28. April 2022 / 07:57 Uhr

Joel Birlehm vor Duell mit Ex-Club SC DHfK: Leipzig hat sich Erfolg "total verdient"

Joel Birlehm vor Duell mit Ex-Club SC DHfK: Leipzig hat sich Erfolg "total verdient"

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Der gebürtige Herforder Birlehm steht seit Januar 2022 für die Rhein-Neckar Löwen im Tor.
Der gebürtige Herforder Birlehm steht seit Januar 2022 für die Rhein-Neckar Löwen im Tor. © Christian Modla
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Joel Birlehm spielte zweieinhalb Jahre für den SC DHfK Leipzig, avancierte zu einem Publikumsliebling in der Arena an der Jahnallee und absolvierte im November 2021 sein erstes Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft. Am Donnerstag kehrt der Torwart mit den Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim in die Messestadt zurück.

Leipzig. Beim SC DHfK mauserte sich Handball-Torhüter Joel Birlehm (25) zum Nationalspieler, bleibt den Fans mit großartigen Paraden im Gedächtnis und half dem Verein im vergangenen Jahr zur besten Bundesliga-Spielzeit der Vereinsgeschichte. Seit Februar steht er bei den Rhein-Neckar Löwen im Kasten, mit denen er am Donnerstag ab 19.05 Uhr (Sky) in der Arena zum Bundesliga-Match in Leipzig antritt.

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SPORTBUZZER: Sie sind seit gut drei Monaten bei den Rhein-Neckar Löwen. Wie haben Sie sich eingefunden?

Joel Birlehm: „Im Team habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt, in der Stadt hat es ein bisschen gedauert. Wir haben erst nach zwei Monaten eine Wohnung gefunden, so lange habe ich im Hotel gewohnt. Anfang März bin ich mit meiner Tochter, meiner Verlobten und dem Hund nach Heidelberg gezogen. Heidelberg gefällt mir gut: Es ist ländlich, man ist schnell in der Natur und gleichzeitig ist es eine hübsche Stadt. Bis zum Training brauche ich auch nur 20 Minuten.“

DURCHSCROLLEN: SC DHfK gegen Rhein-Neckar Löwen im März 2021

Der SC DHfK Leipzig verlor am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 26:33. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig verlor am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 26:33. ©

Konnten Sie ihre Familie in der Anfangszeit trotzdem ab und an sehen?

„Zu selten. Meine Tochter ist im Januar geboren, von den ersten beiden Monaten habe ich durch den Wechsel leider nicht so viel mitbekommen. Ich habe versucht, jede freie Minute des Trainingsplans nach Leipzig zu kommen, aber das war bei der Distanz natürlich nicht ganz so einfach.“

Im Verein wurde Ihre harte Arbeit dafür bereits mit viel Spielzeit belohnt. Sind sie zufrieden mit Ihren bisherigen Leistungen?


„In einigen Spielen lief es schon ganz gut, aber da ist natürlich noch Luft nach oben. Ich merke das auch im täglichen Training, dass noch nicht alle Absprachen stimmen, ich die Abwehrspieler noch nicht in jeder Situation richtig einschätzen kann. Das ist immer ein Lernprozess. Wenn man das mit meiner Zeit in Leipzig vergleicht, war das erste Jahr genau für diese Dinge unglaublich wichtig. Im zweiten Jahr hatte ich dann dieses blinde Vertrauen zu Maciej (Gebala) und Marko (Mamic) aufgebaut, wusste eigentlich immer wie sie reagieren würden. Ich mag diesen Prozess sehr gerne, mich auf neue Mitspieler und neue Absprachen einzustellen.“

Zusätzlich zu neuen Mitspielern kam im Winter ein neuer Trainer nach Mannheim. Wie schätzen Sie Ljubomir Vranjes ein?

