, die Fußballdeutschland seit Samstag führt, erheitert. Der Rest macht mich nur traurig.

Zunächst zu den Ultras. In deren Stellungnahmen und auch in vielen Nachrichten, die ich über Insta­gram bekam, werden die „Hurensohn“-Plakate so gerechtfertigt: „Würden wir sachlich Kritik üben am Kommerz im Fußball, würde man uns kein Gehör schenken – nur durch Provokationen erhalten wir Aufmerksamkeit.“ Ja, Aufmerksamkeit haben sie bekommen. Aber: Deshalb kommen ihre Botschaften noch lange nicht an.

Breyer sieht ein: Ultras haben gute Argumente

„Wer schreit, hat Unrecht“ heißt es – das gilt auch hier: Denn wer widerwärtige Symbole wie Fadenkreuze benutzt, dessen Argumente werden eben nicht mehr ernst genommen, weil sich alle an der Geschmacklosigkeit stoßen.

Die Chronologie im Fall Hopp: So eskalierte der Hass gegen den Hoffenheim-Mäzen

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! Zur Galerie
Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

Und gute Argumente haben die Ultras ja: dass die 50+1-Regel durch Hoffenheim, Leipzig, Leverkusen oder Wolfsburg aufgeweicht wird, beispielsweise. Oder dass die Zerstückelung der Spieltage das Gemeinschaftserlebnis Fußball beeinträchtigt. Gegen die Montagsspiele protestierten Fans mithilfe von Tennisbällen – also nicht so stumpf wie gegen Hopp – und erhielten dafür sehr wohl Aufmerksamkeit.

Einführung von Kollektivstrafen als Auslöser von Protesten

Der DFB muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht unbeteiligt zu sein an der Eskalation. Keine drei Jahre ist es her, dass der damalige Präsident Grindel mitteilte, erst mal auf Kollektivstrafen zu verzichten. Diese wurden nun reaktiviert, als man BVB-Fans für zwei Jahre von Auswärtsspielen in Hoffenheim ausschloss – was die Proteste am Wochenende auslöste. Die Ultras werfen dem DFB Wortbruch vor.

Bleibt eine Frage, die seit Samstag diskutiert wird: Würde bei rassistischen Beleidigungen genauso hart durchgegriffen wie im Falle der „Hurensohn“-Plakate? Die Ul­tras unterstellen: nein. Und führen als „Beweis“ das Pokalspiel auf Schalke an, als Herthas To­ru­na­­ri­g­ha mit Affenlauten beleidigt wurde – ohne dass das Spiel unterbrochen wurde. Der DFB argumentiert: Der Schiedsrichter habe die Rufe nicht gehört. Das mag sein. Und man stelle sich vor, auf den Plakaten in Sinsheim hätten rassistische Parolen gestanden – ist es denkbar, dass das Spiel weitergelaufen wäre?

Red Bull, Dietmar Hopp, Lars Windhorst und Co.: Investoren im deutschen Profifußball

Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim, Red Bull bei RB Leipzig und Lars Windhorst bei Hertha BSC - drei Beispiele für Investoren im deutschen Profifußball. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt in der Galerie noch weitere Geldgeber von der Bundesliga bis zur 3. Liga. Zur Galerie
Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim, Red Bull bei RB Leipzig und Lars Windhorst bei Hertha BSC - drei Beispiele für Investoren im deutschen Profifußball. Der SPORTBUZZER zeigt in der Galerie noch weitere Geldgeber von der Bundesliga bis zur 3. Liga. ©

Der Beweis muss noch erbracht werden, dass der DFB nicht nur im Fall von Hopp, sondern auch bei rassistischen und homophoben Beleidigungen durchgreift. Sollte das in Zukunft geschehen, dann hatte die Debatte sogar was Gutes. Vor allem wünsche ich mir: mehr Sachlichkeit, weniger Schaum vor dem Mund. Das wäre eine positive Form von „verabschaumen“.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller-Autor Ronald Reng, der Ex-Schiedsrichter und heutige Motivationscoach Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).