„Ljubo bringt eine krasse Erfahrung mit. Wenn man seine Stationen sieht, welche Teams er schon alle trainiert hat, ist das schon beeindruckend. Zusammen mit dieser Energie, die er in jedem Training ausstrahlt, kann er jeden Spieler besser machen. Er setzt wichtige Impulse in die richtige Richtung. Man merkt tagtäglich, dass er mal ein Weltklasse-Spieler war. Er feuert seine Pässe immer noch ganz schön durch die Halle. Da bekommt man fast ein schlechtes Gewissen, weil er bei der Passqualität noch mithalten kann.“

Insgesamt liegen die Rhein-Neckar Löwen derzeit nur auf Rang 10. Ist die Saison schon abgehakt?

„Natürlich wissen wir, dass in dieser Saison vieles nicht gut lief. Mit dem Tabellenplatz ist hier keiner zufrieden. Wir wollen aber weiterhin jedes Spiel gewinnen. Das ist auch für die neue Saison extrem wichtig, in der Schlussphase jetzt noch Selbstbewusstsein zu tanken. Wir wollen uns stetig entwickeln und dieses Feuer für die nächste Saison zu entfachen. Aber wir müssen uns auch auf den vielleicht größten Umbruch der Vereinsgeschichte einstellen, wenn Andy Schmid die Löwen verlässt. Er ist der Kopf der Mannschaft, die Umstellung wird viel Kraft kosten.“

DURCHSCROLLEN: Das war das Spektakel im November 2021

Der SC DHfK Leipzig trennt sich von den Rhein-Neckar Löwen mit einem 28:28-Unentschieden. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig trennt sich von den Rhein-Neckar Löwen mit einem 28:28-Unentschieden. © Klaus Trotter

Sie teilen sich die Position mit großen Namen. Wie ist die Zusammenarbeit im Torhüter-Gespann?

„Für Apfel (Mikael Appelgren) war es super wichtig, endlich wieder ein Spiel zu machen, um dieses Vertrauen in seinen Körper zurückzubekommen. Ich glaube, dass ich noch sehr viel von ihm lernen kann. Das gleiche gilt auch für Katze (Nikolas Katsigiannis), der einer der professionellsten Torhüter ist, den ich je kennengelernt habe. Hier kann man sich von jedem eine Scheibe abschneiden. Auf der anderen Seite ist da noch David (Späth), der jetzt seinen Weg in die Bundesliga gefunden hat. Wir haben einen Torhüter in jeder Phase seiner Karriere, haben alle Facetten im Team.“

Wie haben Sie die weitere Entwicklung beim SC DHfK verfolgt?

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„Leipzig spielt eine sehr souveräne Rückrunde. Wir haben gemeinsam in der vergangenen Saison das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte geholt, jetzt können sie noch mal einen draufsetzen und haben sich das total verdient. Man sieht, dass die Neuzugänge aus dem Sommer jetzt richtig greifen. Sime (Ivic) spielt unfassbar gut, hat viel Selbstvertrauen, und auch Lovro (Jotic) ist wieder fit und zeigt, was er kann.“

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Und die Torhüter-Position nach Ihrem Abgang?

Kristian (Saeveras) spielt eine Wahnsinnssaison, ist ein großartiger Torhüter und guter Freund. Ich freue mich sehr für ihn. Auch Mohamed (El-Tayar) hat in den Spielen, die er spielen durfte, schon ganz gut geliefert. Er hat neue Impulse gebracht, aber natürlich dauert es, sich in der Bundesliga zurecht zu finden. Man braucht immer eine Zeit sich einzugewöhnen, die wird man ihm in Leipzig sicherlich geben. Ich bin sehr gespannt, wo die Reise für ihn in den nächsten Jahren hingeht.“

Am Donnerstag spielen Sie erstmals gegen Ihre ehemalige Mannschaft. Ein besonderer Moment?

„Ich freue mich riesig auf das Spiel in Leipzig. Ich bin zum ersten Mal auswärts da. Das wird für mich sicherlich ein emotionales Spiel – und es wird sehr schwer für uns. Mit diesen Fans im Rücken, mit dieser Rückrunde ist Leipzig vermutlich der Favorit. Ich hoffe einfach, dass ich spielen kann. Ich war zuletzt etwas krank, fühle mich jetzt wieder gesund, aber noch nicht ganz bei 100 Prozent.“